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Auf die Campingplätze, fertig, los

Region – Einsame Buchten, ein kühler Cocktail an der Strandbar und immer eine Brise Meeresluft in der Nase. Auf Solche Ferien-Erinnerungen verzichten in diesem Corona-Jahr viele Schweizer freiwillig. Das macht sich am extremen Andrang auf die Campingplätze in Altnau und Kreuzlingen bemerkbar.

Uschi, Fabienne, Selina und Sepp (von links) aus dem luzernischen Beromünster wären jetzt in Schottland unterwegs, aber wegen Corona erkundschaften sie jetzt Kreuzlingen.  (Bilder: Andrea Vieira)

22 Wohnmobile reisten am vergangenen Montag am ersten Sommerferientag nach Altnau an. Normalerweise kommen im Schnitt an einem Werktag drei Sommerferien-Gäste mit ihrem Gefährt angefahren. Der Campingplatz Ruderbaum-Betreiber Marc Ferber kann diese Massen noch bewältigen: «Seit dem Saison-Start mussten wir noch keinen wieder nach Hause schicken.» Das kann Walter Lerch vom Campingplatz Fischerhaus in Kreuzlingen nicht behaupten: «Seit dem 6. Juni bis Ende August sind wir Ausgebucht. Nur noch Zeltplätze sind frei.» Dieser Unterschied kommt daher, dass in Kreuzlingen die Wohnmobilplätze mit Parzellen verteilt und reserviert werden können. Die Altnauer nehmen hingegen keine Reservationen entgegen. Sie haben ausserdem eine grössere Zeltwiese, auf der sie auch Wohnmobile, wie früher Kästchen im Computerspiel Tetris, verteilen können. Für beide ist es nichts Aussergewöhnliches, dass sie im Sommer ausgebucht oder gut besucht sind – jedoch die Menge an Anfragen ist extrem. «Normalerweise sind es ungefähr 50 Mails und Anrufe, die wir täglich während des Sommers beantworten. Dieses Jahr sind es weit über 100», sagt Lerch vom Camping Fischerhaus. Zudem muss er vor der Schranke in der Regel zehn spontan angereiste Touristen mit ihrem Wohnmobil wegschicken. «Ich rufe zuerst Marc in Altnau an, ob er noch Platz hat. Da schauen wir schon zueinander», sagt Lerch. Daher ist jedem Camper, der am Bodensee noch einen Platz erwischen will, zu raten vorher auf den Webseiten nach freien Plätzen zu suchen oder vor der Anreise anzurufen.

Marc Ferber, Campingplatz Ruderbaum Altnau.

Es bleibt bunt gemischt
In der extremen Masse an Touristen sind hauptsächlich Schweizer. «Dieses Jahr sind 90 Prozent Schweizer und viele junge Familien bei uns», sagt Ferber aus Altnau. In vergangenen Jahren seien mehr Niederländer, Franzosen, Deutsche und Camper aus entfernteren Nationen angereist, so der Ruderbaum Campingplatz-Betreiber. Ausserdem seien Touristen im Pensionsalter das gewohnte Bild. Schweizerisch geht es auch auf dem Campingplatz in Kreuzlingen zu und her. «Die Gäste sind aber trotzdem bunt gemischt», sagt Lerch. «Bonjour, ça va?» oder «Ciao, come stai?» gehören dabei zum Smalltalk, den man unter den Campern von «enet» dem Röstigraben oder aus dem Tessin beherrschen sollte. Es ist durchaus verständlich reizt das Ausland nicht so wie in vergangenen Jahren. Ferien-Rückkehrer, zum Beispiel aus Serbien, müssen für zehn Tage in Quarantäne. Wenn sie sich nicht daran halten, müssen sie mit einer Busse von bis zu 10‘000 Franken rechnen.

Walter Lerch, Campingplatz Fischerhaus Kreuzlingen.

Einfach nur froh
Teuer zu stehen kommt der Lockdown den Campingplatz-Betreibern. Trotz dem grossen Andrang fehlen die Feiertage wie Auffahrt, Pfingsten und Ostern in den Kassen der Campingplätze. Wobei es aus Altnau weniger ernst klingt, als aus Kreuzlingen. «Ich rechne mit einer Einbusse von 200‘000 Franken, aber definitiv können wir es erst am Ende der Saison rechnen», sagt Lerch. Trotz den Einbussen könnte die Stimmung auf dem Platz nicht besser sein: «Alle sind einfach nur froh, hat die Campingsaison endlich angefangen.»

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