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Zwei neue Pfarrer für ein Halleluja

Kreuzlingen – Die katholische Kirchgemeinde Kreuzlingen wagt nach Jahren des Unmuts und inneren Streitigkeiten einen Neubeginn. Zwei frische Pfarrer sollen im neu geschaffenen Pastoralraum für Seelenruhe sorgen. Gottesdienste wird es in Zukunft jedoch weniger geben.

(V.l.) Der neue Kaplan Marco Vonarburg und Pfarradministrator Edwin Stier sollen zusammen den neuen Pastoralraum mit Ermatingen betreuen. (Bild: Emil Keller)

Eigentlich hätte sich am vergangenen Mittwochabend nur der neue Pfarradministrator Edwin Stier der Kirchgemeinde vorstellen sollen. Doch Kirchenpräsident Beat Krähenmann hatte gleich noch einen Überraschungsgast mit im Gepäck: den neuen Kaplan Marco Vonarburg. Dieser soll ab 1. November zusammen mit Stier den vom Bistum Basel beschlossenen Pastoralraum gestalten. Diese Zusammenlegung mit Ermatingen ist schon seit Jahren bekannt, hatte aber immer wieder für Unmut unter den Gläubigen gesorgt und damit einen konkreten Start der Zusammenarbeit verhindert. Nun soll es Stier als Vorsteher der drei Pfarreien St. Ulrich, St. Stefan und St. Albin richten. Die beiden neuen Pfarrer sind deshalb sowohl von Kreuzlingen als auch Ermatingen angestellt. Spontaner Applaus und sogar Jubelrufe waren an der gut besuchten Vorstellungsrunde keine Seltenheit. Eine abschliessende Abstimmung muss aber noch zeigen, ob wirklich alle mit der Neuorganisation einverstanden sind.

Verlassenes Priesterhaus Bernrain
Dass die katholischen Versammlungen in Kreuzlingen nicht immer so friedlich verlaufen, hat die Vergangenheit mehrfach gezeigt. Zuletzt im November, als Pater Jan Walentek überraschend bekannt gab, zusammen mit seinen polnischen Glaubensbrüdern Kreuzlingen zu verlassen. Damit steht das Priesterhaus Bernrain, in dem die Redemptoristen wohnten, nun praktisch leer. Eigentlich war beschlossen, das denkmalgeschützte Gebäude für die Ordensgemeinschaft zu renovieren. Die letzten beiden Bewohner, Pater Josef Gander und Pater Marek Kluk, ziehen nun zu Pfarrer Stier in die Pfarramtswohnung im Stefanshaus. Einen Plan, wie es in Bernrain weitergehen soll, muss die Kirchenvorsteherschaft erst noch ausarbeiten.

Klar hingegen ist, dass es ab dem 1. August weniger Gottesdienste in Kreuzlingen geben wird. Die derzeit 13 Messen werden auf acht reduziert. Einerseits, weil Stier die Lücke, bis Vonarburg im November seine Stelle antritt, nicht allein Füllen kann. Andererseits, weil eine Steuerreform die Pfarrgemeinden zum Sparen zwingt. Diese Regelung wird nach der Einarbeitung von Vonarburg nochmals überprüft. Auch werden die derzeit noch über ganz Kreuzlingen verteilten Büroräumlichkeiten im Ulrichshaus zusammengelegt. Damit soll die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitenden erleichtert und die Öffnungszeiten verlängert werden. Kirchenpfleger Simon Tobler betonte jedoch, dass die beiden Pfarreien St. Ulrich und St. Stefan auch nach dem Zusammenzug selbstständig bleiben.

Die gebeutelte Kirchgemeinde schien sich nach einem sauberen Neustart zu sehnen. In der anschliessenden Fragerunde hatte niemand Lust, einen Streit vom Zaun zu brechen. Pfarrer Stier ist sich jedoch des herausfordernden Amtes, in das er am 13. September eingesetzt wird, bewusst. Als noch unbeschriebenes Blatt sieht er es jedoch als seinen Vorteil an, offen auf alle Kirchbürger zugehen zu können. Gleichzeitig ermahnte er seine Gläubigen, nicht die Hauptsache zu vergessen: «Jesus Christus soll im Mittelpunkt stehen.»

Emil Keller

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