/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Mehr Freiheit in Sicht

Kreuzlingen/Konstanz – Der doppelte Grenzzaun zwischen Kreuzlingen und Konstanz ist über die Region hinaus zum Symbol für die Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geworden. Am Freitagabend kam von ganz oben grünes Licht für den Abbau des Gitters.

Konstanzer Oberbürgermeister Ulrich Burchardt (l.) Regierungsrätin Cornelia Komposch (3.v.l.), Stadtpräsident Thomas Niederberger (3.v.r.), und Alt-Stadtammann Josef Bieri (2.v.r.). (Bild: Sandro Zoller)

Bereits ab 19 Uhr versammelten sich die ersten Anwohner am Grenzzaun. Durch die Informationen aus dem Internet trafen immer mehr Menschen am den See unten ein. Um 20.30 Uhr zog Stadtpräsident Thomas Niederberger den Korken aus einer Weinflasche: «Das ist ein Weisswein aus dem Seeburgareal». In der Zwischenzeit entfernte der Zivilschutz ein Zaunelement und ermöglichte ein Anstossen zwischen Regierungsrätin Cornelia Komposch-Breuer, dem Konstanzer Oberbürgermeister Ulrich Burchardt und Thomas Niederberger. «Ich hätte nicht gedacht, dass der Zaun in so wenigen Tagen fällt. Es ist eine Erleichterung für mich und sicherlich ein sehr schöner Moment für alle», sagte der Stadtpräsident überaus zufrieden. Für eine kurze Zeit schien es so, wie wenn die Welt wieder in Ordnung wäre. Denn auch Abstandsregeln schienen aus purer Glückseligkeit nicht mehr zu gelten.

Der Zivilschutz vollführte den Abbau des Grenzzauns. (Bild: Sandro Zoller)

Der Zaun – Stellvertretend für Trennung
Seit Wochen sind die Kreuzlinger und Konstanzer voneinander getrennt. Denn obwohl die Städte in verschiedenen Ländern liegen, gehören die beiden Orte für die meisten der Region zusammen. Man lebt in Konstanz und arbeitet in Kreuzlingen, man geht nach Konstanz zum Studieren, man hat Freunde auf beiden Seiten der Grenze oder vielleicht auch seine grosse Liebe. Genau darum wurde der Zaun ein Symbol für Ein- und Beschränkungen. Dies stellte die Menschen beider Städte auf eine harte Probe. Doch dies ist bereits Geschichte. Nun nicht ganz. Seit Mitternacht dürfen sich Eheleute wie auch unverheiratete Paare wieder barrierefrei treffen und in die Arme schliessen. Für den normalen Verkehr bleibt der Zoll weiterhin dicht. Auch die Kunstgrenze wird von der Grenzwache und Polizei im Auge behalten. Übertritte sind verboten.

Dennoch war den Menschen ins Gesicht geschrieben, dass dieser Akt Druck in der Psyche abbaut. Auch Adrian Knecht aus Kreuzlingen ist darüber glücklich: «Zufällig lief ich am See entlang, als der Aufbau des Grenzzauns in vollem Gange war. Habe darum sofort beim Stadtpräsident interveniert. Es ist ein Befreiungsmoment, dass das Symbol Zaun entfernt wurde.»

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