/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Auswahl bei der evangelischen Kirchgemeinde

Kreuzlingen – Bei den Vorsteherschaftswahlen am 15. März müssen zurückgetretene Mitglieder ersetzt werden. Gleich zwei Bewerber gibt es für das Präsidium.

(V.l.) Walter Studer, Susanne Dschulnigg, Heinz Lanz, Anke Rieche, Ron Neely und Kirchgemeindepräsiden Thomas Leuch. (Bild: Inka Grabowsky)

«Ich möchte eine offene Diskussion mit Anstand und Respekt», sagt Moderator Christian Lohr. «Sie haben heute die Gelegenheit, die Kandidaten kennenzulernen. Nutzen Sie die Chance.» Anlass für die mahnenden Worte ist die Kampfkandidatur um das Präsidium. Die frühere Präsidentin Susanne Dschulnigg möchte gern ihren Nachfolger Thomas Leuch wieder ablösen. «Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen», sagt sie. «Ich bin von einigen Gemeindemitgliedern dazu aufgefordert worden.» Dennoch findet sie genug Gründe, weshalb sie besser für das Amt geeignet wäre. «Eine starke Führung wäre wichtig. Das wirkt sich auf das gesamte Gemeindeleben aus. Ausserdem fühle ich mich vom Präsidium schlecht informiert. Ich will wissen, wohin sich unsere Kirche bewegt.» Konkret stösst sie sich am aktualisierten Leitbild der Gemeinde. Der Satz «Wir anerkennen das Recht auf sexuelle Selbstfindung», war gestrichen worden. «Sie sprechen mir meine Homosexualität ab», ruft sie. «Für mich ist die Kirche ein offenes Haus mit ganz vielen Zimmern, in dem keine Gruppe ausgeschlossen wird. An diesem Haus will ich weiterbauen.» Thomas Leuch, der sich selbst eher als Schaffer denn als Seelsorger sieht, verweist auf die Vielzahl an Projekten, die in den vergangenen Jahren aufgegleist werden mussten. «Tatsächlich könnte dadurch die Kommunikation gelegentlich zu kurz gekommen sein», räumt er ein. «Aber wir schliessen niemanden aus.» Auch er vergleicht die Gemeinde mit einem grossen breiten Dach, unter dem sich eine grosse Mitarbeiterschaft versammle. «Es ist schwer, alle auf einen Nenner zu bringen, aber wir haben einen gemeinsamen Auftrag: das Evangelium nach Aussen zu tragen und umzusetzen.» Die Gemeinde befinde sich zwischen Aufbruch und Resignation. «Wir müssen uns weiterentwickeln, doch dafür brauchen wir Zeit.»

Grundsätzlich unterschiedliche Positionen vertreten die beiden Kandidaten in der Wichtigkeit von Zentrumsaufgaben in der Gemeinde. Dschulnigg sieht das Heil in vielen dezentralen Berührungspunkten – vom Open Place, dessen Präsidentin sie ist – über die Jugend- bis zur Seniorenarbeit: «Wo die Leute sind, muss die Kirche sein.» Leuch möchte in das Zentrum investieren und mit mehr Aktivitäten die Verbindungen unter den unterschiedlichen Gruppen der Gemeinde stärken.

Für die übrigen acht Posten im Gremium stellen sich sieben Gemeindemitglieder zur Wahl. Heinz Lanz, der seit vier Jahren dabei ist, hofft auf Kontinuität. «Ich möchte weiter verfolgen, was wir angefangen haben.» Neben ihm wollen auch Michael Scheuss, Ron Neely und Anke Rieche ihre Arbeit fortsetzen. Die Textilingenieurin ist erst seit einem halben Jahr Mitglied. «Ich lerne jeden Tag dazu und möchte mich weiter einbringen», betont sie. Neu wäre die Ergotherapeutin Bettina-Simone Härle, die sich bisher in der Verwertbar des Open Place engagiert. Sie fehlte bei der Vorstellung krankheitshalber. Der Architekt Burghard Von Sondern unterstützt jetzt schon ohne Amt die Baukommission: «Kirche lebt davon, dass man mitmacht, deshalb will ich schauen, wo ich gebraucht werde.» Walter Studer hat sich zur Kandidatur bereit erklärt, weil er dezidiert gegen die Sanierung des Kirchgemeindehauses aufgetreten war. «Wenn man etwas anreisst, muss man auch Verantwortung übernehmen», sagt der Ökonom und Journalist. Er wolle in Menschen investieren, nicht in Steine. Er würde die Gemeindekommunikation gern modernisieren: «Wir müssen die Leute über die richtigen Kanäle ansprechen. Dabei kann ich helfen.»

Inka Grabowsky

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.