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Historiker folgt auf Archäologin

Kreuzlingen – Christian Hunziker aus Schaffhausen ist seit 17. August der neue Leiter des Seemuseums.

Fast fünf Jahre war der Historiker nach einer ersten beruflichen Station im Historischen Museum in Frauenfeld als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Hygiene Museum in Dresden. Ebenso lange war er nicht mehr im Seemuseum in Kreuzlingen. «Es hat sich sehr viel getan», sagte Christian Hunziker. «Meine Vorgängerin überlässt mir ein gut aufgestelltes Haus und grosse Fusstapfen, in die ich treten muss.» Tatsächlich hatte Ursula Steinhauser seit ihrem Amtsantritt Oktober 2015 viele Aufgaben gestemmt.

Der Umbau in ein modernes, weitgehend barrierefreies Museum mit modernen Brandschutzeinrichtungen konnte mit dem Einbau von Akustik-Elementen im Gewölbekeller gerade im Grossen und Ganzen abgeschlossen werden. Steinhauser selbst wiegelte ab:

«Der Wechsel zu diesem Zeitpunkt passt ideal. Ich bin gut beim Managen von Projekten, nun braucht es aber kühne Ideen für den Inhalt. Wenn ich jetzt entscheiden müsste, wer von uns beiden dafür besser geeignet wäre, dann würde ich mich für Christian entscheiden.»

Der gab das Kompliment zurück: «Ich kann nun Lorbeeren einfahren für Projekte, die Ursula noch aufgegleist hat. Im Herbst geht unsere neue Website online und zuvor schon können wir ein sogenanntes Digitorial aufschalten. Als nur eines von acht Museum schweizweit durften wir bei der Migros-Initiative mitmachen.» Das Seemuseum sei klein, aber sehr gut positioniert.

Das Museum ist an junge Leiter gewöhnt
Der Historiker besetzt eine 80-Prozent Stelle, auf der er sich unter anderem auch um die Erneuerung der Dauerausstellung kümmern soll. «Ich will unsere Themen Schifffahrt, Fischerei und Wasser in Richtung Nachhaltigkeit stärken», plant er. «Hier können wir Naturwissenschaften, Kunst und Geschichte perfekt miteinander verbinden.»

Die Führung des fünfköpfigen Teams und der rund 50 ehrenamtlichen Helfer durch die Erfordernisse des Alltags werden den 31-Jährigen zusätzlich fordern. «Es hat schon fast Tradition, dass die Leiter im Seemuseum so jung sind», ermutigte Ursula Steinhauser, die selbst erst 30 war, als sie nach Kreuzlingen kam. Mittlerweile habe sie sich kopfüber in ihre neue Aufgabe als Leiterin des Kulturamts in Appenzell Ausserrhoden gestürzt, aber sie vermisse die Menschen, die das Seemuseum ausmachten, die Mitarbeiter und die Besucher, noch immer.

Geld muss her
Stiftungsratspräsident Markus Thalmann hat ebenfalls Zukunftspläne für das Seemuseum. Er will unter anderem den Stiftungsrat neu aufstellen und bis zum Jahressende einen Gönnerverein ins Leben rufen, um die vielen Unterstützer der Institution zu bündeln. Nötig ist das aus zweierlei Gründen. Zum einen klafft in der Finanzierung des Umbaus, der 1,34 Millionen Franken gekostet hat, noch eine Lücke von 200‘000 Franken, die durch Sponsoren aufgefüllt werden muss. Zum anderen hat die Corona-Krise naturgemäss für Einnahmeausfälle gesorgt.

Da ein Grossteil der Helfer zur Risikogruppe gehört, mussten die Öffnungszeiten reduziert werden. Die so wichtige Vermietung der Räume für Veranstaltungen läuft erst langsam wieder an. «Geldbeschaffung sei meine oberste Aufgabe, hat der neue Museumsleiter gesagt», sagte Thalmann mit einem Schmunzeln.

Im renovierten Seemuseum findet am 12. September, zur Eröffnung der europäischen Tage des Denkmals, ein kleiner Festakt statt. Regierungsrätin Carmen Haag ist angekündigt.

Am 30. September beginnt eine Sonderausstellung zum Thema Bodenschätze im Gewölbekeller.

Inka Grabowsky

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