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Italienisches Temperament in Bottighofen

Bottighofen – Die Zentrumbühne führt die Kult-Komödie aus den fünfziger Jahren ab dem 6. November auf.

Fast währen die Aufführungen der Zentrumbühne abgesagt worden. (Bild: Inka Grabowsky)

«Wir trotzen Corona», heisst es im Ensemble übereinstimmend. Ab 6. November wird deshalb das Dorf Brescello in Bottighofen zu sehen sein, mitsamt seinem berühmten Pfarrer, Bürgermeister, reichen Grossgrundbesitzer, verarmten Bauern und deren verliebten Kindern. Die Zentrumbühne versetzt die Zuschauer in die Nachkriegszeit in Norditalien. Kommunismus und Katholizismus ringen miteinander, nur um festzustellen, dass die grundlegenden Werte der Mitmenschlichkeit sich eigentlich gar nicht voneinander unterscheiden.

«Jeder kennt Don Camillo», sagt Astrid Keller, die einmal mehr die Regie übernommen hat. Niemand aber kennt bisher die Version, die in Bottighofen entsteht. Die Romane von Giovanni Guareschi sind nicht nur Grundlage für die legendären Spielfilme, sondern auch für eine Theaterfassung von Gerold Theobald. Keller und ihr Mann Leopold Huber haben sie für die Zwecke der Zentrumbühne bearbeitet – nun sprechen die Nord-Italiener Schweizerdeutsch. Nur Jesus drückt sich im Zwiegespräch mit dem streitbaren Geistlichen hochdeutsch aus. Das ist allerdings nicht die entscheidende Änderung. «Unser Stammpublikum will nicht nur etwas zum Lachen, sondern auch Musik»., erklärt Fritz Wirz, der Produktionsleiter. «Damit aber innerhalb der 90 Minuten Spielzeit Platz für Lieder ist, mussten wir das Theaterstück auf die Hälfte kürzen», sagt die Regisseurin Keller.

Musik darf nicht fehlen
16 Sänger, die sich unter anderem aus den Chören Tägerwilen und Wyfelde rekrutieren, singen alles von Kirchenliedern über Revolutionsgesänge bis zu Liebesschnulzen. Keller und Huber haben rund dreissig Hits ausgesucht, die jeweils die richtige Stimmung setzen. Die musikalische Leitung hat einmal mehr Goran Kovacevic übernommen. Er leitet auch die vierköpfige Band mit Akkordeon, Schlagzeug, Bass und Klavier. Choreografin Sonny Walterspiel sorgt dafür, dass die Darsteller sich jeweils passend zur Musik bewegen.

Corona bestimmt die Spielregeln
Das Casting für das Stück begann lange vor der Pandemie. Vergangenen Herbst hat Keller die Schauspieler für das Stück zusammengesucht. «Ich habe mir besonders viel Mühe gegeben. Die Besetzung macht bekanntlich fünfzig Prozent des Erfolges aus – und je besser die Schauspieler passen, desto weniger Arbeit hat der Regisseur.» Die Proben begannen im Februar, wurden im Lockdown kurz unterbrochen und dann mit Einzelproben vorsichtig wieder aufgenommen. Claudia Hugentobler, die Leiterin des Chors, stellte jeweils vier Sänger aller Stimmlagen zusammen und probte mit ihnen online. Allein ihr Zeitaufwand hat sich damit vervierfacht. Trotz all der Mühen drohte eine Absage. Der Vorstand der Bühne musste hart mit sich ringen, bis er beschloss, unter allen möglichen Vorsichtsmassnahmen weiterzumachen.

Gewaltiger Aufwand
Dem Dutzend Akteure auf der Bühne steht zwei Dutzend Aktive hinter der Bühne zur Seite. Bühnenbild, Licht, Technik, Arrangements, Sponsoring, Vorverkauf: Es gibt viel zu tun. Die Produktionen der Zentrumbühne sind eigentlich professionell – ausser, dass die Beteiligten eben nicht alle bezahlt werden. «Wenn wir auf 75 Prozent Auslastung kommen, dann schreiben wir schwarze Zahlen», sagt Fritz Wirz. «Nun überlegen wir, ob die Menschen nach Theater ausgehungert sind und alle kommen, oder ob sie Angst haben und alle zuhause bleiben.»

Inka Grabowsky

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