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Fit im Dreivierteltakt

Kreuzlingen – Im Trösch halten sich rüstige Seniorinnen durch Tanzen jung.

Alt und klapprig? Keines Wegs. Jeden Montag, 14 Uhr, findet im Trösch ein Seniorentanz-Nachmittag statt. (Bild: Inka Grabowsky)

«Linker Fuss vor, und jetzt: eins – zwei – drei.» Tanzlehrerin Marie-Louise Florian gibt den Takt vor und 16 rüstige Damen zwischen 65 und 92 legen einen perfekten langsamen Walzer aufs Parkett. Sie tragen Turn- oder Tanzschuhe, bequeme Hosen oder schwingende Röcke. Eine formelle Kleiderordnung gibt es offenkundig nicht. Eigentlich stehen rund zwei Dutzend auf der Teilnehmerliste der Seniorentanzgruppe, aber nicht immer können alle zum Training kommen. Die Frauen müssen kein Abo lösen, sondern zahlen pro Besuch elf Franken an die Lehrerin, die von dem Betrag auch die Raummiete bestreitet. An Motivation mangelt es den Damen nicht: «Ich warte immer ungeduldig auf den Montag, damit ich wieder herkommen kann», sagt die 86-jährige Margrit Tschumper. «Solange meine Beine mich tragen, werde ich weitermachen.» Veronika Szalatnay ist 74 und freut sich ebenfalls auf die wöchentlichen Tanzstunden: «Ich bin schon als Kind ein Tanzvögeli gewesen und habe alles ausprobiert, vom Ballett bis zum Tai-Chi. Wenn die Musik mich animiert, bin ich nicht zu halten – auch im eigenen Wohnzimmer.»

Etwas Besseres für die körperliche und geistige Gesundheit könnten sie kaum tun. Tanzen regt das Herz-Kreislaufsystem schonend an, vertieft die Atmung, sorgt für eine gute Haltung, übt das Gleichgewicht, lockert Verspannungen, vermindert Stress und trainiert das Gehirn. Um sich die Reihenfolge der Schritte zu merken, muss man sich ordentlich konzentrieren. Gemäss Studien fördert Tanzen sogar die Bildung neuer Nervenzellen bis ins hohe Alter. Damit soll das Risiko an Demenz zu erkranken etwas sinken.

«Stellt euch mal zu dritt auf und ordnet euch einem Mann zu», sagt die Tanzlehrerin. Nun gibt es in der Gruppe gar keine Männer. Einige Damen tragen ein rotes Band um den Hals und übernehmen die Rolle. Natürlich würden die Tänzerinnen keinen Herren abweisen, wenn er mitmachen wollte. «Er müsste aber tatsächlich an Kreistanz oder Line-Dance Interesse haben. Wer herkommt, um eine Partnerin zu finden, der ist fehl am Platz.» Allerdings geht es auch den Seniorinnen nicht nur um Cha-Cha-Cha oder Volkstanz. «Man unternimmt etwas und hat Gesellschaft», sagt Brigitta Biehler. Eine Kollegin pflichtet ihr bei: «Zuhause bin ich einsam, und es ist immer still. Hier zu sein, tut mir gut.»

Über zwanzig Jahre arbeitet Marie-Luise Florian nun schon als Senioren-Tanzlehrerin, anfangs für Pro Senectute im «Abendfrieden», nun seit zwei Jahren selbständig im Trösch, jeweils montags zwischen 14 und 17 Uhr. Inzwischen ist sie selbst 83, aber nach wie vor voller Energie. «Tanzen hält mich fit, und die vielen Weiterbildungen halten mich geistig beweglich.» Die Tanzlehrerin, die zur Jahrtausendwende aus dem deutschen Limburg in die Schweiz kam, ruft die Gruppe kurz vor der Pause zur Konzentration. «Ja, wir sind ein wilder Haufen», sagt die 77-jährige Heidi Trachsel mit einem Lachen. «Wir schwätzen schon mal dazwischen, da muss die Leiterin durchgreifen.» Mit zu viel Ernst geht man trotzdem nicht an die Sache: «Ganz wichtig: Lächeln nicht vergessen», ruft die Tanzlehrerin Florian ihren Eleven zu.

Am Tag der offenen Tür am 1. April wird sich auch die Senioren-Tanzgruppe präsentieren. Das Trösch feiert zwischen 9 und 19 Uhr drei Jahre erfolgreiche Arbeit.

Inka Grabowsky

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