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Zu viel Zeit zum Entrümpeln

Kreuzlingen – Die «Frühlingsputzer» kommen weiterhin in Strömen zu den regionalen Annahmezentren im Thurgau. Die Entsorgungszentren haben sich schon mehrere Male an ihre Kundschaft gewandt und gebeten, während der Pandemie nur in dringenden Fällen vorbeizukommen. In St. Gallen hingegen ist die Entsorgungswelt noch in Ordnung.

Wegen den Distanzvorschriften ist jeder zweite der rund 35 Parkplätze gesperrt, das macht die Auto-Schlange vor dem RAZ-Eingang noch länger.  (Bilder: Andrea Vieira)

Anstatt mit der Familie Würste auf dem Grill zu wenden, räumt man zuhause die Garage aus. Alles was dabei als Müll eingestuft wird, landet bei den regionalen Annahmezentren (RAZ). Laut einer Medienmitteilung sehen diese im Kanton Thurgau aber das Ende der Auto-Schlange nicht mehr. «In der ersten Woche, nach dem Shutdown kam 35 Prozent mehr Kundschaft als sonst», sagt Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Thurgau Geschäftsleiter Peter Steiner. Das habe sich seit dem 16. März nicht verändert. Ein frisch angeheuerter Verkehrskadett habe an einem Tag die Autos gezählt. Jede Minute sei ein weiterer Kunde angefahren gekommen. Wenn dieser Andrang auf die RAZ bleibe, sehe sich die KVA gezwungen die Zentren für Privatpersonen zu schliessen, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Diese strengen Massnahmen seien notwendig, weil bereits jetzt die nötigen Distanzvorschriften nur ungenügend eingehalten werden können. Das Überraschende ist aber, dass sich die Menge des Abfalls nicht erhöht hat. «Pro Kopf wurde die Menge sogar kleiner, weil die Leute Zeit haben und dadurch häufiger nebenbei zum RAZ fahren», erklärt Steiner.

Trotz der grösseren Mengen sei aber die Disziplin der Leute gut, sie recyceln immer noch korrekt.

Mehr kleine Sammelstellen seien nicht nötig
Auch aus den Löchern der kleinen Entsorgungsstationen für Altglas quellen die Flaschen heraus oder stapeln sich auf und neben den Containern. In Kreuzlingen seien aber die 13 Altglas Sammelstellen ausreichend, so Kreuzlinger Umweltbeauftragter Stefan Braun. «Vor dem Osterwochenende gingen zwei Anrufe wegen voller Sammelcontainer bei uns ein. Daraufhin wurden die Container in einer extra Tour nochmals gelehrt», erklärt Braun. Trotz der grösseren Mengen sei aber die Disziplin der Leute gut, sie recyceln immer noch korrekt.

Die Thurgauer entrümpeln was das Zeug hält.

Kein Ansturm im Nachbarkanton
Von Schliessung als Sicherheitsmassnahme ist in St. Gallen noch nicht die Rede. Durch die Pandemievorschriften arbeiten nur noch zwei von vier Personen beim Anlieferungshof der Solenthaler Recycling AG in Gossau. Ausserdem dürfen auch weniger Kunden gleichzeitig ihr Gerümpel auf dem Hof entsorgen. «Durch die Distanzvorschriften vom Bund bildet sich eine lange Schlange von Autos vor dem Eingang. Durch die längere Wartezeit hat man nur das Gefühl, dass mehr Leute kommen, aber es sind nicht exorbitant mehr», erklärt Geschäftsführer Christoph Solenthaler. Etwas hat sich aber durch die Distanzvorschriften ins Positive verändert, weiss Solenthaler: «Falschentsorger erwischen die Mitarbeiter auf frischer Tat, weil das Gelände durch die wenigen Leute übersichtlicher geworden ist.»

Ohne einen Wachmann würde das Chaos ausbrechen.

St. Galler bringen ihren Müll in den Thurgau
Weshalb es so grosse Unterschiede zwischen den Kantonen gibt, können sich die Geschäftsführer auch nicht erklären. Wobei der KVA Thurgau Geschäftsführer mit einem Lachen im Gesicht sagt: «Die Mitarbeiter vom RAZ Hefenhofen sagen, dass seit dem Shutdown mehr St. Galler zu ihnen kommen.»

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