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Herber Rückschlag für das neue Stadthaus

Kreuzlingen – Die Beschwerden gegen den Bau des neuen Kreuzlinger Stadthauses auf der Festwiese wurden vom Verwaltungsgericht gutgeheissen. Stadtpräsident Thomas Niederberger zeigt sich enttäuscht vom Urteil, ob der Gang ans Bundesgericht folgt, ist noch ungewiss.

Nach Meinung des Verwaltungsgerichtes könnte das neue Gebäude auf diesem Grundstück auch ohne Überlange gebaut werden. (Bildmontage: IDK)

Im Auftrag der beiden Beschwerdeführer informierte Rechtsanwalt Thomas Leu am Dienstagabend die Medien darüber, dass das Verwaltungsgericht das Projekt «Schlussstein» auf der Festwiese für nicht bewilligungsfähig hält. «Mit Entscheid vom 13. Mai hebt das Verwaltungsgericht den positiven Vorentscheid des Kantons auf», heisst es. Das Verwaltungsgericht sei zum Schluss gekommen, dass sich die Erteilung von Ausnahmebewilligungen nicht rechtfertigen lasse. «Ein Bau dieses Projektes auf der Festwiese dürfte demnach definitiv vom Tisch sein». Der Entscheid sei noch nicht rechtskräftig, die Stadt könne beim Bundesgericht Beschwerde einlegen.

Gegen Sinn und Zweck des Baureglements
«Wir sind sehr enttäuscht, wir hatten gehofft, dass das Verwaltungsgericht den Entscheid des Departementes Bau und Umwelt stützen wird», sagt Stadtpräsident Thomas Niederberger in einer ersten Reaktion. Die Beschwerde gegen die Überlänge des neuen Verwaltungsgebäudes auf der Festwiese sei vom Verwaltungsgericht leider gutgeheissen worden. Das Gericht habe sich dabei hauptsächlich auf zwei Punkte gestützt.

Das Verwaltungsgericht habe bei seiner Entscheidung ins Feld geführt, dass das Stadthaus «keine standortgebundene Anlage wie etwa eine Kläranlage oder ein Reservoir» sei. Ausserdem liege keine unverhältnismässige Schwernis oder Härte vor. Im Klartext: Nach Meinung des Verwaltungsgerichtes könnte das neue Gebäude auf diesem Grundstück auch ohne Überlange gebaut werden. Die Länge von 111,3 Meter würde gegen «Sinn und Zweck des Baureglements verstossen», zitiert Niederberger aus dem Entscheid.

Klare Strategie und Offenheit
Das weitere Vorgehen in dieser Sache werde in den nächsten Tagen im Stadtrat beraten und die Entscheidung anschliessend kommuniziert. Ob der Stadtrat Beschwerde beim Bundesgericht einlegen werde, sei gegenwärtig noch völlig offen. Die gegen den Bau des neuen Stadthauses gerichtete Initiative «für die Freihaltung der Festwiese» werde unabhängig davon am 11. Juni im Gemeinderat diskutiert. «Das Initiativkomitee setzt sich für die Freihaltung der Festwiese ein. Unser Weg führt über die Volksinitiative, nicht über Einsprachen und Beschwerden», nimmt Xaver Dahinden im Namen des Komitees Stellung. «Das Urteil des Verwaltungsgerichtes bringt uns unter Umständen dem Ziel näher». Das hänge davon ab, wie der Gemeinderat und der Stadtrat mit der neuen Situation umgehen würden. Die Sitzung des Gemeinderats werde darüber Aufschluss geben. Spekulationen brächten momentan nichts, was es brauche, sei eine klare Strategie und Offenheit für neue Lösungen, heisst es in der Stellungnahme.

Kurt Peter

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7 thoughts on “Herber Rückschlag für das neue Stadthaus

  1. Tomas Müller

    Sehr gut, was man da liest! Das Stadthaus gehört nicht auf diese Wiese und schon gar nicht an diesen Ort! Es gibt viele andere Möglichkeiten. Man sollte nicht immer andere Ideen haben, so war das Stadthaus ja an der Löwenstrasse (ganzes Areal hinter dem Rest. Löwen (den Saal hat man ja extra dazu abgebrochen), geplant – dort gehört es hin. Ein gemischte Überbauung von Stadthaus, Gewerbe & Wohnen (nach hinten). Oder ein zweiter Standort, wäre hinter dem jetzigen Stadthaus (ganzes Areal vom Stadthaus, bis zur Sonnenstrasse !). Das sind Standorte, aber nicht die
    legendäre Dreispitzwiese – sicher nicht !! auf keinen Fall !!

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  2. Bruno Neidhart

    Über Nacht wurde die Zahl 111,3 zum vielleicht finalen Albtraum für den Kreuzlinger Stadtrat. Dagegen könnte dies für die Initiative „Freie Festwiese“ wie ein Märchen aus Tausendundeine Nacht erlebt werden.

    Das Verwaltungsgericht entschied bis jetzt aber nur, dass es sich bei diesem Gebäude „um keine standortgebundene Anlage“ handle, führte jedoch gleichzeitig aus, dass auf diesem Grundstück entsprechend auch ohne Überlänge gebaut werden könnte. Im Klartext müsste dies dann wohl heissen: Kürzer – dafür höher. Wow!

    Damit nun setzt sich das Gericht zwischen Skylla und Charybdis! Denn spätestens jetzt müsste auch der Denkmalbehörde ein klareres Licht aufgehen und die damalige halbherzige Begutachtung für das nun vom Verwaltungsgericht kassierte Vorhaben ganz neu bewerten. Diese Neubewertung könnte nur lauten, grundsätzlich dem Ensembleschutz eine immanentere Gewichtung beizumessen, um auf alle Zeit eine Bebauung des stadtprägenden, historischen Freiraums zwischen Parkstrasse und Klosterkirche auszuschliessen. Um diesen mittigen Stadtraum mit all seinen Vorzügen geht es im Kern der Sache!

    Nun bleibt also dem Stadtrat nur noch „Bern“ anzurufen. Doch täte er gut daran, „das Handtuch schon mal in die Hand zu nehmen“! Und er könnte sogar Grösse zeigen, in dem er gleichzeitig ankündigt, nun stringent an einer anderen Lösung an einem anderen Standort zu arbeiten. Mindestens eine Alternative ist ja bereits vorhanden – wenn auch früher verworfen. Doch die u.a. damit verbundenen Vorteile für die „Mitte“ sind längst aufgezählt.

    Wie früher oder später das Areal Festwiese letztlich ausgestaltet weden könnte – es gibt einige Varianten -, ist eine interessante gestalterische Aufgabe für die Verwaltung zum Wohl der Stadtbevölkerung und der Stadtbesucher.

    Es ist nun nicht der Zeitpunkt gekommen, Verantwortliche für ein allfälliges Desaster zu suchen und zu finden. Es steht für Kreuzlingen in den kommenden Jahren zuviel auf dem Spiel. Zeitweilige Ungereimtheiten sollte das politische oder persönliche Klima nicht auf Dauer beschädigen. Die Stadt müsste sich u.a. besonders im Zentrum gemeinsam wiederfinden. Hier wären kräftige Impulse zu setzen, um als Stadt in Konkurrenz zu bestehen. Seit 1947, als Kreuzlingen zur Stadt wurde, ist viel versäumt worden, der Mitte sowohl aus historischer, kultureller, wie architektonischer und verkehrsgestalterischer Sicht ein überzeugenderes Bild zu geben. Keine Stadt kommt an einer prägenden, gleichzeitig belebenden Ausgestaltung ihrer Mitte vorbei. Kreuzlingen hätte doch Potential – wäre noch schöner!

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  3. Jan Corsano

    Man sollte sich auch auf Grund der aktuellen Lage fragen ob man so aufgeblasene Verwaltungsapparate überhaupt braucht! Kein Privater oder Unternehmer würde sich einen solchen Palast bauen. Warum überdenkt man die Situation nicht einfach nochmals und geht über die Bücher. Gerade wenn man in die Zukunft blickt wird Home-Office immer mehr zum Thema. Muss man einfach noch die letzten Flecklein zubetonieren? Es gäbe in Kreuzlingen genügend andere Möglichkeiten, wenn man den wollte. Ich bin aber fast sicher, dass man den Bau einfach durchdrücken will um jeden Preis.

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    1. Bruno Neidhart

      „Durchdrücken um jeden Preis“, Herr Jan Corsano, das hiesse, dass ein „Bundesgericht“ dem Anliegen des Stadtrates entgegenkäme. Dies würde wohl zu einem Präzedenzfall, der anschliessend schweizweit bei jeder Gelegenheit laufend zu einer Flut von Einsprachen/Gerichtsentscheiden führen müsste. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem solchen „Kreuzlinger Präzedenz-Gau“ kommen wird, schätze ich allerdings eher gering ein. Interessant ist nach wie vor, dass man sich argumentativ derzeit nur auf das „Ausmass einer Architektur“ beziehen kann. Dabei tritt ein Ur-Denken, die grundsätzliche Nicht-Bebauung des bis heute freien Stadtareals in den Hintergrund. Die Initialzündung zu einem Eingriffsversuch kam seinerzeit allerdings nur zum Teil aus dem derzeit bestehenden Stadtrat. Das sei festgestellt. Gleichzeitig hat der damalige Gemeinderat nicht – oder nur zum geringen Teil – zu erkennen vermocht, dass sich aus diesem Gedankenstrang heraus politisch/gesellschaftlich Ungereimtes ergeben könnte. Und schliesslich war auch den 50,06 Prozent der Ja-Abstimmenden die ganze Angelegenheit sicher nicht transparent genug aufgelistet, um vollständig erkennen zu können, in welches Abstimmungs-Abenteuer sie sich begeben könnten. Wenn nun – durch Einsprachen, durch eine Initiave, durch einen Gerichtsentscheid – eine Neubewertung der ganzen Angelegenheit eingeleitet werden muss/eingeleitet ist, so liegen die Gründe dazu weit zurück: Die Stadt war eben nicht imstande, in all den Jahren eine sinnvolle, attraktive Weiterentwicklung administrativer baulicher Notwendigkeiten zum Beispiel am vorhandenen zentralen Standort vorzulegen. Durch euphorische Gedankenspielerei erfolgte eines Tages ratsmental die Flucht aus der „City“. Mit nachträglich nun allen realen, politisch einwirkenden Begleiterscheinungen.

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    2. Werner Halter

      Sehr gut, bin ganz ihrer Meinung! Für diese Leistung, die einige dieser städt. Angestellten leisten, braucht es wirklich keinen solchen aufgeblasenen Verwaltungs-Palast. Da genügt sogar, das alte Stadthaus völlig !

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    3. schiesser

      @Jan Corsano: “ Kein Privater oder Unternehmer würde sich einen solchen Palast bauen“ Hä? Haben sie sich mal den Firmensitz der Arbonia angeschaut? Oder die Sitze des Würth-Konzerns – um nur mal zwei zu nennen, die es auch hier in der Nähe gibt. Da sind ein Sunrise-Hochhaus in Zürich oder die Bauten der Pharmafirmen in Basel noch gar nicht genannt. Selbstverständlich bauen Privatfirmen „solche Paläste“. Mal ganz abgesehen davon, dass der geplante Stadthaus-Bau kein „Palast“ ist. Dafür ist die Architektur dann doch zu anspruchslos. Und dann hört mal mit diesem Verwaltungsbashing auf. Welche Aufgaben soll denn die Verwaltung nicht erfüllen, um dadurch Arbeitsplätze einzusparen? Macht mal Vorschläge! Beim Bauamt abbauen, damit es noach länger dauert, bis über Bauanträge entschieden wird? Oder lieber beim Tiefbau die Strassenplanung daheim beim Baustadtrat auf der Terrasse planen? Oder keine Sozialhilfeabklärungen mehr? Oder die Einwohnerkontrolle im Home Office erledigen und den Besucherverkehr am heimischen Küchentisch empfangen? Schon mal dran gedacht, dass nicht alle BürgerInnen per Internet „funktionieren“? Das Steueramt aufgeben oder mit Frauenfeld zusammenlegen? Oder vielleicht einfach nur mal darüber nachdenken, welche Aufgaben eine Gemeindeverwaltung zu erfüllen hat, bevor man hier von „aufgeblasen“ spricht.
      Man kann in guten Treuen unterschiedlicher Meinung über den vorgesehenen Standort sein (und auch über die Architektur), aber dass das heuitge Stadthaus z.B. für Menschen mit Gehbehinderungen höchstens bis ins (Hoch-)Paterre zugänglich ist, ist kein Zustand. Und dass es für die Angestellten reichlich unpraktisch ist, kann auch nur bestreiten, wer sich den Bau nie angeschaut hat. Kreuzlingen diskutiert jetzt seit 30 Jahren über ein neues Stadthaus und dessen Standort. Irgendjemand gefällt immer irgendetwas nicht – mal der Standort, mal die Architektur, mal die Grösse, mal der Preis….
      Man kann natürlich jetzt nochmal von vorne anfangen – und sollte die hängige Initiative angenommen werden, wird man das ja auch müssen – aber die Frage stellt sich doch, wie sinnvoll das ist. Das nächste Vorhaben wird genauso angegriffen werden – einfach nicht von den selben Leuten. Jedem gefällt ein anderes „grünes Flecklein“, das keinesfalls „zubetoniert“ werden soll. Irgendwann mal sollte man einfach „springen“ – und dieses Mal gab es immerhin eine – wenn auch hauchdünne – Mehrheit für den Bau.

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      1. Bruno Neidhart

        Hier geht es nicht nur um ein „grünes Flecklein“. Da verwechselt „schiesser“ etwas. Mehr ist dazu nicht festzuhalten.

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