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Fischer fordern Verbot

Region – Im Überlingersee plant die Genossenschaft «Bodensee Regio Fisch» weiterhin an einer Fischzuchtanlage für Felchen. Mit einem Bootskorso zeigten vergangenen Samstag Fischer, Böötler und Umweltschützer ihre Ablehnung gegen die Pläne.

Alfredo Sanfilippo kämpft an vorderster Front gegen die Netzgehege. (Bild: Emil Keller)

Die Bodenseefischer schwimmen gegen den Strom. Wo in anderen Ländern wie Finnland oder Norwegen Aquakulturen als neue Ertragsquellen für Fisch erschlossen werden, wehren sich Nutzer des Bodensees vehement gegen eine solche Industrialisierung ihres Gewässers. Seitdem der erste Antrag für eine Fischzucht 2018 auf den Tisch des Landratsamt Konstanz landete, hat eine Koalition aus Berufsfischern, Sportanglern, Motorbootenthusiasten und Umweltschützer diesen von Anfang an den Kampf angesagt. Mit einem Bootskorso unterstrichen sie nun erneut ihre Forderung, Netzgehege im Bodensee für die Fischzucht eindeutig zu verbieten. Zwar lassen die Richtlinien der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee solche Anlagen im Bodensee nicht zu. Eine solch eindeutige Ablehnung wünschen sich die Bodenseefischer aber auch von der Politik. Denn vom baden-württembergischen Agrarminister waren in der Vergangenheit angesichts der rückläufigen Fangerträge aus dem Bodensee schon positive Töne zu Aquakulturen zu hören gewesen. Der Landes- und Vereinsübergreifende Zusammenschluss fordert nun ein klares Verbot seitens der Politik, damit die Idee von einer Fischmast im Bodensee ein für alle Mal versenkt wird.

Keine Massentierhaltung gewünscht
Vom Kreuzlinger Hafen aus machten sich deshalb vergangenen Samstag in einem lautstarken Protestzug rund 75 Boote auf zum Konstanzer Trichter. Die Gründe für ihre ablehnende Haltung sind zahlreich, waren mit Transparenten an den Booten angebracht und wurden mit Signalhörnern unterstrichen. Die Berufsfischer fürchten um den Marktpreis ihrer Fänge, wenn plötzlich tonnenweise Felchen aus Bodenseezucht den Markt überschwemmen. Sportangler wehren sich gegen die nicht artgerechte Haltung der für die Zucht vorgesehenen Sandfelchen. Diese leben eigentlich in Bodennähe. In den 30 Meter tiefen Netzgehen wären sie gezwungen, dauernd in dichtem Schwarm im Kreis zu schwimmen, anstatt ihre Nahrung in kleinen Gruppen am Gewässergrund zu suchen. Motorbootfahrer stellen sich quer gegen weitere Beeinträchtigungen der Schifffahrt und des Tourismus. Und Umweltschützer fürchten um das sensible Ökosystem des Bodensees, wenn plötzlich an einem Punkt konzentriert Fischfutter, Kot und Urin ins Wasser gelangen.

An vorderster Front bekämpft auch Alfredo Sanfilippo die Netzgehege-Anlagen. Der Präsident des Sportfischervereins Kreuzlingen und der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Bodensee-Sportfischer fürchtet er um die Gesundheit aller Fische im Bodensee: «Durch die enge Haltung der Sandfelchen in Netzgehegen können gefährliche Fischkrankheiten ausbrechen», ist Sanfilippo überzeugt. Einmal ausgebrochen, würden sich Parasiten und Seuchen durch die Strömung im ganzen See verteilen. «Am Ende fliesst alles Wasser den Rhein hinab.» Zudem könnten Zuchtfische, welche speziell für die Haltung und Schlachtung domestiziert wurden, aus den Mastanlagen entkommen und sich mit Wildfelchen kreuzen – mit negativen Auswirkungen für die Genetik der Wildtiere. Sollte Baden-Württemberg im Überlingersee wirklich eine Fischmast-Anlage bewilligen, befürchtet der Sportfischer auch in anderen Abschnitten des Sees Nachahmer. Dabei hat Sanfilippo nicht per se etwas gegen Fischzuchtanlagen. Nur könnten diese auch mit entsprechenden Wasseraufbereitungsanlagen und lokal abgegrenzt auf dem Festland installiert werden. «Sonst setzen wir unseren Trinkwasserspeicher für die gesamte Region aufs Spiel.» 

Emil Keller

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