/// Rubrik: Stadtleben

Hilfe ist organisiert

Kreuzlingen – Ältere oder chronisch Kranke sollten derzeit ihr Zuhause besser nicht verlassen. Via Social Media hat Zeljka Blank eine Gruppe von Freiwilligen gegründet, die ihnen im Alltag helfen wollen.

Zeljka Blank bittet Ältere und chronisch Kranke, Hilfsangebote anzunehmen. (Bild: Inka Grabowsky)

«Ich war am Wochenende einkaufen und sah vor allem jüngere Leute, die meist grosse Mengen von Waren in ihre Einkaufwagen gepackt haben», erzählt die Leiterin des städtischen Kompetenzzentrums Integration. «Es gibt doch keinen Grund, warum sich Ältere oder Kranke für ihren Liter Milch und das frische Brot so einem Gewimmel aussetzen sollten.» Also hat Zeljka Blank probehalber einen Aufruf auf der Seite «Du bisch vo Chrüzlinge wenn» gepostet. Mit ihrer neu gegründeten Gruppe «Coronavirus: Unterstützung in Kreuzlingen» bekam sie sofort viel Zustimmung und konkrete Hilfsangebote. Viele können für andere einkaufen, einige aber auch auf Kinder aufpassen. «Und eine Restaurant-Besitzerin hat sich gemeldet. Sie müsse ohnehin schliessen und könne für einige Menschen kochen, wenn Bedarf bestünde.»

In nur wenigen Tagen haben sich über hundert Freiwillige gefunden. Es mangelt also nicht an Menschen, die helfen wollen. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Menschen, die sich ehrenamtlich sozial engagieren, oft selbst im Pensionsalter sind und damit zur Risikogruppe gehören, ist es besonders erfreulich, dass viele Jüngere dem Aufruf gefolgt sind. Nun müssen nur noch die Gefährdeten die Hemmschwelle überwinden. «Natürlich ist es schade, liebgewordene Rituale wie den Einkaufsbummel zu unterbrechen, aber es ist einfach vernünftig», so die Organisatorin. Die Betroffenen könnten sich sicher sein, dass sie niemandem zu Last fielen, wenn sie den Service in Anspruch nähmen. Im klassischen Fall des Einkaufsdiensts gelten die Regeln des BAG natürlich weiter: Der Lieferant und der Empfänger sollten zwei Meter Abstand halten. «Man kann ja einfach einen Briefumschlag mit dem Einkaufsbudget vor die Tür legen, und ebenso vor der Tür die Waren abstellen.» Geld für die Dienstleistung an sich soll nicht fliessen. Blank geht davon aus, dass jeder Freiwillige unentgeltlich hilft – nur bei Kinderbetreuungen könnte das mitunter anders sein.

Zeljka Blank ist nicht gerade Expertin für Soziale Medien. «Auf Facebook bin ich erst seit rund vier Wochen», lacht sie. Deshalb übt sie im Augenblick noch beim Moderieren der Gruppe. In ihrem Netzwerk bekommt sie auch in diesem Punkt Hilfe von Menschen, die sich mit der Technik besser auskennen. Mit ihrer Vorgesetzten Dorena Raggenbass hat sie sich abgesprochen, dass sich Hilfsbedürftige genauso über konventionellere Wege melden können. Dazu steht ihre Dienst-Mailadresse «zeljka.blank@kreuzlingen.ch» zur Verfügung oder die Telefonnummer des geschlossenen Begegnungszentrums Trösch (071 677 65 50), von wo Blank derzeit arbeitet. Sie vermittelt dann einen Kontakt zwischen den beiden Beteiligten. Von einem ersten perfekten Treffen von Angebot und Bedürfnis weiss Zeljka Blank schon, weitere werden vermutlich folgen, denn sie geht davon aus, dass uns das Thema noch eine Weile beschäftigen wird. Und selbst, wenn nicht viele Hilfsangebote in Anspruch genommen würden, so will sie mit ihrer Aktion doch ein Zeichen setzen:

«Es gibt nicht nur Hamsterkäufe, sondern vor allem Solidarität. Das wollen wir zeigen.» Adrian Knecht, eines der Mitglieder der Gruppe ergänzt: «Social Distancing bedeutet, dass man physisch Abstand hält, nicht, dass man zum Egoisten wird. Es wäre fatal, wenn wir in der Krise nicht zusammenstehen würden.»

Inka Grabowsky

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