/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Gefüllte Kassen bei Kreuzlinger Katholiken

Kreuzlingen – Die Kirchgemeindeversammlung durfte über einen Gewinn von 360‘000 Franken entscheiden.

Beat Krähenmann (links) und Simon Tobler können mit einem guten finanziellen Polster ins neue Kirchen Jahr einsteigen. (Bild: Inka Grabowsky)

«Man könnte sagen ‹das ist ja toll›, aber man muss es differenziert sehen», Kirchenpfleger Simon Tobler mahnte bei der Vorstellung der Jahresrechnung 2019 zur Vorsicht: «270‘000 Franken des Gewinns beruhen auf diversen einmaligen Effekten.» Die Gemeinde konnte zum Beispiel Rückstellungen für die Grabfeldsanierungen auflösen, weil die Stadt dafür zuständig ist, und sie musste einige zweckgebundene Kassen auflösen. Ausserdem konnten teure Unterhaltsarbeiten an St. Ulrich verschoben werden, weil ein Experte sie als nicht dringlich einschätzte. Die Summe wird nun ins Eigenkapital überführt, auch um zu erwartende Mindereinnahmen durch die Corona-Krise abzufedern.

Investition in Photovoltaik
Ein Teil des Geldes werde nach einstimmigem Willen der Kirchbürger demnächst investiert – und zwar durchaus gewinnbringend, wie Tobler betonte. Die Flachdächer von Ulrichs- und Stefans-Haus sollen mit Photovoltaik-Anlagen ausgerüstet werden. «Ich bin nicht auf die grüne Welle aufgesprungen», sagte der Kirchenpfleger in seinem Plädoyer. «Ich bin in dieser Frage Finanzer. Es lohnt sich.» Er rechnet vor: «Die Solarzellen erzeugen rund die Hälfte unseres jährlichen Strombedarfs. Damit wären nach 13 Jahren die Kosten amortisiert. Die Lebensdauer beträgt aber 25 Jahre. Wir verdienen also Geld und tun gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt.» Rund 170‘000 Franken will die Kirchgemeinde in die Anlagen investieren. Darin eingeschlossen ist die Sanierung des Dachs des Stefanshauses, die ohnehin ansteht. Was die Verantwortlichen jedoch noch nicht wissen ist, was mit dem Priesterhaus Bernrain geschehen soll, nach dem die polnischen Redemptoristen weggezogen sind.

Interessierte Gemeindemitglieder
Innerhalb der überaus harmonischen Kirchgemeindeversammlung gab nur eine Zahl Anlass für Diskussionen: 145 Menschen haben im vergangenen Jahr der katholischen Kirche Kreuzlingens den Rücken gekehrt. «Ist das in Vergleich zu anderen Jahren oder anderen Gemeinden normal?», wollte ein Kirchbürger wissen und bat darum, in den nächsten Versammlung dazu informiert zu werden. Kirchenpfleger Tobler hatte entsprechende Zahlen sofort parat. Es gäbe steigende Austrittzahlen seit 2002, sie entsprächen ungefähr dem Trend der Landeskirche Thurgau. Der Präsident der Kirchenvorsteherschaft Beat Krähenmann ergänzte: «Die 145 Austritte sind nicht an uns vorbeigegangen. Wir haben bereits unsere Mitarbeitenden gefragt, was sie sich als Gegenmassnahmen vorstellen können. Pfarrer Stier wird nach seinem Amtsantritt das Thema weiterverfolgen.» Krähenmann verwies auf vergangene Diskussionen innerhalb der Kreuzlinger Kirchenführung: «In Genf gibt es schweizweit die wenigsten Austritte», zitierte er den in die Heimat zurückgekehrten Pater Jan. «Dort gibt es keine Kirchensteuer.» Bei der Suche nach den Motiven werde man sich aber nicht auf diese bequeme Lösung beschränken.

Kirche in Zeiten von Corona
Krähenmann ging auch auf die speziellen Bedingungen der Covid-19-Pandemie ein. Gottesdienste und Religionsunterricht seien ausgefallen, die Angestellten seien aber trotzdem sehr aktiv gewesen. Sie richteten Gebetsecken ein, besetzten ein Seelsorge-Telefon, organisierten Nachbarschaftshilfe oder stellten auf der Webseite www.kath-kreuzlingen.ch musikalische und geistige Inputs bereit. «Und wer gar nicht wusste, was er tun konnte, um zu helfen, der hat schlicht beim Jäten geholfen», sagte Krähenmann. «Wir haben gesehen, wie wertvoll unsere Mitarbeitenden sind.»

Zum Neue
Pfarrer Edwin Stier wird am 13. September um 10.30 Uhr in St. Stefan feierlich ins Amt eingeführt. Um trotz Abstandsgebot möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, wird die Messe ins Stefanshaus und im Internet übertragen.

Inka Grabowsky

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.