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Kahlschlag im Tobel

Kreuzlingen – Wegen der Eschenwelke müssen in Kurzrickenbach über hundert Bäume gefällt werden – die Hälfte des Gesamtbestands.

Vom 24. bis 26. Februar blockiert der Kran die Durchfahrt. (Bild: Inka Grabowsky)

Es sieht wüst aus im Chogenbachtobel. Der Sturm hat grosse Bäume entwurzelt und in den Wasserlauf am Grund des Tals stürzen lassen. «Es sind Eschen», erklärt Tobias Fischer von Pro Forst. «Sie leiden an der Eschenwelke und hätten ohnehin gefällt werden müssen.» Die Krankheit wird durch einen Pilz ausgelöst. Die Leitungsbahnen unter der Rinde lassen keinen Saft mehr durch, die Triebe des Baums verwelken und liefern keine Nährstoffe mehr. Nach einiger Zeit sind auch die Wurzeln geschwächt. «Es ist höchste Zeit einzugreifen», so Stefan Braun von der Stadtverwaltung. «Zum einen müssen wir die Sicherheit der Menschen auf den Wegen gewährleisten, und zum anderen stellen die Bäume im Bach eine Gefahr bei Hochwasser dar.» Stämme und Äste könnten den Ablauf in Höhe Romanshorner Strasse verstopfen und den Chogenbach über die Ufer treten lassen. Die bis zu siebzig Jahre alten Bäume werden also zwischen 24. Februar und 20. März abgesägt.

Wildromantisches Tobel
Das wildromantische Tobel mit seinen 1,8 Hektar Fläche ist bei Spaziergängern sehr beliebt. Für Holzfäller aber bietet es Herausforderungen. Das unwegsame Gelände, die umliegenden Häuser und der Bach machen den Einsatz von schwerem Gerät unmöglich. Deshalb wird nun an Steigstrasse, Besmerstrasse und Chäsbachstrasse ein Kran zum Einsatz kommen. «Er hebt die Bäume nach oben heraus, so dass nicht das ganze Unterholz vom fallenden Stamm zerstört wird», erklärt Tobias Fischer. Die Wurzeln bleiben im Boden, um den Hang zu befestigen, bis die nächsten Pflanzen nachgewachsen sind. Einige Eichen und Buchen werden gezielt gesetzt. Der Kran wird in den Einsatzzeiten jeweils den Verkehr behindern, aber nur an zwei Tagen eine Zufahrt für Anwohner ganz blockieren. Die Betroffenen können vom 24. bis 26. Februar ihre Fahrzeuge unterhalb des Restaurants Besmer abstellen. «Es ist für Autofahrer derzeit nicht sehr angenehm in Kurzrickenbach», so Stadtrat Ernst Zülle, «aber es muss sein. Und vielleicht ist es für einige auch Motivation, öfter auf das Velo umzusteigen.»

Im Tobel trifft es jede Esche
Rund um die Holzbrücke über den Chogenbach wird es fast zum Kahlschlag kommen. «Nur oben an der Krete lassen wir ein paar Bäume stehen, der derzeit noch gesund aussehen», sagt Stefan Braun. «Vielleicht sind sie ja resistent. Und wenn nicht, kommen wir an sie später leicht heran.» Unten im Tobel trifft es jede Esche. Der Aufwand, sie mittels Kran aus dem Wald zu ziehen, ist einfach zu gross, als dass man ihn in ein oder zwei Jahren nochmal betreiben könnte. Die Kosten für den fast vierwöchigen Einsatz sind beträchtlich: Mit 85’000 Franken rechnet die Stadtverwaltung für die Kran-Miete und die vierköpfige Baumfäller-Equipe. «Allerdings können wir rund 300 Kubikmeter Eschenholz verwerten», sagt Ernst Zülle. «Das könnte zehntausend Franken einbringen. Und wir werden natürlich versuchen, Zuschüsse vom Kanton zu bekommen.» Da die Fäll-Aktion in Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz steht, gibt es eine gewisse Chance. Dem Schutz vor zu viel Wassermassen dient auch die neue Unterdohlung unter der Romanshorner Strasse, die ebenfalls dieses Jahr noch in Angriff genommen wird.

Inka Grabowsky

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