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So bewältigte der Thurgau die Coronakrise bisher

Thurgau – Im Rahmen des Besuches von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga am Freitag, 22. Mai 2020 auf dem Arenenberg fand auch ein Austausch zwischen der Bundespräsidentin, dem Regierungspräsidenten Jakob Stark und dem Vizepräsidenten Walter Schönholzer statt zum Verlauf der COVID-19-Pandemie im Thurgau. Den Thurgauer Regierungsvertretern war es ein Anliegen, die aus der aktuellen Krise gewonnen Erfahrungen zu teilen. Dieser Wissenstransfer soll dazu dienen, Pandemien in der Schweiz künftig differenzierter bekämpfen zu können. Ebenfalls besprochen wurde der Weg zurück in die Normalität.

Der Chef des Departements für Finanzen und Soziales sieht eine scharfe, aber nur einjährige Rezession auf den Thurgau zukommen. (Bild: Gerd Altmann auf Pixabay)

Am Freitag, 22. Mai, durften Regierungspräsident Jakob Stark und Vizepräsident Walter Schönholzer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga im Thurgau zum internationalen Tag der Biodiversität begrüssen. Aus aktuellem Anlass fand im Rahmen dieses Besuches auch ein Austausch darüber statt, wie der Thurgau die COVID-19-Pandemie bisher bewältigt hat. Hans Peter Schmid, Einsatzleiter des Kantonalen Führungsstabes, und Kantonsärztin Agnes Burkhalter gaben den Gästen aus Bundesbern einen Überblick über die bisherigen Entwicklungen und informierten über ihre Erfahrungen aus der Krisenbewältigung der letzten Wochen. Die Bewältigung der COVID-19-Pandemie im Thurgau stützt sich auf folgende Säulen: Stationäre medizinische Versorgung, ambulante medizinische Versorgung incl. Beprobung und Contact Tracing, Schutz besonders gefährdeter Personen, personelle Ressourcen und Materialpool. In allen Bereichen wurden durch den Führungsstab ineinandergreifende Massnahmen entwickelt und umgesetzt.

Geschaffene Ressourcen mussten nicht ausgeschöpft werden
Im Kanton Thurgau wurde am Donnerstag, 5. März, das erste positive Laborresultat auf SARS-CoV-2 gemeldet. Danach entwickelten sich die Fallzahlen zunächst rasch, dann aber sehr moderat. Der Regierungsrat hat dann am Freitag, 13. März 2020, die ausserordentliche Lage beschlossen. Die Fallzahlen erreichten im Thurgau zum Zeitpunkt des Beschlusses, öffentlich zugängliche Einrichtungen für das Publikum zu schliessen, am Dienstag, 17. März 2020, mit durchschnittlich 15 positiven Testresultaten den Höhepunkt. Die maximale Belegung der Intensivpflegestation-Plätze an einem Tag lag seither nie höher als bei 17 Patienten und Patientinnen. Auf der Isolier-Bettenstation lag der Höchstwert bisher bei 34 Patienten und Patientinnen pro Tag. «Die Reaktion der Schweiz beziehungsweise des Bundesrates auf das neue Coronavirus war angesichts der Entwicklung in Italien und im Tessin und aufgrund der drohenden Pandemie-Szenarien wichtig und richtig. Auch wenn sich im Nachhinein zeigt, dass die Massnahmen schon sehr weit gegangen sind, insbesondere für die Ostschweiz und den Thurgau», so Regierungspräsident und Chef des Departements für Finanzen und Soziales Jakob Stark. Im Thurgau lag die Ausbreitung des COVID-19-Virus bisher tief unter den Erwartungen. Die geschaffenen Notkapazitäten mussten bei weitem nicht ausgeschöpft werden.

In Zukunft schnellere und differenziertere Pandemie-Bekämpfung
«Wie wir heute am Resultat sehen können, waren wir grundsätzlich genügend vorbereitet, aber es war sehr viel Improvisation nötig. Gut vorbereitet waren wir auf jeden Fall nicht. Es brauchte vermutlich zuerst einmal die konkrete Erfahrung mit einer Virus-Pandemie, um das Bewusstsein für die mögliche Bedrohung zu wecken», resümierte der Regierungspräsident. Er ist sich sicher, dass die Schweiz in Zukunft eine Pandemie-Bedrohung schneller und differenzierter wird bekämpfen können wird, und wenn immer möglich ohne Notrecht. Dadurch werde die Wirksamkeit höher, die sozialen Einschränkungen geringer und der wirtschaftliche Schaden tiefer ausfallen. Sollte die Lage sich weiterhin so positiv entwickeln, sieht der Chef des Departements für Finanzen und Soziales eine scharfe, aber nur einjährige Rezession auf den Thurgau zukommen. Der Thurgauer Staatshaushalt werde dies dank der zurzeit exzellenten Verfassung verkraften können. Er werde dafür aber einen grösseren Teil seiner Reserven einsetzen müssen.

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