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Deine Freundin und Helferin

Güttingen – Betty Bächi geht für andere einkaufen. Wöchentlich liefert sie im Rahmen der Nachbarschaftshilfe See aus. Trotz den Lockerungen des Bundes macht sie für die gute Sache weiter.

Betty Bächi kauft für Menschen ein, die aktuell lieber nicht aus dem Haus gehen. (Bild: Andrea Vieira)

Sechs randvolle Einkaufstaschen stapeln sich im kleinen weissen Auto von Betty Bächi. Das ist der Einkauf für ein Seniorenpaar und für Bächi selbst. Seit dem Lockdown am 16. März geht die 50-Jährige immer für dasselbe Paar einkaufen. «Meine Eltern wohnen in Thayngen im Kanton Schaffhausen und sind auch auf fremde Hilfe angewiesen. Es ist eine Erleichterung zu wissen, dass jemand für sie einkaufen geht», sagt Bächi aus Güttingen. Durch die Situation ihrer Eltern sah sie, wie wichtig es ist, eine solche Hilfe zu haben oder zu geben. Die Nachbarschaftshilfe See war auf der Suche nach Helfern, die einkaufen gehen für Leute aus der Risikogruppe. Bächi ist diesem Hilferuf gefolgt. Bereits drei Tage später hatte sie die erste «Postiliste».

Wo ist der Schwartenmagen?
Um den Ablauf zu klären, rief sie den noch Unbekannten am selben Abend an. «Es entstand ein herzliches Gespräch und wir redeten über eine Stunde miteinander», sagt Bächi. Die Einkaufsliste erhält sie immer per Whatsapp-Nachricht. Damit Bächi sicherlich nichts Falsches in die Tüte packt, gibt es auch gleich ein Foto nach gesendet mit der Verpackung der gewünschten Gesichtscreme oder dem Müsli. Selbst welches Produkt es gerade in einer Aktion gibt und wo es im Laden zu finden ist, notiert die rüstige Dame für Bächi. Trotz dieser durchorganisierten «Postiliste» kam es vor, dass etwas für die Güttingerin im Laden unauffindbar war: «Auf dem Zettel stand Schwartenmagen. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen, geschweige denn was man daraus kochen könnte.» Bevor sie im Laden herum irrt, bittet sie in solchen Fällen einer der Angestellten um Hilfe. Der Schwartenmagen blieb bisher unangetastet, etwas anderes hat Bächi jedoch mal ausprobiert: «Regelmässig steht ‹ein grosser Rettich› auf der Einkaufsliste. So einen habe ich mir dann auch mal selbst gekauft und muss sagen – er ist lecker.» Auch Brot und Milch seien Dauerbrenner, genauso wie zwei Kilo Naturjoghurt.

Stehts zum Helfen bereit
Die 50-Jährige war schon immer ein engagierter Mensch. Sie hat den «Mittagstisch Güttingen» mit aufgebaut und gab Turnunterricht für Kinder. Heute hilft sie immer noch bei Marathontrainings und läuft auch selbst mit. «Ich weiss nicht warum, aber ich kann Leute gut motivieren», sagt die Güttingerin. Wegen ihrem sozialen Denken kauft sie trotz den Lockerungen des Bundes weiter für das Seniorenpaar ein. «Ich finde es eine gute Entscheidung des Paares, weiterhin den Einkauf mir zu überlassen. Alles in allem sind es pro Woche zwei Stunden, die ich gerne, für deren Einkauf investiere», sagt Bächi. Sie und das rüstige Paar können es kaum erwarten, sich endlich in den Arm nehmen zu dürfen und die erste Einladung zum Znacht stehe auch schon auf dem Plan. Andrea Vieira

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