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Zwangspause geht weiter

Kreuzlingen – Peter Günter ist einer von denen, die noch warten müssen, bis sie ihre Türen wieder aufschliessen dürfen. Der Restaurantbetreiber ist über das Vorgehen des Bundes-rates verärgert. Bisher kann er die Löhne seiner Mitarbeiter noch zahlen, doch grosse Einnahmen kommen nicht mehr herein. Dabei wäre das Restaurant startklar für die neue Saison.

Peter (links) und Charlie Günter ist trotz ihrer wirtschaftlichen unsicheren Zukunft das Lachen noch nicht vergangen.  (Bild: Andrea Vieira)

Für Peter Günter kann es nicht schnell genug gehen: «Ich rechne damit, dass die Gastbetriebe Mitte Mai öffnen können.» Etwas anderes kann er sich nicht vorstellen, weil für ihn der Bundesrat die Wirtschaft sonst an die Wand fährt. Wie dieser vorgeht, ist für Günter reine Willkür: «Weshalb können Hotels ihre Gäste weiterhin bewirten und wir Restaurant-Betreiber nicht?» Mit so viel Platz wie es im Kreuzlinger Seegarten gibt, sei es für den Wirt problemlos möglich gewesen, unter Einhaltung der Distanzvorschriften, weiter zu servieren. Dann wären anstatt der 120 hungrigen Mäuler nur die Hälfte da gesessen. «Besser wäre es aber ohne eine Abstandsregelung, denn die Leute wollen in einem vollen Restaurant essen. Sonst können Sie gleich zu Hause bleiben», sagt der Inhaber. In der Küche hingegen ist es zu eng, damit die üblichen acht Köche mit zwei Meter Abstand aneinander vorbei kommen. Dort müsste Günter den einen oder anderen wieder nach Hause schicken – wie jetzt. Mehr als die Hälfte der zwölf Mitarbeiter müssen zu Hause sitzen und warten, bis der Betrieb wieder richtig losgeht. «Ich wechsle mit der Einteilung ab. So kann jeder mal wieder zur Arbeit kommen», erklärt Günter. Dank der Kurzarbeit musste er bei der Lohnauszahlung noch nichts einsparen. Die zwölf Mitarbeiter erhalten ihn immer noch voll ausbezahlt. Bis Ende Juni sei es dem Wirt noch möglich seine Angestellten so zu entlohnen. «In den Vergangenen Jahren waren wir erfolgreich und konnten so ein finanzielles Polster zulegen», erklärt Günter.

Bitte zum Mitnehmen
Während in der Beiz auf den Tischen das Gedeck fehlt, gibt es Draussen einen, der täglich im Einsatz steht. Wie viele andere Gastrobetriebe auch, haben die Günters auf Take-away umgestellt. Auf dem einen Tisch serviert Peter Günter täglich die Vorbestellten Menüs. So kann er seiner Leidenschaft dem Kochen weiter nachgehen und der Seegarten bleibt gewissermassen weiter geöffnet. «Der Take-away-Betrieb generiert jedoch nur einen minimalen Umsatz», sagt Günter.

Nicht nur Däumchen gedreht
Wie jeder andere Thurgauer haben auch die Günters ihre gewonnene freie Zeit zum Entrümpeln genutzt: «Kiloweise Ware landete beim RAZ. Dafür ist das Restaurant wieder auf Vordermann.» Auch das Facebook-Profil wird neu mit Posts aus der Küche gefüttert. Auf den digitalen Kanälen hält Peter Günter mit seinen Gästen Kontakt. «Wenn du wieder offen hast, kommen wir mindestens einmal die Woche zu dir», heisst es zum Beispiel in den WhatsApp-Nachrichten des Wirts. Wie die Gästen, vermisst auch er die Geselligkeit. «Ich möchte einfach mal wieder mit den Leuten zusammensitzen», sagt Günter betrübt.

Sobald von Bundes Bern das «Go» kommt, kreiere er ein Menü «Heureka». Da er dies eher noch als Witz meint, weiss er nicht was er zur Feier der Wiedereröffnung auftischen wird. Mit einem müden Lächeln sagt er jedoch: «Wenn die in Bern uns noch länger warten lassen, können wir Herbstspeisen wie Wild servieren.»

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