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Vom Bodensee in die Weltmeere

Salenstein – Anfang 2016 startete der Salensteiner Silvan Pauli mit dem Bau eines Segelkatamarans. Voraussichtlich wird er das Schiff Ende April im Bodensee einwassern. Nachdem es auf Herz und Nieren geprüft wurde, geht es auf grosse Reise.

Silvan Pauli steht kurz vor dem Abschluss seines Bauprojektes und wird bald den Katamaran im Bodensee einwassern. (Bild: Sandro Zoller)

Einen Motivationseinbruch hatte der «Self-Made»-Katamaranbauer aus Salenstein nie. «Das Bauen selbst war meine tägliche Motivation», sagt Silvan Pauli. Für die meisten Bootsbesitzer beginnt das Amortisieren des Gefährts auf dem Wasser, nicht so für ihn. «Für mich ist das bereits das Sahnehäubchen.» Dennoch steht eine längere Reise über die Weltmeere an.

Die See ruft
In zweieinhalb Monaten zeigt sich, ob all die Strapazen sowie finanziellen und zeitlichen Investitionen sich gelohnt haben. In Mannenbach erhält Pauli für vier Monate einen Bojenplatz. Wegen seiner Breite von 7,5 Metern ist ein Anlegen am regulären Bojenfeld unmöglich. Die definitive Abnahme der Seepolizei findet selbstverständlich auf dem Wasser statt. Besteht das Schiff die Testfahrten, wird es nach eventuellen Ausbesserungen im August nach Basel transportiert. Der unter Schweizer Flagge segelnde Katamaran soll Ende September Rotterdam und damit die Nordsee erreichen.

Pauli wird hauptsächlich in den wärmeren Gefilden unterwegs sein. Nicht etwa weil er die Kälte nicht mag, sondern weil er die Barfussroute im Visier hat.

Barfussroute
Die Barfussroute gehört zu den sogenannten Blauwasserrouten. Dabei handelt es sich um Strecken, welche eine geringe Wahrscheinlichkeit für schwere Stürme aufweisen. Der Name Barfussroute kommt daher, dass es wegen den milden Temperaturen stets möglich ist ohne Schuhe an Deck herumzulaufen.

Aus finanziellen Gründen steuert Pauli eher Buchten anstelle Häfen an. Den Fokus hat Pauli deshalb auch auf einen guten Anker mit ausreichender Kettenlänge gesetzt. Das Leben an Bord wird einfach gehalten und voll von Unvorhersehbarem sein. «Ich möchte das Schiff nicht kommerziell nutzen. Deshalb wird es kein Charterboot werden. In erster Linie besuchen mich meine Helfer und Freunde. Wer einen Flug bucht, um zwei Wochen bei mir zu verbringen, muss zum Beispiel mit Motorschäden oder Stillstand wegen schlechtem Wetter rechnen», berichtet Pauli über seine Pläne. Für die Atlantiküberquerung benötigt er drei Mitreisende, damit ein angenehmer Schichtplan zusammengestellt werden kann.

Der untere Teil des Katamarans stand bereits in zwei Wasserbecken und hat den Test bestanden. (Bild: Sandro Zoller)

Der Weg ist das Ziel
Wenn der Salensteiner nicht gerade in eigener Regie auf Baustellen arbeitete oder im Winter für Bauunternehmungen Baustellen abrechnete, handwerkte er tagein und tagaus an seinem Schiff. Monotonie und Lustlosigkeit kannte er nie. «Ein Haus oder alter Kutter zum Renovieren wäre einfacher und schneller gewesen, doch mich reizte das nie», so Pauli. Für ihn ist der Bau bereits der grösste Teil des Ziels, das baldige Leben auf Hoher See das Tüpfchen auf dem i.

Hört man ihn so sprechen, würde man denken, dass das Konstruieren eines Katamarans ein leichtes Unterfangen ist. Das 14 Meter lange, 7,5 Meter breite und vom Wasser bis zur Mastspitze 22,5 Meter hohe Teil hat ihm aber einiges abverlangt. Pauli kam zugute, dass er mit 15 einem Segelclub angehörte, der zu dieser Zeit ein Schiff restaurierte. Auch das kostengünstige Mieten einer Halle spielte ihm in die Hände. «Viele Sachen passten einfach. Ohne sie wäre es vielleicht unmöglich gewesen, mir diesen grossen Traum zu erfüllen», erzählt der «Self-Made»-Katamaranbauer demütig.

Hürden gab es einige. Ein stetiger unliebsamer Begleiter war die Finanzierung der Materialien und technischen Gerätschaften. Am Ende wird ihn der Katamaran eine Stange Geld gekostet haben. Um also sicher zu gehen, dass das Schiff bei den ersten Schwimmversuchen im Bodensee nicht direkt absäuft, baute er während einer Wochen zwei Wasserbecken und stellte die Rümpfe hinein. Das Testergebnis konnte sich sehen lassen. Nur bei der Gewichtsverteilung verlangte es nach einer Korrektur.

Es ist noch alles offen
Wie die Zukunft eines Abenteurers auf dem weiten Meer aussieht, das wissen nur die Sterne. Auch was mit dem Schiff nach der Reise geschieht, ist noch unklar. «Vielleicht verkaufe ich den Katamaran oder suche doch einen Liegeplatz in Sardinien oder im Norden», verrät der Salensteiner. Aber es ist sowieso ungewiss, ob er überhaupt jemals zurückkehrt. Denn wenn es ihm irgendwo gefällt, könnte er es sich gut vorstellen, da von Bord zu gehen. Ruft ihn doch der Bodensee zurück, hätte er nichts dagegen ein weiteres Segelschiff zu bauen.

Wir berichteten bereits hier im Jahr 2018 über die erste Bauetappe und die Ziele des Katamaranbauers.

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