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Solarpreis für das Mesmerhaus

Ermatingen – Der Ermatinger Architekt Peter Dransfeld freut sich über die elfte Auszeichnung von der Solar Agentur Schweiz für sein Büro

Wieder eine Auszeichnung: Für das Mesmerhaus erhielt Peter Dransfeld den Solarpreis. (Bild: Inka Grabowsky)

Vor sechs Jahren hatte Peter Dransfeld das Mesmerhaus gegenüber der Kirche gekauft. Dass er das 400 Jahre alte Gebäude mit Anbauten aus späteren Jahrhunderten würde sanieren müssen, war klar. «Damals war nicht zu erwarten, dass es eine Beiz oder ein Null-Energiehaus geben würde». Anfang Jahr konnten die isolierten und energiesparend ausgestatteten Wohnungen bezogen werden. In dem Haus stecken unzählige Arbeitsstunden – auch wenn es äusserlich nicht verändert aussieht. Das sei das Besondere am Projekt. Die dransfeldarchitekten AG habe bewiesen, dass ein historisches Gebäude die Solarenergie unter Wahrung der Auflagen gut nutzen könne, heisst es von der Jury des Schweizer Solarpreises.

«Uns stand für eine Solaranlage nur eine kleine Fläche zur Verfügung, weil das Dach des Mesmerhauses nicht mit Solarzellen bestückt werden sollte», so Dransfeld. «Deshalb gibt es den Anbau quasi als Kraftwerk für das Gesamtgebäude. Da waren Verhandlungen mit der Denkmalpflege und mit der Gemeinde nötig.» Flachdächer wie auf dem Anbau sind zum Beispiel nicht zonenkonform. Es brauchte eine Aufnahmebewilligung, für die der Bauherr eine gute Begründung anbringen musste. «Die Gemeinde hat uns mit konstruktivem Dialog unterstützt, aber man hat uns nichts geschenkt. Es war ein guter Prozess, kein Spaziergang.»

Spezielle Kombinationen
Der Energieertrag auf dem modernen Gebäudeteil sollte hoch sein. Deshalb gibt es nicht nur eine herkömmliche Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, sondern zusätzlich eine Fassade, die Strom und warmes Wasser produziert. Eine Erdsonden-Wärmepumpe direkt unter dem Haus fördert aus 255 Metern Tiefe warmes Wasser an die Oberfläche und schickt abgekühltes Wasser wieder nach unten. Auf diese Weise produziert das Haus genau soviel Energie wie die Bewohner im Jahr für Heizung und Warmwasser brauchen. «Das Neue hier ist nicht ein spezielles Produkt, sondern die kluge Kombination von auf dem Markt erhältlichen Elementen. So eine matte solarthermische Fassade beispielsweise kann man nicht kaufen, sie ist konfektioniert für dieses Haus».

Lokales Gewerbe beschäftigt
Das Mesmerhaus sei ein Gemeinschaftswerk, zu dem viele Menschen beigetragen hätten, betont Dransfeld. «Als Bauherr und Architekt habe ich die Ziele vorgegeben. Die Optik, die Grösse und der Ertrag waren spezielle Anforderungen, aber ohne die Ideen des Energieingenieurs, ohne die Kompetenz und das Engagement der rund hundert beteiligten Handwerker wäre es nicht gelungen». Teamarbeit und Pragmatismus seien die Basis für den Erfolg. «Jeder brachte Ideen mit. Uns stellten sich einige unerwartete Aufgaben – wie immer bei einem über 400 Jahre alten Haus. Einmal ist eine Mauer halb zusammengebrochen. Da sind wir wirklich ins Schwitzen geraten».

Zwei Drittel der beteiligten Unternehmen kamen aus der Region. Lob gibt es dafür von Uli Mack, dem Präsidenten des Gewerbevereins Ermatingen. «Handwerker müssen eben nicht nur billig sein, sondern vor allem kompetent. Und die Ermatinger sind das zu fairen Preisen». Amortisieren werde sich das Projekt wohl trotzdem nie, meint Peter Dransfeld. «Die Mehrkosten waren sehr hoch, und Energie ist immer noch sehr billig». Immerhin habe sich theoretisch der Wiederverkaufswert erhöht. Ausserdem ist das preisgekrönte Mesmerhaus für das Architekturbüro naturgemäss ein ideales Anschauungsobjekt für diejenigen Kunden, die ebenfalls mit erneuerbaren Energien bauen wollen.

Inka Grabowsky

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