/// Rubrik: Stadtleben

Mit dem Notariat haben alle zu tun, früher oder später

Kreuzlingen – Notar René Oeggerli blickt auf 36 Amtsjahre zurück. Ende Dezember 2019 ist er in den vorzeitigen Ruhestand getreten, doch bis April wird er in einem 50-Prozentpensum die Amtsübergabe an Dr. Virginia Demuro begleiten. Erstmals übernimmt mit der Juristin eine Frau die Leitung des Kreuzlinger Notariats.

René Oeggerli und seine Nachfolgerin Virginia Demuro. (Bild: Kurt Peter)

Am 1. Januar 1984 hat René Oeggerli sein Amt als Notar und Sekretär der Vormundschaftsbehörde angetreten, wobei damals für diese Funktion noch die Volkswahl bestand. Der Zuständigkeitsbereich umfasste die Stadt Kreuzlingen und die Gemeinden Bottighofen und Münsterlingen.

Mit dem Inkrafttreten des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrechts 2013 wurden die Aufgaben der Vormundschaftsbehörde auf die KESB übertragen.

Mitte 2016 wurden bei einer weiteren Reorganisation die Kreise aufgehoben und die Zuständigkeit des Notariats auf den ganzen Bezirk ausgedehnt.

Run auf Vorsorgeaufträge
Die Aufgabe als Sekretär der Vormundschaftsbehörde erfüllte er bis Ende 2012. «Wenn ich zurückblicke, frage ich mich manchmal, wie das eigentlich zu schaffen war. Es war ein grosses Arbeitsvolumen mit den Protokollen und den umzusetzenden Beschlüssen». Das Notariat ist für die gesamte Abwicklung der Nachlässe zuständig, das heisst Erbenermittlung, Eröffnung von Verfügungen von Todes wegen, Erstellung von Nachlassinventaren und Ausstellung der Erbenbescheinigungen.

Weiter gehören zum Aufgabenbereich alle Beurkundungen des Ehe- und Erbrechts, des Gesellschaftsrechts und die Beglaubigung von Unterschriften und Dokumenten. Besonders gefragt sei aktuell der Vorsorgeauftrag. Dabei gehe es darum, im Fall einer künftigen Handlungsunfähigkeit eine Person des Vertrauens für die Abwicklung der zu tätigenden Geschäfte einzusetzen. «Im vergangenen Jahr haben wir 180 solcher Vorsorgeaufträge beurkundet, welche dann bei Bedarf durch die KESB, beim Eintreten der Handlungsunfähigkeit, in Kraft gesetzt werden müssen».

Erstmals Frau an der Spitze
Alle Bezirkseinwohner hätten irgendwann mit dem Notariat zu tun, weiss René Oeggerli, «spätestens beim Tod». Er habe wenige Fälle gehabt, die ihm aufgrund der tragischen Umstände schlaflose Nächte bereitet hätten.

«Man muss halt die Tür schliessen und abschalten können», meint er. Die Aufgaben sind herausfordernd gewesen, doch bin ich immer mit Freude zur Arbeit gegangen», er scheide früher aus dem Amt, weil «es mir gut geht und ich hoffe, das Leben noch etwas geniessen zu können».

Seit dem 1. März ist Dr. Virginia Demuro die erste Frau, welche das Notariat Kreuzlingen als Bereichsleiterin führt. Sie arbeitete vor der Amtsübernahme seit 2002 als Rechtsanwältin in Kreuzlingen. «Das Notariat ist eine neue Herausforderung, statt die Interessen einer einzelnen Partei – im Streitfall auch vor Gericht – zu vertreten, besteht die Aufgabe des Notars darin, als neutrale Person für eine ausgewogene Lösung zu sorgen », sagt sie. Die Ausbildung als Juristin bedeute auch breite und vielfältige Kenntnis der Gesetze. Als Bereichsleiterin untersteht sie René Allenspach, der nun alleiniger Gesamtleiter des Grundbuchamtes und Notariates Kreuzlingen geworden ist.

Karin Harder ist stellvertretende Leiterin des Notariats, Michael Heidegger ist Bereichsleiter-Stellvertreter im Grundbuchamt, in dem weiter auch noch die Urkundspersonen Roland Kern, Walter Scherb und Sascha Ahrens tätig sind.

Kurt Peter

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