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Ein turbulentes Wochenende

Kreuzlingen/Konstanz – Am vergangenen Wochenende standen Kreuzlingen und vor allem Konstanz ganz im Zeichen politischer Kundgebungen. In der Konzilstadt waren für die beiden Tage 29 Versammlungen und Demonstrationen angemeldet, darunter auch die Menschenkette der Querdenker.

Teilnehmer der Menschenkette vor der Imperia. (Bild: Sandro Zoller)

Am Samstag und Sonntag, 3. und 4. Oktober, gehörte Konstanz ganz den Demonstranten. Zum Thema Corona meldeten sich 29 Versammlungen und Demonstrationen an. Am meisten Aufsehen erregte bereits im Vorfeld die sogenannte Friedenskette, geplant von der Querdenker-Bewegung. Während ein kleiner Teil der Kundgebungen die aktuelle Politik zur Corona-Prävention und damit einhergehende Einschränkungen kritisierte, traten die meisten für Themen wie Solidarität, Verantwortung in Zeiten von Corona und den Kampf gegen Antisemitismus ein. Möglicherweise auch dem Wetter geschuldet, fiel manche Demo viel kleiner aus oder fand gar nicht statt.

Ohne Maske, dafür händchenhaltend
Bei ruhenden Demonstrationen galt die Maskenpflicht, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können. Für den Oberbürgermeister Uli Burchhardt war auch das Thema Gesundheit sehr zentral: «Wir verlangen die strikte Einhaltung unserer Auflagen. Die Polizei hat uns zugesichert, auf diese streng zu achten und sie auch durchzusetzen.»

Auf einer von Querdenkern betriebenen Webseite war es möglich, sich in diversen Sektoren rund um Konstanz, und dem Seeufer entlang bis zum Vorarlberg einzutragen. Das Ziel: Ein Weltrekord.

Vereinzelte Personen hielten am Samstagnachmittag mit Schaals, Peace-Flaggen, Tücher und Seilen den Abstand von 1.5 Metern ein. Die meisten nahmen sich aber direkt bei den Händen. Maskentragende waren gänzlich in der Unterzahl. Im Schatten der Imperia erfolgte von Klein Venedig bis zum Strandbad Horn ein «Kettenschluss» mit rund 1200 Teilnehmern. Dessen Abschlusskundgebung war mit 4500 Personen angemeldet und mit 500 «Querdenkern» nur schwach besucht. Der Veranstalter löste sie deshalb frühzeitig auf.

Zum leichten Umgang mit den Regeln, seitens der Querdenker, sagt Uwe Vincon, Leiter Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Konstanz: «Gemäss den Auflagen des Bürgeramts der Stadt, für die Kundgebungen, war die Kette von der Maskentragepflicht befreit. Das Halten mit den Händen wurde von den Auflagen nicht erfasst.»

Gegenpol auf Kreuzlinger Seite
Auf Klein Venedig organisierte die SP Kreuzlingen die Kundgebung «Meinungsfreiheit – Ja – Rechtsradikale tolerieren und Gesundheitsschutz ignorieren – Nein!». In ihrer Rede gingen Charis Kuntzemüller-Dimitrakoudis, Präsidentin, und Elina Müller, Vizepräsidentin, auf die aktuelle Lage ein und zeigten Verständnis für diejenigen, die sich durch die Corona-Massnahmen eingeschränkt fühlen. Auch zeigten sie Mitgefühl für bedrohte Existenzen. Sie sagten aber auch, dass nur besonnene und demokratische Entscheidungen getroffen werden können, wenn die Pandemie im Griff ist.

«Selbstverständlich dürfen die staatlichen Corona-Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie kontrovers diskutiert werden. Diese treffen viele hart.», sagt Kuntzemüller-Dimitrakoudis. Sie verurteile aber jegliche extremistischen Gruppierungen, die sich die Pandemie zunutze machen und mit den Querdenkern mitmarschieren.

Die Kantonspolizei Thurgau teilte mit, dass zwischen Kreuzlingen und Romanshorn einige hundert Personen dem Aufruf zur Bildung der Friedenskette folgten. Sie zieht eine positive Bilanz.

Mit Fake-Anmeldungen für Lücken gesorgt
«Per Zufall lauschte ich in einem Lokal einem Gespräch von Querdenkern. Was und wie sie es sagten, gefiel mir nicht», sagt Oliver (Name der Redaktion bekannt) aus Kreuzlingen. Über einen Link auf einer Webseite konnte er den Chat einer Querdenkgergruppe im Textnachrichtendienst Telegram verfolgen und erfuhr von der geplanten Menschenkette. Dagegen wollte er nun etwas unternehmen.

Zusammen mit zehn Freunden meldete er sich wiederholt auf dessen Webseite an: «Die Seite wollte nur bestätigt haben, dass ich kein Roboter bin. Nachdem ich meine IP-Adresse verschleiert habe, trug ich 400 vermeintliche Teilnehmer ein.» Er vermute, dass seine Freunde und er auf rund 1000 Fake-Teilnehmer gekommen sind. «Die Seestrasse in Konstanz hätte gemäss der Internetseite zu 100 Prozent mit Personen bestückt sein müssen. Ich war aber vor Ort und sie war zu dieser Zeit leer», sagt Oliver. Sein Vorbild für diese Aktion? Eine Kampagne in sozialen Netzwerken, die US-Amerikaner dazu aufrief, Tickets für einen Wahlkampfauftritt von Donald Trump zu reservieren und nicht hinzugehen. «Ich bin kein klassischer politischer Aktivist. Habe ich aber die Möglichkeit wieder etwas Vergleichbares durchzuziehen – warum nicht.»

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