/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

In die Kontaktbar verirrt

Kreuzlingen – Auch wenn es in erster Linie nur um den Sex geht, suchen doch die meisten eigentlich nach Liebe. Andrea Vieira von der Kreuzlinger Zeitung sprach mit einer Kontaktbar-Mitarbeiterin über ihre Erlebnisse und was sie denkt, weshalb vergebene Männer zu ihr kommen.

Läuft‘s im Bett mit dem Partner nicht mehr rund, ist der Weg in eine Kontaktbar verlockend. Bringt einem aber nur eine kurzweilige Befriedigung und löst das Beziehungsproblem nicht.  (Bild: Andrea Vieira)

«90 Prozent meiner Kunden haben eine Frau zu Hause», sagt Mari aus dem Club Relax in Kreuzlingen. Die Kontaktbar-Mitarbeiterin vermutet, dass die Männer zu ihr kommen, weil sie einen anderen Sex oder nach etwas Neuem suchen. Verleidet es einem immer mit demselben Partner zu schlafen, bezeichnen dies Psychologen als Coolidge-Effekt. «Die Neue muss nicht einmal besser sein oder schöner aussehen. Was es ausmacht, ist der Reiz des Fremden und Verbotenen», sagt Psychotherapeut Dr. Paul Paproth. Steht «Mann» in einer Midlife-Crisis neige er dazu kopflos zu Handeln und sich sogar scheiden zu lassen.

Um ihre Ehe zu retten, werden Paare kreativ und eines von ihnen ging sogar zusammen in die Kontaktbar. «Als Geschenk für ihren Mann zahlte eine Frau eine Stunde mit mir», sagt Mari. Die Frau schaute zunächst von einem Stuhl aus nur zu. Bis sie auf einmal aufgestanden sei, zum Bett ging und beim «Liebesakt» von Mari und ihrem Mann mitmachte.

Der Weg in die Kontaktbar oder die Scheidung seien nicht die besten Lösungen gegen Probleme in der Erotik. Was der Psychotherapeut Dr. Paproth vorschlägt, könnte aber helfen: «Trotz Partner müssen die eigenen Interessen gepflegt und der Partner muss als Person respektiert werden.» Ausserdem sollte dem Partner seinen Freiraum gelassen und nicht ständig nachgefragt werden, was er die letzten vier Stunden gemacht hat. Es ist und bleibt aber eine Gratwanderung zwischen Freiraum lassen und gemeinsam Zeit zu verbringen. «Die Ferienplanung zu zweit gehört auch zu einem respektvollen Umgang», ergänzt Paproth. Sitzen Paare nicht ständig 24 Stunden aufeinander, könnte auch wieder das Interesse zum Körperlichen kommen.

Junge kommen gleich zur Sache

«Die unter 30-Jährigen wollen eher direkt Sex», sagt die 29-Jährie Mari aus der Kontaktbar. Dabei spiele es keine Rolle, ob er Single sei oder eine Partnerin habe. Bei den Jungen geht alles schneller, auch «das sich in jemanden verlieben». Dafür sind die Hormone verantwortlich.

Auf der Suche nach der Liebe treibt es einige nicht nur in Kontaktpars, sondern auch auf Internet-Plattformen, die bei der Suche helfen sollen. «Auf Parship oder wie sie alle heissen, erfahren die Singles oft mehr Frust als Lust», sagt Paproth. Die Erfolgsquote liegt nur bei drei Prozent, was auf Millionen von Usern ein Tropfen auf den heissen Stein ist. Dass es bei einem Blinddate zu schnellem Sex kommt, ist wahrscheinlicher, als dass daraus eine ernste Beziehung wird.

«Im Grunde genommen geht es bei allem um die Suche nach Liebe», sagt Paproth. Aber die finde man nicht in einer Kontaktbar oder im Internet. «Aus dem Haus gehen und sich mit Leuten umgeben, welche dieselben Interessen haben, ist viel sinnvoller», schlägt Paproth vor.

Erotik verträgt keinen Stress

Stress und Druck verengen die Blutgefässe, besonders im Beckenbodenbereich. Dies kann zur Flaute im Bett führen. Heute an Valentinstag kommt der eine oder andere unter Druck, wenn der Partner ein «Geknister» erwartet, aber man selbst so gar keine Lust verspürt. «Bei reiferen Paaren gibt es mehr Erotik, weil sie gelassener und entspannter sind», sagt Paproth. Während vielfach bei den jungen Männern der Leistungsdruck bei der Arbeit und zu Hause so hoch ist, dass gar nichts mehr steht. Da kann es helfen, wenn man nach dem Feierabend zu Hause erst einmal zur Ruhe kommt und versucht die Gedanken schweifen zu lassen.

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