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Beratung trotz Corona-Krise

Thurgau – Dank der vom Bundesrat beschlossenen schrittweisen «Lockerungen» befindet sich das gesellschaftliche Leben seit dem 11. Mai 2020 auf dem Weg zu einer gewissen Normalisierung. An den meisten Schulen gibt es wieder Präsenzunterricht, viele Menschen sind zurück an ihren Arbeitsplätzen, kaufen wieder im Fachgeschäft ein oder treffen jemanden auf einen Kaffee in der Beiz. Dabei gilt es weiterhin die Hygiene- und Verhaltensregeln einzuhalten, damit sich das Coronavirus nicht erneut ausbreiten kann. Für viele Familien, Paare und Alleinstehende war diese Zeit des Lockdowns eine Belastungsprobe. Die Wochen der Isolation haben bereits bestehende Probleme verstärkt oder neue geschaffen. Die Perspektive Thurgau war deshalb auch in dieser Zeit für die Bevölkerung erreichbar und hat ihr Beratungsangebot, wenn auch in reduzierter Form, jederzeit aufrechterhalten.

Wichtig ist, dass die Beratungen im Bedarfsfall auch in Zeiten des Coronavirus stattfinden können. (Bild: zvg)

Beratungen an den Aussenstellen der Perspektive Thurgau, an denen ausschliesslich Mütter und Väter mit ihren Kindern Unterstützung erhalten, wurden zwar eingestellt und sind weiterhin nicht möglich. Aber an ihren sieben Fachstellen (Arbon, Diessenhofen, Frauenfeld, Kreuzlingen, Münchwilen, Romanshorn und Weinfelden) werden Klientinnen und Klienten nach Voranmeldung gerne für persönliche Beratungen empfangen. Zum Schutz der Klientschaft und der Mitarbeitenden finden sämtliche Beratungen jedoch unter Einhaltung von geeigneten Massnahmen gemäss dem eigenen Schutzkonzept statt. Details dazu wurden unter www.perspektive-tg.ch/corona publiziert. Weiterhin möglich sind selbstverständlich auch Beratungen per Telefon oder E-Mail und neu auch über eine Chat-Funktion, welche auf der Webseite unter dem jeweiligen Fachbereich der Perspektive Thurgau zur Verfügung steht.

Probleme besser nicht aufschieben
Wichtig ist, dass die Beratungen im Bedarfsfall auch in Zeiten des Coronavirus stattfinden können. «Die Lösung von Problemen oder die Beantwortung von drängenden Fragen sollten besser nicht aufgeschoben werden, denn persönliche Krisen verschwinden selten von alleine, sondern verstärken sich in einer solchen Situation noch zusätzlich», sagt Markus van Grinsven, Geschäftsleiter der Perspektive Thurgau. Die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wurden während der letzten Wochen entsprechend rege genutzt. Die Mitarbeitenden, Beraterinnen und Berater der Perspektive Thurgau standen unermüdlich im Einsatz und konnten in vielen verschiedenen Situationen zielgerichtet helfen. Dies veranschaulichen einige Beispiele aus ihrem Beratungsalltag:

Suchtberatung
Frau S. hat bei der Perspektive Thurgau angerufen, weil sie sich Sorgen um ihre pensionierte Mutter gemacht hat, die alleine lebt. Getrieben durch die Einsamkeit trinke sie nun sehr viel Alkohol und surfe den ganzen Tag im Internet. Sie verhalte sich seltsam und sei ziemlich verwahrlost. «Wir konnten Frau S. Hinweise geben, wie sie mit ihrer Mutter ins Gespräch kommen und sie in dieser angespannten Situation trotz der notwendigen Distanz unterstützen kann. Inzwischen konnte bereits ein Beratungstermin im Sinne der Angehörigenberatung mit der Tochter vereinbart werden», erzählt Dirk Rohweder, Bereichsleiter Suchtberatung.

Paar-, Familien- und Jugendberatung
Ein anderer Klient, ein junger Familienvater, suchte Rat, weil er sich dem hohen Druck nicht mehr gewachsen fühlte. Die Situation mit den Kindern, welche den ganzen Tag über zuhause seien und beschäftigt werden müssten, die Arbeit, welche er im Homeoffice unter diesen Bedingungen zu erledigen habe sowie die zunehmenden Spannungen in der Ehe seien sehr belastend. Felix Suter, Bereichsleiter Paar-, Familien- und Jugendberatung, erläutert: «Die Familie war schon vor der Corona-Krise wegen Schwierigkeiten mit dem 6-jährigen Sohn bei uns in Beratung. Daher kannten wir das Familiengefüge bereits und konnten die Situation zusammen mit Herrn M. in einem persönlichen Termin besprechen und mit ihm Lösungen erarbeiten.»

Mütter- und Väterberatung
Zahlreiche Mütter und Väter haben die Perspektive Thurgau bereits über die neue Chat-Funktion kontaktiert, welche vor Kurzem auf der Webseite aufgeschaltet wurde. Für Benedikt Fuhrimann, Bereichsleiter Mütter- und Väterberatung, ist klar: «Dieser Kanal ist eine gute Ergänzung zu unseren Angeboten und eignet sich optimal, um rasch und unkompliziert Antworten auf einfache Fragen zu geben. Für komplexere Themen sind Beratungen bei uns vor Ort oder Hausbesuche natürlich weiterhin unverzichtbar.»

Gesundheitsförderung und Prävention
Doris Grauwiler, Bereichsleiterin Gesundheitsförderung und Prävention, erzählt von einer Sexarbeiterin, die aufgrund der Corona-Krise kein Einkommen mehr habe, nicht mehr ins Heimatland ausreisen könne und auf sich allein gestellt sei: «Das Arbeitsverbot im Sexgewerbe trifft sie hart. Ihr droht Armut und Obdachlosigkeit. Während sie auf die Wiedereröffnung ihres Bordells wartet, stehen wir ihr beratend zur Seite und verhelfen ihr zum Bezug einer finanziellen Nothilfe.»

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