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Förderung der Fischfauna

Gottlieben – Fische brauchen nicht nur Wasser, sondern einen strukturreichen Lebensraum – zur Förderung der Fischfauna wurde im Seerhein ein Pilotprojekt gestartet.

Eine Totoholzburg unter Wasser. (Bild: zvg)

Im Seerhein bei Gottlieben ist ein Pilotprojekt zur Förderung kieslaichender Fischarten realisiert worden. Auf einer Fläche von 1000 Quadratmeter wurde eine komplexe Habitatmatrix geschaffen. 300 Kubikmeter Kies bieten verschiedenen Fischarten, wie zum Beispiel der stark gefährdeten Äsche neue Fortpflanzungshabitate. Totholzburgen schützen sowohl adulte als auch juvenile Individuen vor Fressfeinden.

Die Hitzesommer 2003 und 2018 hatten einen dramatischen Verlust der Äschenpopulation im Hochrhein zur Folge. Es wird von einem Rückgang von um die 90 Prozent des Bestandes ausgegangen. Umso dramatischer sind diese Zahlen, da die Hochrheinäschenpopulation in Europa als eine der wertvollsten Population überhaupt gilt. Kiesbänke, unterschiedliche, nah beieinanderliegende Wassertiefen, klares Wasser und Futtereinträge durch den See repräsentieren idealen Lebensraum. Historisch war neben dem Rhein oberhalb Schaffhausen auch der Seerhein zwischen Konstanz und Gottlieben ein geeigneter Lebensraum für diese Fischart. Da man jedoch auch hier über die letzten Jahrzehnte einen drastischen Rückgang des Äschenbestandes verzeichnete, wurde durch die Jagd- und Fischereiverwaltung ein mögliches Förderprogramm geprüft und diesen Spätherbst im Rahmen eines ersten Pilotprojekts umgesetzt. Das Projekt fokussiert auf der Äsche, stellt aber auch anderen Arten Laichhabitat und allgemein Lebensraum zur Verfügung.

Die ausgewählte Fläche liegt westlich von Gottlieben beim Chöpfli und weist ideale Strömungsverhältnisse, Untergrund und Wassertiefen auf. Auf einer Fläche von 1000 Quadratmeter wurden mit einem Ponton und einem Schreitbagger circa 300 Kubikmeter Kies verteilt und insgesamt fünf voluminöse Totholzburgen im Sediment verankert. Die Totholzburgen weisen bewusst unterschiedliche Grössen auf und wurden aus verschiedenartigen Holzmaterialen gebaut. Verwendet wurden Teile von Baumkronen sowie kleine und grosse Wurzelstöcke von verschiedenen Baum- und Straucharten, welche mit Holzpfählen tief in das Sediment verankert wurden.

Das Pilotprojekt wird durch ein Ökobüro mit einer Erfolgskontrolle begleitet. Der vorgängig erfasste Vorzustand wird mit demjenigen in zwei Jahren verglichen. Es wird beurteilt, ob die kieslaichenden Fischarten und insbesondere die Äsche diese Kiesfläche für ihre Fortpflanzung annehmen und ob die Totholzstrukturen als Lebensraum und Versteckmöglichkeiten, insbesondere gegen Prädation durch Kormoran, Gänsesäger unter anderem funktionieren. Bei Erfolg beabsichtigt die Jagd- und Fischereiverwaltung die gewonnenen Erkenntnisse auf weitere, nahe gelegene Flächen im Seerhein auszuweiten.

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