/// Rubrik: Artikel | Region | Topaktuell

Alles oder nichts

Kolumne – Ein paar Gedanken über zu grossen Ehrgeiz und zu hoch gesteckte Ziele.

(Bild: Free-Photos/Pixabay)

Vergangene Woche stand ich, wie schon unzählige Male, am Fusse des Matterhorns – der Königin der Berge. Das «Horu» ist nicht nur der meistfotografierte Gipfel der Welt, sondern auch zuoberst auf der Liste mit den meisten Todesopfern bei Besteigungen – unterdessen mehr als 500. «Die Pyramide Gottes», wie der Berg oberhalb Zermatt gelegentlich betitelt wird, lässt niemanden kalt. Sein Antlitz kurbelt nicht nur die Wirtschaft der Region an, sondern nährt auch den Ehrgeiz mancher Person. Am 14. Juli 1864 erreicht der Brite Edward Whymper als erster die Spitze des 4478 Meter hohen Ungetüms. Der Abstieg endete tödlich für einen Teil der Crew. Mit Ehrfurcht, Begeisterung und diesem Wissen schaue ich jeweils zum Matterhorn hinauf. Die Tragödie der Erstbesteigung steht für mich Sinnbildlich für zu hohe Ziele, welche auf Gedeih und Verderben erreicht werden und früher oder später mit dem Niedergang einhergehen.

Seit jeher wollen die Menschen hoch hinaus – manche schiessen dabei über das Ziel hinaus. Warum? Weil sich der Erfolg jetzt und heute abzeichnen soll. Dabei werden Zwischenetappen ausgelassen, die nicht nur als Standbeine dienen, sondern einem auch aufzeigen, ob das ach so ersehnte «Goal» vielleicht gar nicht so prickelnd oder sogar eine Stufe zu hoch ist. Mein letztjähriger Versuch, das 4164 Meter hohe Breithorn zu besteigen, scheiterte auf halber Strecke am Wetter. Dadurch erfuhr ich wieder einmal am eigenen Leib die Macht des Unvorhersehbaren. Nur mit den richtigen Werkzeugen, Ausdauer und Vernunft können nachhaltig Ergebnisse erzielt werden, ohne auf dem Eis auszurutschen und abzustürzen. Versuchen sie es lieber zu einem späteren Zeitpunkt nochmals, so wie ich mit dem Breithorn. Dann liegt vielleicht auch einmal ein Projekt in der Grössennorm des Matterhorns im Bereich des Machbaren.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.