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Manege frei

Kreuzlingen – Im Ferien-Zirkuskurs der Rudolf Steiner Schule lernen Kinder Tricks, Teamgeist und Geschicklichkeit.

Die menschliche Pyramide steht schon. Die Zirkuspädagogen Jakob und Clotilde Surbeck sichern sie ab. (Bild: Inka Grabowsky)

In der Turnhalle am Schulhaus Wehrli ist trotz der Herbstferien einiges los. 19 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren hängen in den Seilen, balancieren auf Tonnen oder sausen mit dem Einrad über den Boden. Jakob Surbeck und seine Frau Clotilde Pichonnaz Surbeck haben gemeinsam mit der Steinerschule wieder ihren Circus Badabum-Ferienkurs organisiert. «Ich bin selbst hier zur Schule gegangen», sagt der Zirkus-Pädagoge aus Meikirch. «Vor etwa zehn Jahren habe ich das erste Mal angefragt, ob Interesse an meinem Zirkus-Projekt besteht. Seitdem komme ich jedes Jahr.» Das geht auch seinen Kursteilnehmern so: Einige kommen immer wieder. Dieses Mal kennt Surbeck rund die Hälfte. Der junge Akrobat, der gekonnt Devil Sticks und das Diabolo durch die Luft sausen lässt, hat bereits ein Jahr geübt. Am Vertikaltuch hängt eine neunjährige Turnerin, die sich 2019 noch mit einer lustigen Ringwurf-Nummer begnügt hatte. «Ich wollte mal was Spektakuläres machen», sagt sie. «Und in der Luft fühlt man sich so frei, als würde man fliegen.» Das werden Trapezkünstler direkt neben ihr nachfühlen können. Die Wehrli-Turnhalle bietet eine perfekte Infrastruktur.

Die Kinder dürfen selbst aussuchen, welche Disziplin sie ausprobieren wollen. Surbecks stellen zu Beginn des Kurses alle Möglichkeiten vor: Von Jonglieren über Leiterakrobatik bis zum Seilspringen ist fast alles dabei, was man aus dem Zirkus kennt. «Spass an der Sache ist die einzige Voraussetzung. Geschicklichkeit kann man lernen. Die Kinder sollen eigene Grenzen kennenlernen und sie verschieben», so Surbeck. Naturgemäss haben Kinder, die gerne turnen, mehr vom Programm als Bewegungsmuffel. «Aber es gibt immer noch die Clownerien, die Zauberkünstler oder den Direktor, der alles moderiert. Jedes Kind findet seinen Platz. Das ist das Schöne beim Zirkus.» Sich als Gruppe zusammenzufinden, ist eines der Ziele. Zum Kennenlernen gibt es Übungen, Spiele und das Aufwärmen. Dann sammeln sich die Schüler und Schülerinnen je nach Gerät oder Aufgabe. «Viele Kinder bringen Inspirationen und Vorstellungen mit. Wir haben das Material und unterstützen sie dann. Manchmal können wir sie einfach machen lassen, wenn sie ihre eigenen Fantasien umsetzen.» Anderes wird angeleitet. Während sich 13 Kinder bei der freien Arbeit auf ihre Lieblings-Nummern konzentrieren, tun sich sechs Mädchen zusammen, um zu lernen, wie man eine menschliche Pyramide baut. Jakob und Clotilde sichern die Akrobaten ab.

Ein Zirkus lebt für das Publikum. Das ist auch beim Ferienkurs so. Nach fünf Tagen Training präsentieren die Kinder ihren Eltern oder Grosseltern, was sie erarbeitet haben. «Die Vorstellung gibt ein Ziel, auf das man gemeinsam hinarbeiten kann», so der Profi. «Man könnte die Zirkuswoche auch für sich alleine machen, aber durch Applaus, Musik und Licht belohnt man sich mit guter Stimmung.» Damit das Programm rund wird, studieren alle Teilnehmer gemeinsam Musik-Einlagen ein. Die Bewegungsschauspielerin Clotilde Pichonnaz Surbeck begleitet sie auf dem Akkordeon. Die einzelnen Kunststücke werden zu gemeinsamen Nummern zusammengefügt. Die Show sei aber nie perfekt, sondern immer improvisiert, denn sie entstehe nach den Wünschen der Kinder, meint der Projektleiter. Die Abschluss-Vorstellung ist nicht öffentlich – und nicht nur wegen der Corona-Regeln. «Wir geben nicht vor, welche Nummern es geben muss. Wenn zehn Kinder Seilakrobatik machen wollen, mag das für normale Zuschauer langweilig sein, für Verwandte ist es das nicht. Deshalb gibt es auch keinen Frust.»

Inka Grabowsky

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