/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Stürmische Zeiten für die Liebe

Kreuzlingen – Dieses Jahr ist die Bühne des See-Burgtheaters Schauplatz einer liebesdurchzogenen Verwechslungskomödie aus der Feder von William Shakespeare.

(V.l.) Bühnenbildner Damian Hitz, Regisseur Max Merker sowie die Schauspieler und Musiker vor einer stahlblauen Kulisse. «Was ihr wollt» feiert am Donnerstag, 16. Juli, seine Première. (Bild: Sandro Zoller)

«Shakespeare brauchte für seine Inszenierungen auch nur eine einfache Bühne», sagt der Bühnenbildner Damian Hitz. Passend zu diesem Credo dient den Schauspielern als Plattform lediglich ein schlichter hölzerner Schiffssteg. Ganz schnörkellos ist das Ganze aber dann doch nicht. «Der See und die Umgebung passen perfekt zum Stück und das ist wichtig», fügt Hitz an. Produktionsleiter Leopold Huber sieht die puristisch gehaltene Bühne als einen Vorteil für das Publikum: «Die Künstler können sich hinter gar nichts verstecken. Der Zuschauer bekommt dementsprechend auch die feinsten Nuancen mit.»

«Man betäubt sich nie ohne Grund»
Im Stück «Was ihr wollt» sind viele Figuren im Liebesrausch. Die Figuren Sir Toby Rülp und Sir Bleichenwang sind aber vor allem wegen des Alkohols betäubt. Man könnte also meinen, dass durch die beiden Saufkumpanen eine Lobeshymne auf hochprozentige Drinks über den See schwappt. Franz Josef Strohmeier, alias Sir Toby Rülp, verneint: «Ganz und gar nicht, denn man betäubt sich nie ohne Grund. Durch den Rausch will man etwas vergessen.»

Sofia Elena Borsani spielt Viola, die nach einem Schiffbruch durch einen einheimischen Kapitän gerettet wird. Da sie weiss, dass Illyrien, eine Region im Westen der Balkanhalbinsel, ein Piratennest ist, verkleidet sie sich fortan als Knabe namens Cesario. «Ein Mann zu spielen ist immer herausfordernd. Cesario wird einmal stereotypischer und einmal weniger klassisch interpretiert, was das Ganze erleichtert», erklärt Borsani.

Giuseppe Spina in der Rolle des Herzog Orsino brennt für die Gräfin Olivia. Doch anstelle es ihr persönlich zu sagen, schickt der liebestolle Herrscher Orsino Cesario zur Angebeteten. Und prompt verliebt sich die Adlige – dummerweise aber in Cesario. «Der Oberchef lebt in einer Blase und verliebt sich höchstens in seine Vorstellung von Liebe. Als er sich wirklich reell damit beschäftigt, bemerkt er, dass die Lösung all seiner Liebes-Probleme schon länger direkt vor seiner Nase stand», erklärt Spina.

Braucht es den Narr, oder braucht es ihn nicht – das ist hier die Frage
Bei Shakespeare ist der Narr keine lustige sondern eher eine nachdenkliche Figur, was den Zuschauer erst einmal überraschen kann. «In der deutschen Übersetzung geht aber etwas vom originalen Esprit verloren», findet Andrej Reimann, der den Narr verkörpert. «Man darf ruhig sagen, dass der Narr stets eine schwere Rolle ist», betont Produktionsleiter Huber. Zudem fügt er an, dass es diesen Part in diesem Stück eigentlich gar nicht bräuchte. Dazu sagt Reimann: «Ich bilde sozusagen den Rahmen und halte das Ganze am Laufen.»

Und was sagt die Regie in der Person von Max Merker zu all dem? «An Shakespeare heranzugehen, macht, wegen den vielen Ebenen, anfangs angst. Mit diesem Ensemble hier kann man aber auch gut in Sackgassen gehen und es dann nochmals neu angehen.»

Für die Inszenierung wurde in Zusammenarbeit mit den Behörden ein Schutzkonzept erarbeitet, das die Durchführung des Stückes noch sinnvoll macht. So dürfen die Schauspieler den Mindestabstand von 1,5 Metern unterschreiten. Dafür muss auf Küsse und innige Berührungen verzichtet und auf tägliches Fiebermessen bestanden werden.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.