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Keine saubere, sondern sterile Wiedereröffnung

Wiedereröffnung – Am Montag, 11. Mai, konnten endlich wieder alle ihre Läden öffnen. Nach wie vor gelten aber die Verhaltensregeln im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie. Wir haben eine kleine Übersicht mit welchen möglichen und «unmöglichen» Vorschriften die Geschäfte wieder Kunden empfangen dürfen.

Pumpen mit dem Lumpen. (Bilder: Andrea Vieira)

Obwohl jeder sein Geschäft jetzt öffnen darf, ist die Situation noch weit weg von «normal». Sobald man seine eigenen vier Wände verlässt, sind die Böden mit Klebeband versehen, das die Gehrichtung vorgibt oder Warte- und Beratungszonen markiert. Auch das Desinfektionsmittel bei der Eingangstür gehört zur «neuen Normalität» dazu.

Bibliothek
Die zurückgegebenen Bücher kommen für drei Tage in Quarantäne, bevor sie zurück ins Regal dürfen. Zudem desinfizieren die Angestellten das Buch nach seiner Isolation: Nicht jede einzelne Seite, sondern nur der Buch-Band. Wegen dieser Reinigungsarbeiten bleibt andere administrative-Arbeit liegen. Die gemütliche Sitzecke für eine Leseprobe und ein ruhiger Platz zum Lernen bleiben vorerst Geschichte. Denn die Leseratten dürfen nur solange wie nötig in der Bibliothek verweilen. Dabei sollten sie nur das Buch aus dem Regal nehmen, das auch wirklich mit nach Hause darf. Eine Masken- oder Handschuhpflicht besteht nicht – das Händedesinfizieren schon.

Die eigentliche Arbeit von Susanne Ehrbar in der Büecherbrugg bleibt liegen, weil sie die meiste Zeit mit Bücherreinigen beschäftigt ist.

Optiker
Eine Handschuh- und Maskenpflicht gibt es nur für den Angestellten und das auch nur beim Anpassen des Brillengestells auf dem Kopf des Kunden. Ansonsten gilt die Standardregel des Händedesinfizierens für alle Beteiligten. Die Kundschaft darf nicht mehr selbst die Brillen aus dem Regal nehmen. Sie muss einem Angestellten ihre Wunschgestelle mitteilen und dieser nimmt sie dann aus dem Regal. Das anschliessende Beratungsgespräch findet an einem Tisch und nicht mehr am Regal statt. Eine Plexiglasscheibe zwischen Kunden und Berater soll als «Spuckschutz» dienen. Die Angestellten müssen neu die ausgeschiedenen Brillenmodelle mit seifenhaltigen Tüchern reinigen. Nicht mit Desinfektionsmittel, weil der Alkohol die Brille beschädigen würde. Der Platz, auf dem der Kunde sass, wird hingegen jedes Mal mit Desinfektionsmittel gereinigt. Die Schritte der Brillenwahl bis zum Desinfizieren verlangsamt den Brillenkauf für den Kunden und den Optiker um das Doppelte.

Fitness-Center
Das Plaudern mit dem Fitness-Partner neben sich auf einem Gerät geht leider nicht mehr. Denn ist ein Gerät besetzt, müssen die zwei nächsten in der Reihe frei bleiben. Steht ein Einzeltraining mit einem Coach auf dem Programm, besteht eine Masken- und Handschuhpflicht für den Trainer. Ausserdem müssen die Fitness-Trainer immer wieder auf eine Desinfektions-Tour durchs Studio gehen. Während der Tour wird alles abgerieben, mit dem der Kunde in Berührung kam. Dabei kann schon mal die Zeit für die Kundenbetreuung drauf gehen.

Kleidergeschäft
Dir Türen sind wortwörtlich für die Kunden wieder geöffnet. Denn jede Eingangstür, die nicht automatisch aufgeht, soll mit einem Stopper offenbleiben. Wie durch ein Museum wird der Kunde mit einem markierten Rundgang zwischen den Regalen durchgeführt. Währenddessen soll nur das Kleidungsstück angefasst werden, welches den Weg nach Hause in den Kleiderschrank schaffen könnte. Eine Stilberatung gibt es noch, aber nicht mehr zwischen den Regalen oder bei den Umkleidekabinen, sondern in Beratungszonen. Wie vieles andere sind die Zonen mit Klebeband auf dem Boden markiert. Hat man den Rundgang beendet, steht zwischen dem Kunden und der Anprobe nur noch das Händedesinfizieren. Denn es stehen auch nur noch jede zweite Umkleidekabine offen.

Bei einer Probefahrt mit dem Verkäufer besteht eine Maskenpflicht.

Autogarage
Ist der nächste «Ausflug» in eine Garage mit Kollegen geplant, ist dies nur noch zu zweit und mit einer Voranmeldung möglich. Sich die Wartezeit mit Katalogen und Prospekten zu verkürzen, geht nicht. Diese stehen wegen der möglichen Infektionsgefahr nicht mehr in den Regalen. Nur fürs Feeling in ein zu teures Auto hinein zu sitzen, geht auch nicht mehr. Jedes Auto im Ausstellungsraum ist abgeschlossen. Die Beratung findet ausschliesslich am Tisch mit einer Plexiglasscheibe zwischen Berater und Kunde statt. Eine Instruktion des gewünschten Autos gibt es nur bei einem konkreten Kaufgeschäft. Dabei ist wenigstens eine Probefahrt möglich. Die Fahrt ist aber ohne Verkäufer – wenn dies nicht möglich ist, gilt eine Maskenpflicht. Vor und nach dem Einsteigen in das Auto muss es desinfiziert werden. Ausserdem gibt es den Wagenschlüssel nicht direkt in die Hand, sondern via Tisch.

Gina Tatarus musste gut die Hälfte der Tische wegräumen, um die zwei Meter Abstand einzuhalten.

Restaurant
Neu begrüsst der Desinfektionsmittelspender die Gäste im Eingangsbereich. Die Hälfte der Tische und jeder Barhocker sind im Keller verschwunden. Das musste sein, um den Mindestabstand von zwei Metern einhalten zu können. Hat der Gast eines der wenigen Plätzchen gefunden, wird er nicht nach seinem Wunsch gefragt, sondern zuerst nach seinen Kontaktdaten. Die Herausgabe bleibt aber freiwillig, genau wie das Maske- und Handschuhtragen. Der grosse runde Stammtisch bleibt vorerst auch im Keller, denn pro Tisch sind nur vier Personen erlaubt. Hat sich der Gast verabschiedet, reicht ein feuchter Lappen nicht, um den Tisch zu putzen. Der Tisch und die Speisekarte müssen desinfiziert werden. Na dann – «E Guetä».

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