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Geschlossene Grenzen nicht mehr zumutbar

Leserbrief – Gino Kočí aus Kreuzlingen ist für eine pragmatische Lösung im Sinne einer möglichst baldigen Öffnung der Grenze zu Deutschland.

Leserbrief

(Bild: Christine Sponchia/Pixabay)

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg (den ich glücklicherweise um gut fünf Jahre verpasst habe) ist die Grenze dicht gemacht worden, diesmal wegen eines unsichtbaren «Feindes».
Auch ich gehöre zu den Vielen im Raum Kreuzlingen/Konstanz, die ihren geliebten Menschen zwar durch den Grenzzaun noch sehen, aber seit der Errichtung des zweiten Zauns nicht mehr in die Arme schliessen dürfen.

Meine Partnerin und ich haben uns deshalb entschieden, einander nicht mehr dort zu treffen – zu deprimierend könnten solche Begegnungen sein.

Ich habe mitbekommen, dass unser Stadtpräsident und sein Konstanzer Oberbürgermeister-Kollege sich dafür ausgesprochen haben, dass die strikte Grenze zwischen Konstanz und den Kreuzlinger Nachbarn möglichst bald wieder aufgehoben werden sollte.

Dass Kinder von getrennt lebenden Eltern mittlerweile den jeweils im Nachbarland lebenden Elternteil besuchen dürfen, hat mich sehr gefreut. Wenn ich mir – als ehemaliges Scheidungskind – vorstelle, dass zwischen dem Thurgau und dem Kanton Zürich damals eine solch undurchdringliche Grenze vorhanden gewesen wäre, ist dies ein Horrorgedanke.
Im weiteren sehe ich aber auch keinen Grund, dass dies bei Paaren (auch unverheirateten) sowie befreundeten Menschen, die auf verschiedenen Seiten der Grenze wohnen, nicht auch möglich sein sollte …

Dass dieser Umstand jetzt durch Massnahmen des Bundes/Grenzschutzes noch zusätzlich erschwert wird durch nervende Patrouillenflüge mittels Helikoptern (wie heute Montagvormittag, als ein solch lärmendes Ungetüm etwa eine Viertelstunde über unserem Wohngebiet nahe der Grenze kreiste, oder – eine absolute Frechheit – auch am Ostersonntagmorgen um 8 Uhr!), kann ich nur noch als ungerechtfertigte Schikane gegenüber unserer Bevölkerung bezeichnen. Erinnerungen an die «bleierne Zeit» der Siebzigerjahre werden wach.

Und dass unsere Konstanzer Nachbarn jetzt sogar daran gehindert werden, ihre Gärten im Tägermoos zu bestellen, spottet nun wirklich jeglicher Beschreibung! Unsensibler geht’s nicht mehr.

Sowohl die deutschen als auch die Schweizer Behörden attestieren einer grossen Mehrheit der Bevölkerung, dass sie sich an die verordneten Pandemie-Regeln hält. Hat man auf beiden Seiten (oder nur einer?) die Vorstellung, dass bei einer Öffnung für den «kleinen Grenzverkehr» sich die selben Menschen nach Überquerung der Landesgrenze plötzlich als rücksichtslose Horde verhalten würden?

Ich plädiere deshalb für eine pragmatische Lösung im Sinne einer möglichst baldigen, oben erwähnten Öffnung der Grenze. Den weiter reichenden (durch Konstanz marginalen) Reiseverkehr und den Schweizer Einkaufstourismus könnte man dabei ja immer noch einschränken.

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4 thoughts on “Geschlossene Grenzen nicht mehr zumutbar

  1. Birgitt Meier

    Diesem Leserbrief kann ich nur von Herzen zustimmen! Familien und Lebenspartner dürfen nicht durch eine geschlossene Grenze getrennt werden und auch die Kleingärtner dürfen nicht an der Pflege ihres Gartens, der sich auf einem besonderen Gebiet (eigentlich Konstanzer Boden) befindet.
    Alle könnten die Abstands- und Hygienevorschriften, soweit notwendig, befolgen. Und wie Herr Koci schreibt, könnte auch der Einkaufstourismus und die Bewegungsfreiheit weiterhin eingeschränkt bleiben. Da wären sicher beide Seiten sehr kompromissbereit! Aber wahrscheinlich sind wir in der großen Politik nicht wichtig genug mit unseren besonderen Beziehungen zwischen Konstanz/Kreuzlingen bzw. Tägerwilen. Wirklich sehr enttäuschend, dass dafür keine Regelung geschaffen werden kann.

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  2. Walter Müller

    Das mit der Grenzschliessung und dem Zaun ist das grösste Versagen in der Geschichte von Kreuzlingen/Konstanz! Zu Verantworten auf der Schweizer Seite von unserem Stadtpräsidenten Thomas Niederberger mit seinem Führungsstab! Diese hätten sich gegen so einen Zaun wiedersetzten sollen und diesen gar nicht aufstellen sollen.
    Die klare Lösung wäre gewesen (wie im 2. Weltkrieg) ein Passierschein – nur für Einwohner der beiden Städte – diese hätte man bei der jeweiligen Stadtverwaltung beantragen können. Somit wäre das Problem auf einfache Weise gelöst worden! Wenn man schon auf beiden Seiten so betont „wir sind eigentlich eine Stadt“ – ja wo ist der Beweis?

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    1. chris weiss

      Herr Müller, auch wenn einem die Grenzschliessung entschieden auf die Nerven geht (das tut sie in meinem Fall): Stadtpräsident Niederberger hat dazu nichts zu melden. Er könnte zwar der Stadtverwaltung den Auftrag geben, die von Ihnen gewünschten Passierscheine auszustellen – nur würde das gar nichts nützen, weil die Grenzwacht auf Schweizer und der Zoll auf deutscher Seite die Scheine nicht akzeptieren würden. Die Grenzschliessung ist – auf Seiten beider Länder – Bundessache. Die Städte und Gemeinden haben dazu nichts zu sagen.

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  3. Cornelia Garin

    Habe mit großem Interesse die Beiträge gelesen. ..und den Kommentar des betroffenen Paares , .In der Zeitung. …Da ich ebenfalls betroffen bin. ..Als liebende Frau und Lebensgefährtin. ..Mein Schatz lebt in Konstanz. ..Ebenso meine Freunde. …Die Isolation einerseits setzt extrem zu. .Und auch das kontrolliert werden von Polizei und Militär. ..bewaffnet. …Ist wirklich hochgradig erniedrigend. .verletzend. ..Im ganzheitlichen sinne
    Wie im Krieg
    Darum danke ich aus tiefsten Herzen allen für euer Mitgefühl und Anteilnahme. …….Ihr beschreibt sogar alles was wichtig ist. …Im leben. .alltägliches. ..wirtschaftliches kulturelles. .
    Alles ist gleichwertig und wichtig. ..Wir alle sind Teil dieser Welt

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