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Kreuzlinger Wissenschaftsunterricht ist der Beste

Kreuzlingen – Am vergangenen Mittwoch reiste eine Delegation aus Lehrpersonen und Schulleitern aus Kreuzlingen an die ETH nach Zürich, um den diesjährigen MINT-Preis, welcher im Rahmen des 10. Schweizer Tag für den Informatikunterricht verliehen wird, entgegen zunehmen. Die ehrenvolle Auszeichnung geht an die Primar- und Sekundarschule und die Kantonsschule in Kreuzlingen.

Lehrkräfte aus den Kreuzlinger Schulen durften den MINT-Preis 2020 in der ETH Zürich entgegennehmen. (Bild: ETH Zürich / Jan Lichtensteiger)

Unter dem Begriff MINT-Fächer werden Unterrichtsfächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zusammengefasst. Alles begann im Jahr 2011 als Michele Miani, Schulleiter des Schulzentrums Schreiber mit Ralph Schumacher von der ETH Zürich in Kontakt kam. Gesucht wurde ein Anschlussprojekt für die Begabungsförderung im Bereich Mathema-tik und Informatik. Aus dem kleinen Freifachprojekt entwickelte sich nach und nach ein nachhaltiges Schulprojekt. Die ETH Zürich stellte dazu für den Unter-richt massgeschneiderte Unterrichtsmaterialien zusammen und bildete die Lehrerteams aus. Immer mehr Schulzentren aus Kreuzlingen konnten für die Projekte und die dazugehörige Studie gewonnen werden. 2017 stiegen auch die Sekundarschulen und später die Kantschule ein.

An den obigen Längsschnittstudien sind viele tausend Kinder aus Schweizer Schulen beteiligt und werden über deren ganze Schulzeit bis allenfalls hin zur Kantonsschule untersucht. Die Kreuzlinger Schulen wurden für die Kooperation mit der ETHZ und das grosse Engagement der Lehrpersonen und Schulleitun-gen gewürdigt.

Die neueste Zusammenarbeit findet in einer Studie mit den Kindergartenkin-dern statt. Dabei wird nach Einwilligung der Eltern untersucht, wie wirkungsvoll Logik und erste Programmierfähigkeiten spielerisch erlernt werden können. Insbesondere ist spannend, ob elektronische Geräte dabei eine grössere Wir-kung zeigen als analoge Holzspiele. Im Jahr 2021 wissen wir wohl mehr zu die-ser spannenden Fragestellung. Auch unsere einsatzfreudigen Kindergartenleh-rpersonen sind auf die Resultate gespannt.

In der Primarschule werden Themen wie «schwimmen und sinken», «Luftdruck», «Schall», «Brücken bauen» und « Magnetismus» in den «Mensch und Umweltunterricht» eingebaut. In der Sekundarstufe 1 und 2 werden diese Themen an-schliessend aufgegriffen und ausgebaut. Schweizweit nehmen 16000 Kinder an diesen Studien Teil. Davon alleine aus Kreuzlingen 1600. Ralph Schumacher und das Lernzentrum der ETH konnten mit der Studie bislang beweisen, dass der Physikunterricht mit den KiNT-Kisten in der Primarschule sehr lernwirksam (Ef-fektstärken bei allen Tests deutlich über einer Standardabweichung) und nachhaltig ist. Auch ein Jahr später bleibt das Wissen weitgehend konstant. Mädchen und Jungen profitieren in gleichem Umfang vom Unterricht und erzielen vergleichbare Ergebnisse. Nicht nur das Inhaltswissen wird gefördert, sondern auch übergreifende Kompetenzen wie das Verständnis «fairer Vergleiche» bzw. aussagekräftiger. Der Physikunterricht in der Primarschule be-reitet die Schülerinnen und Schüler tatsächlich besser auf zukünftiges Lernen vor. Wer in der Primarschule zum Beispiel mit den Materialien zu «Schwimmen und Sinken» gearbeitet hat, erzielt drei bis vier Jahre später in der Sek I beim Thema «Wie entsteht die Auftriebskraft?» deutlich bessere Ergebnisse als Schüler, die in der Primarschule herkömmlichen Unterricht erhalten haben. Das sind also gute Neuigkeiten aus unseren Schulzimmern.

Weitere Preisträger waren die PHGR und als Einzelperson wurde Dr. Armin Barth von der Kantonsschule Baden geehrt. Die Preise wurden im Zusammenhang mit dem Schweizer Tag für den Informatikunterricht (STIU) von der Rektorin der ETH Zürich überreicht. Nach der Preisverleihung hielt Prof. Dr. Juraj Hromkovic einen Vortrag über «Kreativität in der Informatik». Im Anschluss an den Vortrag folgten Workshops. Kurz vor 17 Uhr wurde der SITU 2020 beendet.

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