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«Ein Allesfresser»

Tägerwilen – Nach jahrelanger Planung verschiedenster Projekte, dem langen Weg bis zur Bewilligung und dem Spatenstich ist es soweit: Die Tägerwiler Biogasanlage speist ein.

Endlich Biogas für Kreuzlingen. Karl-Heinz Restle, Betriebsleiter Marco Pelladoni, Markus Thalmann und Roland Haerle (von links) freuen sich. (Bild: Kurt Peter)

« 2007 erhielt der Gemeinderat von der Gemeindeversammlung den Auftrag, den Bau einer Biogasanlage zu prüfen», erinnerte sich Markus Thalmmann anlässlich einer Medienorientierung bei der Anlage. Der Tägerwiler Gemeindepräsident zeigte sich froh, dass «ich diese Pendenz in der Amtszeit erledigen konnte». Denn es ist eine lange Geschichte mit gescheiterten Projekten und Einsprachen. Die nun bestehende Anlage geht auf das Projekt von Karl-Heinz Restle zurück, der dieses 2012 der Gemeinde präsentiert hatte.

Anlage mit Ausstrahlung
«Im Mai 2014 bewilligte die Gemeindeversammlung einen Baurechtsvertrag», sagte Thalmann. Gegen das Baugesuch seien Einsprachen eingegangen, der Kanton habe zwei davon im Mai 2016 abgelehnt, ein Einsprecher sei an das Verwaltungsgericht gelangt. «Schliesslich wurde sie aber zurückgezogen und dem Baubeginn stand nichts mehr im Weg». Am 27. Februar 2019 fand der Spatenstich statt, seit einigen Tagen wird Biogas ins Kreuzlinger Netz eingespeist. «Mir gibt es zu denken, dass alle von der Energiestrategie 2050 reden, die Umsetzung vor Ort dann aber bekämpft wird», meinte der Gemeindepräsident.

Tatsächlich dauerten die Veränderungen bei den erneuerbaren Energien zu lange, meinte auch Karl-Heinz Restle von der Firma Renergon International und der Bioenergie Tägerwilen AG. Für die Renergon International habe die Anlage eine grosse Bedeutung. Sie sei inzwischen ein Punkt mit internationaler Ausstrahlung. Denn sie könne, wofür andere Anlagen nicht geeignet seien: «Die Verwertung von Grüngut, das in Biogas umgewandelt wird und die Produktion von Wertstoff in Form von Kompost».

Normale Anlaufprobleme
Den Standort dirket bei der Kompostieranlage bezeichnete Restle als ideal. 6000 Tonnen Grüngut aus den umliegenden Gemeinden würden zu Kompost verarbeitet. Mit der Biogasanlage könnten erstmals Landschaftspflegematerial, Rüstabfälle sowie Abfälle aus der Landwirtschaft und der Tierzucht verarbeitet werden. «Die Anlage ist ein Allesfresser», meinte er. Neben der Produktion von Biogas gebe die Möglichkeit zur Herstellung von hochwertigem Kompost für Hobby- und Landschaftsgärtner.

Noch habe die Anlage die normalen Anlaufprobleme. Das Ziel, bis zu 15 Prozent des Kreuzlinger Biogasbedarfs zu decken sei noch nicht erreicht, sagte Restle. Für Roland Haerle, Leiter Energiemarkt der Technischen Betriebe Kreuzlingen, «entspricht das Produkt einem Bedürfnis und es passt in unser Angebot». Das Gas werde beim Gut Hochstrass eingespeist. «Bis es soweit war ging es länger als erwartet, aber wir sind unserem Bestreben, im Energiebereich erneuerbarer zu werden, näher gekommen».

Kurt Peter

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