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Solidarität mit den Ärmsten

Kreuzlingen/Thurgau – Personen, die bereits vor der Corona-Pandemie finanzielle oder andere Probleme hatten, wissen jetzt oft nicht mehr weiter. Verantwortliche von Caritas, der Verwertbar und dem Open Place sowie aus dem Kantonsrat zeigen auf, wie die Situation aussieht.

Die «verwertBar» gibt Nahrungsmittel an Personen mit geringen Einnahmen heraus. (Bild: Francis von Stechow)

«Überall hört man, dass durch die Corona-Krise eine grosse Solidarität ausgelöst wurde. Doch wenn man nahe bei den Leuten ist, sieht es teilweise anders aus», sagte Pfarrer Damian Brot an der Online Pressekonferenz. In den letzten Jahren haben Menschen mit schweren Lebenssituationen im Open Place einen Halt gefunden. Ob obdachlos, ohne festen Wohnsitz, mit finanziellen oder psychischen Problemen, Brot und sein Team sind geschätzte Ansprechpartner bei einer Tasse Kaffee. Mit den erhaltenen Kontaktdaten wird trotz Corona versucht, telefonisch oder mit elektronischem Schriftverkehr für die Menschen da zu sein. Ein obdachloser Mann, der bis vor der Grenzschliessung in Konstanz lebte, kam bis anhin mit Pfandflaschensammeln über die Runden. Da er jetzt in Kreuzlingen ist, fallen diese 20 Euro pro Tag weg. «Aus Verzweiflung sagte der Mann zu mir, dass er nun stehlen gehen muss. Solchen Menschen helfen wir selbstverständlich auch mit Nahrung aus», sagte Brot.

Essensverteilung – ein soziales Engagement
Zweimal in der Woche sammeln freiwillige Helfer Lebensmittel bei diversen Läden, die am Projekt «verwertBar» teilnehmen, ein. Die geretteten Nahrungsmittel, des konfessionell und parteipolitisch unabhängige Angebots, werden hauptsächlich an Personen mit einem sehr kleinen Budget abgegeben.

Da sich Menschen nicht mehr versammeln dürfen, hat Beni Merk, Präsident der «verwertBar» einen Heimlieferdienst eingerichtet. Aktuell sind es knapp 70 Adressen, die eine Tragetasche mit Nahrung vor die Tür gestellt bekommen. «Früher war das Projekt rein zur Lebensmittelausgabe da. Heute sehe ich, dass das soziale Engagement in den Vordergrund gerückt ist. Die Menschen freuen sich, wenn sie am Fenster noch ein paar Worte austauschen können», erklärte Merk.

Ein harter Schlag
Vulnerablen Personen macht die aktuelle Situation noch mehr zu Schaffen. Ihnen fehlen etwa die Einkäufe für einen Franken beim «Tischlein Deck Dich» oder Gelegenheitsjobs, die sie bis anhin noch über Wasser halten konnten. «Wir erhalten Anfragen von Fahrenden, die nicht mehr Hausieren oder Messer schleifen dürfen. Aber auch Selbständigerwerbende, denen die Sozialhilfe nicht reicht, melden sich bei uns», schilderte Judith Meier, Caritas Thurgau, die prekären Verhältnisse.

In der Schweiz sind 135’000 Working Poor gemeldet. Der Lohn bei Kurzarbeit lässt zudem viele nicht einmal mehr über die Armutsgrenze kommen. «Damit solche Szenarien sich nicht wiederholen, braucht es existenzsichernde Arbeitsmodelle, Bildungschance für alle und eine bessere Vereinbarung von Beruf und Familie», sagte Benjamin Diggelmann von Caritas Schweiz.

Kantonsrätin Gina Rüetschi hat mit Regierungsrat Jakob Stark kommuniziert: «Eine erfreuliche Nachricht seitens der Regierung des Kantons Thurgau ist, dass die Wirkung der Liste säumiger Prämienzahler bis zum Ende der ausserordentlichen Lage aufgehoben ist.» Dadurch muss niemand Einschränkungen von medizinischen Leistungen erfahren.

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