/// Rubrik: Stadtleben

Welche Beere soll es heute sein?

Kreuzlingen – Josephine Bucher aus Kreuzlingen steht für ihren Ferienjob in einem der Erdbeerhäuschen und preist Thurgauer Früchte an. Sie nimmt uns für einen Tag im «Fruchthüsli» mit.

Josephine Bucher alias «Erdbeerjosy» bringt in ihrem aller ersten Ferienjob Früchte unters Volk. (Bilder: Andrea Vieira)

«Mmmh riecht das gut. Ich nehme gerne je eine Schachtel Heidel- und Erdbeeren.» Nebst «Grüezi» ist dies oft der erste Satz, den Josephine Bucher zu hören kriegt. Die 17-Jährige ist eine der Verkäuferinnen in den Erdbeerhäuschen am Strassenrand. Doch bevor sie die Klappe des «Fruchthüslis» öffnen kann, hat Josephine in ihrem aller ersten Ferienjob noch das eine oder andere zu tun.

Um 8.45 Uhr radelt die Kreuzlingerin mit ihrem Velo an. Ab jetzt hat sie 15 Minuten Zeit das Innere des Erdbeerhäuschens an der Romanshornerstrasse in Kreuzlingen bereit für den Verkauf zu machen. Die Pädagogische Maturitäts-Schülerin muss in der Früchtelieferung vom Morgen erst einmal zählen wie viele Kilos von jeder Fruchtsorte darin enthalten ist. Dies tippt sie dann ins Pad vom Häuschen ein. Durch das Kassensystem vom Pad wissen die Kollegen von der Zentrale, was sie für die Nachmittagslieferung dabei haben müssen. Danach drapiert Josephine die Beeren bis ganz nach oben auf der Theke und die restlichen Waren daneben. Die gewissenhafte Verkäuferin achtet nicht nur auf eine üppige Theke, sondern auch darauf, dass sicher nichts von der Ware übersehen wird: «Ich stelle die Tomaten zwischen die Heidelbeeren und Kirschen, damit sie von den Kunden besser gesehen werden. Wenn ich sie neben den Erdbeeren und Himbeeren platziere, merken die Kunden nicht, dass es Tomaten hat.» Nicht nur Thurgauer Früchte gibt es in den «Erdbeerhüslis» von www.pflückfrisch.ch aus Amriswil zu kaufen, sondern auch Sirup, Süssmost, Honig, Apfelringli, Konfi und Meringue aus eigener Produktion.

Die Tage können sich dahinziehen
Sind die Waren nach Josephins Wunsch drapiert, kann‘s los gehen. Kaum ist die Klappe des Häuschens offen, kommt schon der erste Kunde mit dem Auto angefahren. «Woher stammen die Beeren?» Ist die häufigste Frage, die Josephine zu beantworten weiss: «Für mich ist es selbstverständlich, dass, bevor ich das Häuschen öffne, nachsehe woher die Ware stammt.» Obwohl mal zwei ältere Damen 20 Kilogramm Erdbeeren für Konfi gekauft haben, bleiben jedoch die Hamsterkäufe wie damals beim Klopapier aus.

Ein anderer junger Erwachsener würde wahrscheinlich die längere Wartezeit auf den nächsten Kunden mit Netflix-Serien oder Tiktok-Videos verbringen. Nicht so «Erdbeerjosy», wie Josephine seit ihrem Ferienjob liebevoll von ihren Kollegen genannt wird. «Es gibt eigentlich immer etwas aufzuräumen oder zu putzen. Wenn nicht, habe ich ein Buch dabei oder meine Kollegen kommen mich besuchen», sagt sie. Es kann natürlich auch vorkommen, dass ein Herr vorbei kommt und eine Stunde lang seine Geschichte über seine verlorene grosse Liebe erzählt. «Ich habe ihm gerne zugehört, aber solche Erlebnisse sind selten», sagt «Erbeerjosy».

Um 19 Uhr macht Josephine die Klappe des Fruchthäuschens wieder zu. Nach einem 10-Stunden-Tag muss sie aber noch die Einnahmen zählen und die übriggebliebenen Beeren wieder zurück in die Transportkisten packen. Josephine arbeitetet gerne im Erdbeerhäuschen, aber sie möchte nächstes Jahr andere Ferienjobs ausprobieren: «Mal nach dem Openair Frauenfeld aufräumen helfen oder kellnern könnte ich mir vorstellen.»

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