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Biodiversität – eine Gemeinschaftsaufgabe

Thurgau – Biodiversität ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Am heutigen Tag der Biodiversität gibt der Kanton Thurgau einen Überblick der vielfältigen Fördermassnahmen. Seit 2009 steigt die Artenvielfalt von Vögeln und Tagfaltern wieder leicht an. Es gilt, den eingeschlagenen Weg gemeinsam und noch konsequenter weiter zu gehen und im Thurgau die ökologische Infrastruktur weiter auszubauen und die Massnahmen der Biodiversitätsstrategie des Bundes umzusetzen.

Trotz den Massnahmen gibt es weiterhin zahlreiche Verlierer. Prominente Beispiele sind der Kuckuck oder der Aurorafalter. (Bild: Yves Bernardi/Pixabay)

Spätestens Ende des letzten Jahrtausends war allen klar: Mit Naturschutzgebieten alleine kann die einheimische Flora und Fauna nicht erhalten werden. Die landschaftliche Vielfalt des Kantons sank zusehends. In einer mehrjährigen partizipativen Zusammenarbeit entstand das Landschaftsentwicklungskonzept Thurgau – kurz LEK TG. Wie ein Netz spannen sich seither sogenannte Vernetzungskorridore über den Kanton und verbinden Naturschutzgebiete und Waldreservate untereinander. Diese Korridore dienen der Vernetzung – also der Wanderung – von Pflanzen und Tieren und sind selbst wichtiger Lebensraum für die Natur. Seit 2002 sind die Vernetzungskorridore im kantonalen Richtplan verankert und wo sie durch eine Barriere unterbrochen sind – beispielsweise durch ein Kraftwerk oder eine Strasse – zeigt dies ein entsprechender Vermerk an. Das Beseitigen dieser Wanderungsbarrieren und die ökologische Aufwertung der Vernetzungskorridore sind DER Leitgedanke bei der Förderung der Biodiversität durch den Kanton: Schwerpunktmässig dort werden Waldränder aufgewertet, Amphibientunnel gebaut, blumenreiche Heuwiesen angesät, das Pflanzen von Bäumen und Hecken finanziert und Tümpel erstellt. Und dort erhalten die Bauern zusätzliche Beiträge für ihre Biodiversitätsförderflächen. Diese mähen sie erst im Sommer und oft lassen sie eine Grasinsel stehen – zum Wohle der Insekten, Spinnen und allen, die diese Insekten fressen. Von Jahr zu Jahr nehmen diese Biodiversitätsflächen zu. Seit 2020 bilden Dörfer und Städte einen zusätzlichen Schwerpunkt der kantonalen Biodiversitätsförderung: Der Kanton Thurgau unterstützt im Projekt «Vorteil naturnah» Gemeinden, welche ihre öffentlichen Flächen ökologisch aufwerten. «Blumenwiese anstatt englischer Rasen» lautet die Devise.

Die kantonale LEK-Begleitgruppe koordiniert die unterschiedlichen Massnahmen und stimmt sie aufeinander ab. Denn der Erhalt der Biodiversität ist eine Mammutaufgabe, die nur gemeinsam gelingen kann. Seit 2019 läuft im Kanton Thurgau zudem das Pilotprojekt 3V (Vertrauen, Vereinfachen, Vorschriften) des Bundes, dieses fokussiert auf die Steigerung der Biodiversität im Acker- und Futterbau sowie die Bodenfruchtbarkeit. Im Projekt Zukunft Obstbau wurden über 13’000 Bäume und über 6800 Meter Hecken gepflanzt. Dabei übernehmen gepflanzte Alleen eine wichtige Vernetzungsfunktion.

Und wie steht es um die Wirkung all dieser Massnahmen? Seit 2009 erhebt das Biodiversitätsmonitoring Thurgau die Artenvielfalt von Pflanzen, Tagfalter und Vögeln. Die Zahlen zeigen: Die Artenzahl entwickelt sich in den Vernetzungskorridoren besser als ausserhalb. Das ist ein starkes Indiz, dass die Massnahmen auch wirken.

Also alles gut? Leider nein. Es gibt weiterhin zahlreiche Verlierer. Prominente Beispiele sind der Kuckuck oder der Aurorafalter. Viele Arten, die auf trockenen Magerwiesen oder in Übergangsbereichen von Wald und Wiese wachsen, sind seltener geworden. Vögeln wie der einst häufigen Feldlerche, die auf Äckern oder Wiesen brüten, konnte mit den bisherigen Massnahmen nicht geholfen werden. Seltene Arten wie die Geburtshelferkröte werden noch seltener. Euphorie wäre also fehl am Platz.

Überall – im Siedlungsgebiet, im Wald, in Naturschutzgebieten und in der Landwirtschaft –besteht weiterhin Handlungsbedarf. Es gilt das Landschaftsentwicklungskonzept Thurgau gezielt weiter in Richtung einer ökologischen Infrastruktur zu entwickeln und auf die Agrarpolitik 22+ abzustimmen – so wie dies der Bundesrat in seiner Biodiversitätsstrategie vorsieht. Damit die Trendwende beim Biodiversitätsverlust Tatsache wird, damit seltene Arten nicht ganz aussterben. Und damit der Thurgau wieder überall artenreicher und somit für alle Lebewesen wertvoller wird – ganz besonders für uns Menschen.

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