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«Eine Kirche braucht eine Führung»

Kreuzlingen – Susanne Dschulnigg tritt am 19. April auch im zweiten Wahlgang um das Präsidium an. Dahinter steckt die Motivation, der Evangelischen Kirchgemeinde wieder eine zielgerichtete Führung zu geben und sie für die Bürger transparenter zu machen.

Die 71-jährige Susanne Dschulnigg möchte, dass es mit der Evangelischen Kirche Kreuzlingen wieder vorwärts geht.  (Bild: Andrea Vieira)

Sie gehen gerne im Appenzellerland wandern. Was tun Sie stattdessen, zu Zeiten der Corona-Pandemie?

Susanne Dschulnigg: Mein Radius ist jetzt sehr eingeschränkt, aber ich gehe immer noch wandern, entweder rund um Kreuzlingen oder ich gehe in den Wald spazieren.

Sie halten sich somit an den #BlibDihei?

Ja. Ich fühle mich nicht alt, aber ich gehöre zur Risikogruppe, das ist nun mal so.

Haben Sie auch etwas für ihren Wahlkampf in Ihrer gewonnen freien Zeit getan?

Nein, nicht speziell. Die Kirchenbürgerinnen und Kirchenbürger hat die Wahl zwischen zwei verschiedenen Ausrichtungen von Kirche. Die Frage ist, für welche sie sich entscheiden.

Was meinen Sie mit zwei Ausrichtungen von Kirche?

Vom Führungsstil her. Ich führe sicher anders als Herr Leuch. Eine Kirche ist im weitesten Sinn ein Unternehmen und ein Unternehmen muss geführt werden. Da kann man nicht abwarten und die Mitarbeitenden sich selbst überlassen. Deshalb wurde ich angesprochen, ob ich nicht wieder die Führung der Kirche übernehmen möchte. Das wurde zu meiner Motivation, zur Wiederwahl anzutreten. Das andere ist, dass eine Kirche auch eine Führung nach aussen braucht. Ich denke, da habe ich eine andere Vision der Kirche. Eine Kirche muss heute die Bedürfnisse von verschiedenen Leuten in Betracht ziehen oder zumindest anschauen und sich dann in unserer Gesellschaft positionieren. Wir als Kirche können uns nicht nur an besonders Bibeltreue oder Glaubensfeste wenden.

Sind sie denn eine gläubige Person?

Im weitesten Sinne ja. Aber ich sage auch immer, dass es für mich keinen personifizierten Gott gibt – kein Mann mit Bart, der im Jenseits sitzt. Ich glaube an die Schöpfungskraft und an eine andere Dimension.

Kommen wir auf den Führungsstil zurück. Was möchten Sie als mögliche angehende Kirchenpräsidentin in den kommenden vier Jahren erreicht haben?

Dass ich für ein gutes Umfeld für die Mitarbeitenden sorge, damit sie ihre Vision von Kirche verwirklichen können.

Das zweite Thema sind die Immobilien, da müssen wir ein Stück weiterkommen. Zum Kirchgemeindehaus müssen wir Lösungen finden, aber ob in diesen vier Jahren alles klar wird, kann ich nicht sagen.

Auf die Idee zu meinem dritten Anliegen kam ich aus meiner jetzt vierjährigen Erfahrung als einfache Kirchenbürgerin. Ich habe das Gefühl, dass eine aussenstehende Person nicht weiss, was in der Kirche läuft, ausser dass diese Veranstaltungen anbietet. Aber wohin geht der Weg der Kirche. Ich möchte den Kirchbürgerinnen und Kirchbürger mehr in Auseinandersetzungen miteinbeziehen – gerade zum neuen Kirchgemeindehaus. Uns Kirchenbürgern wurden nach dreieinhalb Jahren das fertige Projekt und die Kosten präsentiert, ohne die Möglichkeit gehabt zu haben, sich einzubringen. Die Informationen nach aussen laufen nicht gut. Dabei gibt es ja Möglichkeiten, wie der Kirchenbote und die Kirchen-Webseite. Aber dort findet der Leser nur Veranstaltungen. Die Informationsplattformen müssen anders bewirtschaftet werden.

Hier geht’s zum Interview mit Thomas Leuch.

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