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Bodenschätze im Seemuseum

Kreuzlingen – Eine Sonderausstellung mahnt zum verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen.

Christian Hunziker vom Seemuseum und Ulrike Kastrup von Focus Terra zeigen eines der 42 Themenmodule. (Bild: Inka Grabowsky)

Es ist die erste Ausstellung im sanierten und akustisch optimierten Gewölbekeller, wie Markus Thalmann, der Stiftungsratspräsident des Seemuseums betont: «Ich freue mich, dass der neue Museumsleiter die Ausstellung mitgestalten konnte.» Der angesprochene Christian Hunziker seinerseits freut sich, dass er die noch von seiner Vorgängerin Ursula Steinhauser geplante Wanderausstellung eröffnen konnte. «Das Thema passt gut ins Haus, auch wenn es nicht zu unseren vornehmlichen Gebieten Schifffahrt, Wasser und Fischerei gehört. Die Verknüpfung von Natur, Technik und Sozialem findet sich wieder. Das regt zum kritischen Nachdenken an. Ich hoffe, dass möglichst viele Schulklassen herkommen.» Die Schau, die 2015 von focusTerra, dem erdwissenschaftlichen Forschungs-​ und Informationszentrum der ETH, konzipierte wurde, ist nach Zürich, Zug und Schaffhausen zum vierten Mal zu sehen und hat nichts von ihrer Aktualität verloren – ganz im Gegenteil. «In der Ausstellung werden Themen diskutiert, um die es auch in der Konzernverantwortungsinitiative geht», erklärt Ulrike Kastrup, Direktorin von «focusTerra».

Auf 42 Stationen folgen Besucher zwei Gedankensträngen. Zum einen plädieren die Macher für einen Rohstoffkreislauf, bei dem auf den Abbau von Rohstoffen ihre Verarbeitung, die Herstellung von Produkten, deren Gebrauch und die Entsorgung folgen. «Landen die ausgebrauchten Produkte auf der Deponie, ist das suboptimal», sagt die Expertin. «Der Kreislauf ist unterbrochen. Besser ist es, sie zu recyceln.» Zum andern behandelt die Ausstellung die sogenannten fünf Säulen der Nachhaltigkeit. Natur, Technologie, Ökonomie, Soziologie und die Regularien der Staaten werden beleuchtet. «Das Ganze ist sehr komplex», gibt Ulrike Kastrup zu. «Mich überkam bei der Auseinandersetzung mit den Themen ein Gefühl des Überwältigt-Seins. Es gibt so viele Herausforderungen, aber wenn man ein Problem benennt, kann man es wenigstens angehen.»

Die Geologin appelliert an jeden Einzelnen zu überlegen, wie er zum sorgsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen beitragen kann. Die Share-Economy, bei der man Dinge nicht mehr allein besitzt, sondern mit anderen teilt, könnte helfen den Rohstoffbedarf zu senken, ebenso wie konsequentes Recyceln oder der Verzicht auf Konsum von Luxusgütern. Es sei bemerkenswert, dass in jedem Schweizer Haushalt inzwischen über 700 Kilo Kehricht pro Jahr anfallen. Nur in Dänemark und Norwegen wird noch mehr weggeworfen. «Immerhin war die Schweiz auch weltweit eines der ersten Länder, das 1991 begann systematisch Elektroschrott zu sammeln und wiederzuverwerten.» Die Wissenschaftlerin betont, dass es in der Ausstellung nicht darum geht, Schuldige zu suchen, sondern Zusammenhänge aufzuzeigen. Im globalen Rohstoffgeschäft, das zu rund einem Viertel in der Schweiz abgewickelt werde, müssten wir die Probleme gemeinsam lösen.

Das öffentliche Rahmenprogramm zur Ausstellung «BodenSchätzeWerte» im Seemuseum beginnt am 3. Oktober mit einer kostenlosen Führung unter dem Motto «Was steckt in meinem Handy?». Am 14. November gibt es eine Exkursion zum neuen Entsorgungszentrum. Bis Ende März 2021 wird das Programm mit Vorträgen und Ausflügen – unter anderem zum Sanierungsprojekt an der ehemaligen Mellgenten-Deponie – weitergeführt. «Ich bin erst sechs Wochen hier, insofern bin ich froh, dass wir ein ausgewogenes Rahmenprogramm zusammenstellen konnten», sagt Christian Hunziker. «Viele Menschen haben mir geholfen, die richtigen Ansprechpartner zu finden.»

Inka Grabowsky

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