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Den Anschluss verpasst

Region – Der Verein Initiative Bodensee-S-Bahn setzt sich seit 16 Jahren für eine bessere Vernetzung der Region ein. Eines ihrer Anliegen ist der Bau einer Bahnlinie entlang der A7, welche die Fahrzeit zwischen Kreuzlingen und Frauenfeld fast halbieren würde.

(v.l.) Paul Stopper, Wolfgang Schreier und Ralf Derwing. (Bild: Sandro Zoller)

«Wir haben weder Wähler im Hintergrund noch müssen wir uns um die Verteilung der Steuergelder kümmern. Deshalb können wir ohne Probleme an die Öffentlichkeit gehen und unsere Ansichten und Vorschläge kundtun», sagt Ralf Derwing, Co-Präsident des Vereins «Initiative Bodensee-S-Bahn» (IBSB).» «Ja, wir können Politikern einfach eine Mail senden und müssen keinen internen politischen Zwist befürchten», fügt Präsident Wolfgang Schreier schmunzelnd an. Den Verein gibt es mittlerweile seit 16 Jahren und ihre Arbeit ist rein ehrenamtlich und unabhängig von Behörden, Parteien, Verbänden und Wirtschaft.

Der Thurgau ist abgeschnitten
Im Kanton Thurgau wird seit Jahrzehnten ein harter Konkurrenzkampf zwischen der Strasse und der Schiene ausgefochten. Trotz starkem Wiederstand der Bevölkerung setzten sich die kantonalen Behörden für die Nationalstrasse A7 ein. Die Schiene zog deshalb immer wieder den Kürzeren. Das Potenzial auf den Hauptachsen Winterthur – Konstanz und Konstanz – St.Gallen/Rorschach könne wegen zu kleiner Kapazität der einspurigen Bahnlinie und zu langer Fahrzeit der Schnellzüge nicht voll ausgeschöpft werden. «Während Politiker nicht angeschossen werden wollen, ist das Thema Bahn für viele Personen zu komplex, um wirklich mitreden zu können», zählt Paul Stopper als weitere Gründe auf. Der ehemalige Verkehrsplaner der Stadt Zürich findet auch, dass der Pionierkanton Thurgau sich schon zu lange auf seinen Lorbeeren ausruht. Ohne die einstige Mittelthurgaubahn gäbe es viele Errungenschaften und Verbesserungen nicht. Dessen «System» werde gerne als Vorbild genommen. Aber nun müsse darauf aufgebaut werden.

Direkte Strecke nach Frauenfeld
Mit einer direkten Bahnlinie entlang der A7 Richtung Frauenfeld, sowie einem Tunnel nach Tägerwilen, könnte die Fahrzeit der Schnellzüge um fast 20 Minuten verkürzt werden. Die aktuelle Zeit von 31 Minuten nach Frauenfeld würde sich etwa halbieren. «Für Pendler zwischen den Städten ist dies sicher der Hauptgrund für den Bau einer solchen Strecke. Dennoch ist die verringerte Fahrzeit nur einer der Vorteile», erklärt Stopper. Zwischen den Agglomerationen Zürich, Winterthur und Frauenfeld, sowie der wachsenden Agglomeration Kreuzlingen/Konstanz leben 100’000 Einwohner und es herrscht ein grosser Einkaufs- und Tourismusverkehr. Viele aktive und potenzielle Zugfahrer könnten dadurch von neuen regionalen Erschliessungen profitieren. Dazu würden auch direktere Verbindungen und ein erhöhter Takt des Fahrplans gehören.

Bähnlernation Schweiz
Gemäss dem deutschen Umweltbundesamt können im Durchschnitt pro Stunde auf einem 3,5 Meter breiten Verkehrsweg mit Autos 2000 Personen befördert werden. Mit Linienbussen sind es 9000, auf Fahrrädern 14’000, mit der Strassenbahn 22’000 und mit dem Zug sage und schreibe 100’000 Personen.

Auch wenn in der Schweiz eine gewisse Bähnlerkultur besteht, kann sie die Spitzenposition, betreffend staatlicher Infrastruktur-Investitionen, nicht für sich beanspruchen. Gemäss Allianz «pro Schiene» liegt die Eidgenossenschaft mit 53.3 Prozent hinter Luxemburg mit 61.4 und Österreich mit 65.5 Prozent. «Nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz wird das Netz leider nur auf Hauptstädte ausgerichtet. Viele Pendler müssen deshalb Umwege über die nächste Hauptstadt in Kauf nehmen. Dabei würde eine Verbindung zwischen wichtigen regionalen Orten genug Fahrgäste umfassen», sagt Stopper. Damit spricht er die von der IBSB vorgeschlagene Direktverbindung Konstanz – Wil – Uznach – Ziegelbrücke – Glarus an.

Ein Ziel sei nun, Gespräche mit dem Thurgauer Regierungsrat führen zu können.

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One thought on “Den Anschluss verpasst

  1. Bruno Neidhart

    Und wie wäre es, wenn der „Voralpen-Express“ von Luzern nach St. Gallen (und umgekehrt) bereits in Konstanz/Kreuzlingen Hafen starten/ankommen würde? Vom Bodensee nach dem Vierwaldstättersee – und umgekehrt!
    Nur mal so in den Raum gestellt…….

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