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«Der Präsident darf nicht wichtig sein»

Kreuzlingen – Der 58-jährige Thomas Leuch möchte sein Amt als Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen behalten, um die angefangenen Geschäfte zu beenden. Er stellt sich am 19. April dem zweiten Wahlgang.

Kirchenpräsident Thomas Leuch steht in den Startlöchern für den zweiten Wahlgang. (Bild: Andrea Vieira)

Was hat sich für Sie mit dem #BlibDihei, infolge der Corona-Pandemie, verändert?

Thomas Leuch: Eigentlich wollte ich mit der Familie nach Italien in die Ferien fahren. Aber wegen des Wahlkampfes wäre es gar nicht realistisch gewesen, weg zu gehen und dazu sind verschiedene Sachen am Laufen. Ich gehe sicher jeden Tag zwei Stunden mit meiner Frau spazieren, verbringe Zeit in meinem Garten oder erledige Dinge, für die ich sonst keine Zeit hätte. Ich wäre aber nicht böse, wenn man sich wieder freier bewegen könnte. Leider mussten wir auch Kirchenveranstaltungen canceln, sind aber per Telefon und Online als Ansprechpartner präsent.

Wie sieht denn Ihr Wahlkampf aus?

Ich wollte eigentlich nichts Öffentliches daraus machen, dass wäre mir wichtig gewesen. Es ist auch von der Gegnerischen Seite versprochen worden, aber dann wurde trotzdem ein Kampf daraus. Ich finde dieses Amt ist nichts Politisches, das man an die grosse Glocke hängt. Daher habe ich mich immer zurückgehalten, damit das Ganze nicht eskaliert, sondern in einem vernünftigen Rahmen abläuft. Ich spreche und maile mit den Leuten, die ich kenne. So erfährt man wo der Schuh drück was auch wichtig ist.

Könnte Ihre zurückhaltende Art der Grund gewesen sein, dass Sie nicht als Sieger aus dem ersten Wahlgang gekommen sind?

Ja, das ist möglich. Aber auch, weil die Gegenseite so mobil gemacht hat.

Wie beim Wahlkampf sind Sie auch zurückhaltend in ihrem Führungsstil.

Es ist Ansichtssache wie eine Führung auszusehen hat. Für mich ist ganz klar, dass man im Team arbeitet. Das ist auch die Struktur der Landeskirche – sehr basisdemokratisch. Der Präsident darf gar nicht so wichtig sein. Er muss im Hintergrund schauen und organisieren, dass der «Laden» läuft. Im Vordergrund sollen Pfarrer, Seelsorger und der Diakone stehen.

Wo wollen Sie konkret mit der Kirchgemeinde hin?

Wo ich hin will, ist nicht so entscheidend. Die Kirchgemeinde entscheidet dies, ich kann höchstens meine Ideen miteinbringen. Mit den neuen Pfarrpersonen setzen wir Prioritäten, wie in die Jugend, Familie und Senioren sowie Erwachsenenbildung. Ich hoffe das wir mehr Zeit haben werden, um uns mit der Zukunft zu befassen, anstelle mit bereits lange andauernden Aufträgen aus der vergangenen Amtsperiode, wie dem Kirchgemeindehaus und der Gemeinderevision.

Was für Ideen haben Sie denn?

Ich bin für eine lebendige, zugängliche und stärkende Kirche, die wie eine Oase im Alltag erlebbar ist. Ausserdem soll sie im und zum Glauben motivieren. Des Weiteren soll es verschiedene Orte geben, bei denen sich Jung und Alt begegnen können und Hilfe bekommen. Wir sollten die Kirche für die Herausforderungen fitmachen, welche die zukünftige Gesellschaft stellen wird. Wir waren bis vor drei Wochen so selbstsicher und so gut in der Gesellschaft verankert. Durch die Corona-Pandemie bemerkten wir jedoch, dass wir Menschen doch nicht so sicher dastehen. Auf einmal ist etwas Anderes wichtig. Das was wir von der Kirche gewohnt sind, müssen wir vielleicht revidieren. Ich denke, dass die Leute wieder nach neuen Ausrichtungen suchen werden, dabei können wir als Kirche bestimmt einen Beitrag leisten.

Hier geht’s zum Interview mit Susanne Dschulnigg.

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