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Der Ruf der olympischen Ehren

Schwimmen – Aktuell trainiert der 23-jährige Kreuzlinger Profischwimmer Aleksi Schmid auf 2300 Meter Höhe in der spanischen Sierra Nevada und hat dabei immer sein Ziel vor Augen: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokyo. Um die Trainingscamps zu finanzieren, startete Schmid nun eine Crowdfunding-Kampagne.

Aleksi Schmid will sich an die Olympischen Spiele schwimmen. (Bild: Jo Kleindl)

Der Thurgauer erinnert sich noch gut an seinen ersten Wettkampf. «Damals lebten wir noch in England. Ich war neun Jahre alt und trat mit dem Schwimmteam meiner Schule an. Der Wettkampf dauerte von 9 bis 19 Uhr und ich durfte nur einmal starten. Es kam mir ewig lange vor», erzählt Aleksi Schmid am Telefon. Es ist 20 Uhr in Spanien und er macht nach einem harten Trainingstag im Schwimmbecken gerade Pause von seiner Arbeit als E-Commerce Kaufmann. Denn vom Schwimmen kann Schmid nicht leben. Ganz im Gegenteil: «Das Trainingslager hier in Spanien kostet mich alleine 3500 Franken. Das Gute an meinem Job ist, dass ich überall arbeiten kann.» Viel Geld komme zwar nicht zusammen, aber immerhin blieben nicht alle Kosten an seinem Sponsor hängen: Den Eltern.

Vom Hobby zum Beruf
Damals in England war das Schwimmen «nur» ein Hobby für den Schüler. «All meine Kollegen waren im Schwimmteam und so konnte ich in meiner Freizeit mit ihnen Zeit verbringen.» Zurück in der Schweiz trainierte er beim SC Kreuzlingen wo er auch heute noch Mitglied ist. Das Training wurde immer intensiver und schnell zeigten sich erste Erfolge. Aleksi Schmid gewann regionale Wettkämpfe und wurde 2011 zum ersten Mal Schweizer Meister in seiner Altersklasse. Direkt nach der Primarschule wechselte er in die Nationale Elitesportschule Thurgau und konnte sich noch mehr auf das Schwimmen konzentrieren. Für den SC Kreuzlingen war der junge Schwimmer ein grosser Gewinn. Nach fast 20 Jahren konnte Schmid nämlich wieder mehrere Schweizer Meistertitel in der Elite nach Kreuzlingen bringen. Er ist unterdessen auch mehrfacher Meister in Finnland, Deutschland und Portugal. «Seither dreht sich mein ganzes Leben um den Sport. Eine wilde Jugend hatte ich nie. Manchmal beneide ich meine Kollegen, wenn sie feiern gehen. Aber ich habe mich für diesen Weg entschieden», sagt Schmid.

In seiner alten Heimat Kreuzlingen ist er nur noch selten zu Gast. Dank dem Schwimmsport reiste Schmid um die halbe Welt und landete schliesslich vor zwei Jahren im Deutschen Neckarsulm, wo er im hiesigen Schwimmclub unter idealen Bedingungen trainiert. Heimweh hat er keines. «Seit meinem 15. Lebensjahr wohne ich nicht mehr bei meinen Eltern. Bevor ich nach Deutschland zog, lebte und trainierte ich im Tessin», erklärt er. Das mediterrane Wetter und das italienische Essen fehlen ihm aber sehr in seiner deutschen Wahlheimat. Auch wenn er viel unterwegs ist, versucht er bei jeder Gelegenheit nach Kreuzlingen zu kommen: Seine Familie bedeutet Schmid nämlich die Welt. «Ohne sie wäre ich heute nicht hier. Meine Eltern sind neben der Fritz Gerber Stiftung meine einzigen Gönner und meine beiden Brüder geben mir sehr viel Kraft.»

Der Weg nach Tokyo
«Im April findet die Schweizer Meisterschaft statt, bei der entschieden wird, ob ich die Schweiz an den Olympischen Spielen in Tokyo vertreten werde.» Die Chancen stehen gut, die Konkurrenz ist aber sehr gross. Unter anderem werden für die 4 mal 200 Meter Freistilstaffel vier Schwimmer nach Tokyo reisen, aktuell steht der Kreuzlinger auf dem 3. Rang im Schweizer Ranking. «Wenn alles klappt und ich mich qualifiziere, dann sind die Trainingscamps so wichtig wie noch nie.» Doch diese sind sehr kostenintensiv und für den Schwimmer alleine nicht zu stemmen. So startete er eine Crowdfunding Kampagne und verbringt seither nebst seinem Training und seinem Job täglich viel Zeit mit dem Gewinnen von Spendern. Unter www.ibelivein
you.ch kann Aleksi Schmid bei seinem Traum unterstützt werden. «Alle, die mich unterstützen erhalten ein kleines Geschenk. Zum Beispiel eine Postkarte aus einem meiner Trainingscamps oder einen handsignierten Kalender mit Highlights aus dem vergangenen Jahr.»

Marc Ferber

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