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Vom Stoffrest zur Maske

Kreuzlingen – In den vergangenen Wochen sind in der Coronakrise nicht nur Kleinunternehmer erfinderisch geworden, sondern auch Privatpersonen. Dazu gehört die Kreuzlingerin Brigitte Mathis. Sie weiss anderen zu helfen und hat sich selbst das Maskennähen beigebracht.

Brigitte Mathis näht Masken im Akkord.  (Bild: Andrea Vieira)

Acht Stunden am Tag sitzt Brigitte Mathis zurzeit über die Nähmaschine gebeugt und fertigt Gesichtsmasken an. Sie sind aus Baumwolle, sind bunt und in den Mustern, welche die Stoffreste nun mal haben. «Bis zu vier Stofflagen sind nötig, damit die Masken blickdicht und dick genug sind», erklärt Mathis. Sie wurde durch die Medien hellhörig: «Schon bevor der Virus Europa erreicht hat, war in den Nachrichten von Maskenmangel die Rede.» Also fackelte die Hausfrau und Mutter nicht lange und richtete sich in ihrem Haus ein Zimmer für ihre «Maskenschneiderei» ein. Die Stoffe sind aus dem Vorrat der Kreuzlingerin und Spenden. Die Gummibänder, um die Maske an den Ohren zu befestigen, bestellt sie online, genau wie die Nasendrähte für die Passform um die Nase herum. Seit dem Lockdown am 16. März wird von Mathis Maske um Maske quasi direkt von der Nähmaschine abgenommen – 300 Stück bislang. Ab und an helfen ihr Mann und Sohn.

Über den Briefkasten
So schnell wie ein Virus verbreitete sich per Facebook und Mundpropaganda die Info, dass es bei Familie Mathis Gesichtsmasken gibt. Mathis legt die Masken in ihren Briefkasten und der Interessent kann sie kontaktlos abholen. Aber ohne einen Schwatz geht es doch nicht: «Vom Fenster über dem Briefkasten rede ich noch mit den Leuten.»

Lieber nähen anstatt streiten
Die 54-Jährige näht, um einen Beitrag geleistet zu haben: «Ich gebe jedem eine ab, ohne etwas dafür zu verlangen. Ich verstehe die Leute nicht, die dafür Geld wollen. Haben die kein schlechtes Gewissen?» Ihr sei es auch ein Anliegen andere zu animieren, selbst zu Nadel und Faden zu greifen, so Mathis. «Zeit haben die Leute ja. Lieber näht man eine Maske, als sich zuhause zu streiten», sagt sie und muss lachen. So hat sie schon über die Sozialen Medien versucht Helfer zu finden. Zwei Damen sind dem Aufruf gefolgt und nähen seitdem fleissig von zuhause aus. Die 54-Jährige gibt gerne Tipps, wo man sich Infos über Selfmademasken hohlen kann. Auch sie selbst hat sich durch Üben und über Online-Videos das Wissen angeeignet.

Kein Schutz gegen Covid-19
Die selbst gemachten Stoffmasken jeglicher Art bieten keinen Schutz gegen den Coronavirus. Sie tragen jedoch dazu bei, dass sich der Träger weniger ins Gesicht fast und dass die Mitmenschen, mit denen man sich unterhält etwas geschützt sind. Der Covid-19 wird durch Tröpfchen (Speichel, Nasenschleim) verbreitet, durch die Maske wird dies etwas gehemmt. Trotz den Masken müssen die Hygiene- und Distanzvorschriften des Bundesamtes für Gesundheit eingehalten werden.

Maskentragen aber richtig
Bevor man die Maske anfasst, die Hände gründlich mit Seife oder Desinfektionsmittel waschen. Die Maske nur an den Gummibändern anfassen, nie auf der Stofffläche. Sonst geraten die Viren von den Händen auf die Stofffläche und direkt in den Kreislauf. Die Maske auf dem Gesicht so zurecht ziehen, dass sie Nase und Kinn bedeckt. Falls vorhanden, den Nasendraht auf der Nase andrücken. Einwegmasken nach jedem Tragen in einen Mülleimer mit Deckel werfen. Stoffmasken nach jeder Verwendung bei 60 bis 90 Grad waschen. Bei beiden Arten gilt, beim An- und Ausziehen sowie Tragen nur die Gummibänder anfassen. Nach dem Entsorgen die Hände gründlich mit Seife oder Desinfektionsmittel waschen.

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