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Seit 25 Jahren eine Hilfe die Schweiz zu verstehen

Kreuzlingen – Mit einem Cafétreff und einer entspannten Atmosphäre hilft die Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau sich in der Schweiz zurecht zu finden. In den 25 Jahren kamen immer mehr Aktivitäten dazu. Wegen Corona wurde der Verein ausgebremst, aber auch er macht das Beste daraus. Das Jubiläumsfest wird 2021 nachgeholt.

Beim kreativen Gestalten lenken sich die Kinder vom schweren Alltag ab und lernen nebenbei
Deutsch. (Bilder: zvg)

«Es soll weniger nach Bahnhofshalle aussehen, sondern mehr nach einem Café», sagt AGATHU Präsident Karl Kohli. Nebst diesem Umbau des Café AGATHU ist im Frühling 2021 ein Jubiläumsfest geplant. Eigentlich wollte die Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau (AGATHU) dieses Jahr ihren 25. Geburtstag feiern, aber wie viele andere Veranstaltungen fiel auch dieser wegen Corona ins Wasser. Was genau für die Geburtstagsparty geplant ist, möchte der Präsident noch nicht verraten.

Die Party fiel Corona zum Opfer aber der tägliche Cafétreff, mit seinen Aktivitäten, hat wieder geöffnet. Nur am Abend sind wegen Corana die Türen vom AGATHU weiterhin geschlossen. «Es gab zum Glück kein Corona-Fall», sagt Kohli. Damit es so bleibt, steht der Desinfektionsspender beim Eingang bereit und gut die Hälfte der Stühle haben die freiwilligen Helfer weggeräumt. Ausserdem werden Masken getragen.

Bisher unentdeckte Talente kommen
zum Vorschein.

Trotz den eingehaltenen Hygienemassnahmen müssen viele Helfer passen. Die meisten der über 100 freiwilligen Helfer gehören von alters wegen zur Corona-Risikogruppe. Der Verein mache aber trotzdem seine Arbeit, versichert Kohli: «Auf die beliebte wöchentliche Party am Montagabend für die Asylsuchende aber müssen wir vorläufig verzichten.» Der Verein stehe auch dank der Stadt Kreuzlingen finanziell zufriedenstellend da, aber es sei mit viel Werbe-Arbeit verbunden. Damit AGATHU den Leuten im Gedächtnis bleibe, so der Präsident.

Unterstützung durch banale Beschäftigungen

Iris Lagrange (rechts) und Christine Hagin Witz.


Wer nicht in der Schweiz bleiben darf, nicht freiwillig zurückreist und auch nicht ausgeschafft werden kann, bezieht Nothilfe. Nothilfeberzüger dürfen nicht arbeiten gehen – Was frustrierend für sie ist. Deshalb ist das Café AGATHU eine der wenigen Anlaufstellen zu denen die Nothilfebezüger gehen können. Aus dem AGATHU sind über die 25 Jahre einige unterstützende Angebote für die Asylsuchenden entstanden. Es gibt kreative Nachmittage an denen Grosse und Kleine Gäste basteln und malen dürfen. Dabei gibt es tolle Momente, weiss Iris Lagrange: «Ein erwachsener Mann mit schwersten Problemen, unteranderem auch mit Drogen, der Nothilfe beziehen muss, nimmt an einem Tisch Platz und fängt an in aller Seelenruhe zu malen. Dabei entstehen tolle Bilder und es ist schön zu sehen, wie es ihm hilft, gewisse Dinge zu verarbeiten.» Auch die Kinder würden dabei richtig aufblühen, so die Rechtsberaterin des AGATHU.

Die Köpfe hinter der AGATHU (Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau).

Das Malen ist für viele Cafétreff Besucher eine Möglichkeit sich auszurücken, da viele die deutsche Sprache noch nicht beherrschen und deshalb auch gefrustet sind. Die freiwilligen Helfer unterstützen die Besucher auch dabei den gesellschaftlichen Umgang in der Schweiz zu verstehen und gleichzeitig die deutsche Sprache zu lernen. Asylanten finden auch eine Rechtsberatung und Unterstützung sich im schweizerischen Formularen-Dschungel zurechtzufinden. Das AGATHU hilft auch am richtigen Ort nach einer passenden Anlaufstelle zu suchen, zum Beispiel wenn es um das Verarbeiten von psychotraumatischen Erlebnissen geht. Auch banales wie PCs stehen bereit, um mal ein Formular ausdrucken oder etwas an die Ämter per Mail senden zu können.

Das Neuste ist das Nähcafé. Darin erhalten alte Hemden ein neues Leben als Tasche und werden verkauft. «Zudem lernen die Teilnehmerinnen nicht nur zu nähen, sondern auch die Schweizerische Genauig- und Pünktlichkeit», sagt Rechtsberaterin Lagrange. Was den Geflüchteten den Einstieg ins Schweizerische Berufsleben vereinfacht. Wer einen Beitrag an die Integration von Ausländern leisten möchte, kann sich gerne beim AGATHU melden.

AGATHU (Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau) will Fremden und Einheimischen ermöglichen, ein Stück Weg miteinander zu gehen, Erfahrungen auszutauschen, Integration zu erleichtern, Rechtsfragen zu klären und Hilfe zu leisten. Im Verein engagieren sich zahlreiche Freiwillige, denen ein menschliches und respektvolles Miteinander von Einheimischen und Geflüchteten am Herzen liegt.
Das Café ist täglich geöffnet von 14 bis 16.30 Uhr
Sonntag geschlossen
www.agathu.ch, Freiestrasse 28a, 8280 Kreuzlingen

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