/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Im Finale der Schweizer Physik-Olympiade

Kreuzlingen – Leo Thom aus Bottighofen reist morgen nach Aarau. Er ist einer von 27 Nachwuchswissenschaftlern, die die letzte Runde des nationalen Wettbewerbs erreicht haben.

Leo Thom will unbedingt Physik studieren. (Bild: Inka Grabowsky)

«Mich fasziniert seit jeher die fundamentale Frage nach dem Wesen der Naturgesetze», sagt der 18-jährige Kantischüler. Er ist in der MINT-Klasse der Kantonsschule Kreuzlingen und hat insofern seinen Schwerpunkt in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. «Unser Lehrer Lorenz Stäheli hat uns alle aufgefordert, den vierzig-minütigen online-Test für die erste Runde auszufüllen. Das gehört in der MINT-Klasse einfach dazu.» Schweizweit gab es 649 Teilnehmer.

In der zweiten Runde an der ETH Zürich, zu der er mit nun noch 126 Mitbewerbern antrat, ging es dieses Jahr insbesondere um Optik, klassische Mechanik und Elektrizitätslehre. «Es gab einen Multiple Choice-Test und drei grössere Aufgaben, die schon wirklich anspruchsvoll waren.» Geschafft hat er es trotzdem. Bei der jetzt anstehenden Schweizer Endausscheidung muss er mit Fragen aus allen Teilbereichen der Physik rechnen, inklusive der speziellen Relativitätstheorie, Wechselstromrechnung und Quantenphysik. Während zwei Tagen wird er unter anderem ein Experiment durchführen und erneut drei umfangreiche theoretische Aufgaben lösen müssen.

«Die Vorbereitung macht mir tatsächlich Spass», sagt Leo Thom zu seiner Motivation. Er löste dazu die Aufgaben aus vergangenen Jahren. Etwa zwei Stunden nähme es sich dafür jeden Tag Zeit, «wenn sonst nichts anliegt.» Die 28 Finalisten durften zudem zu einem Training an der ETH Lausanne. «Es war motivierend zu sehen, dass es noch mehr physikaffine Jugendliche gibt. Ausserdem lernen wir voneinander. Konkurrenzdenken habe ich jedenfalls nicht gespürt.»

Schon seit fünf Semestern nimmt der Kreuzlinger Kantischüler am Schülerstudium der Universität Konstanz teil. «Dort habe ich natürlich Physikkurse belegt, aber ich interessiere mich auch für zugehörige Fächer wie beispielsweise Philosophie.» Physik sei für ihn deshalb so spannend, weil man nur mit Kreativität auf den richtigen Ansatz komme. «Auch wenn ich alle Formeln im Kopf habe, fällt mir oft nicht sofort eine Lösung ein.» Nach der Matura in diesem Sommer will Leo Thom auf jeden Fall Physik studieren, nur wo ist noch nicht klar. «Ich habe mich bei ein paar amerikanischen Unis beworben. Mal sehen, ob das was wird. Die ETH Zürich ist natürlich ebenfalls eine Option.» Auch auf eine Spezialisierung will er sich noch nicht festlegen. Astrophysik fände er allerdings sehr spannend. Zunächst aber will er das Examen in Aarau gut absolvieren. Die fünf besten Schweizer Physik-Schüler dürfen im Juli an der Internationalen Physik-Olympiade in Litauen teilnehmen, die Plätze sechs bis zehn qualifizieren sich für den europäischen Wettbewerb in Rumänien. «Man hat schon im Hinterkopf, dass man vielleicht verreisen kann, doch das ist nicht meine Hauptantriebskraft. Ich mag einfach Physik.»

Wer sich Prüfungsaufgaben anschauen möchte, findet sie im Internet unter https://physics.olympiad.ch/de/navigation-rechts/pruefungen/

Schlussfeier
Die Schlussfeier der Physik-Olympiade findet am 15. März, ab 14 Uhr, an der Neuen Kantonsschule Aarau statt. Die Schlussfeier ist aktuell nicht vom Veranstaltungsverbot betroffen und kann wie geplant stattfinden. Die Veranstalter richten sich in der Durchführung der Schlussfeier sowie den vorher stattfindenden Prüfungen nach den Empfehlungen des Kantons Aargau und des Bundes.

Inka Grabowsky

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.