/// Rubrik: Stadtleben

Stadtrat ist gefordert

Kreuzlingen – In einem offenen Brief an den Stadtrat fordern die Gemeinderäte Andreas Hebeisen und Christian Brändli «von der Bankrotterklärung wegzukommen und Massnahmen zur Unterstützung von Kultur, Sport und Gewerbe zu ergreifen.

Der offene Brief verlangt Massnahmen zur Unterstützung der Vereine und deren Jugendförderung sowie des Gewerbes. Bild: FC Kreuzlingen

Die zweite Welle von Covid-19 falle bedeutend stärker aus als erwartet. Nicht alle, aber zahlreiche betriebe und Institutionen in Wirtschaft, Kultur und Sport seien zunehmend starke, teilweise sogar existenzgefährdend betroffen. Die auf Bundes- und Kantonsebene erbrachten Unterstützungsmassnahmen könnten dabei bei Weitem nicht in allen Fällen ausreichende Hilfe bieten. In diesem Zusammenhang sei auch die Stadt Kreuzlingen gefordert: «Es geht um nichts weniger als um den Fortsbestand von Angeboten im kulturellen und sportlichen Bereich und um den Erhalt von Arbeitsplätzen in Kreuzlingen», schreiben Christian Brändli und Andreas Hebeisen.

«Die Beantwortung der schriftlichen Anfrage zu den Folgen der Covid-19 Krise für die Kreuzlinger Vereine anlässlich der Gemeinderatssitzung vom 10. Dezember ist mehr als ernüchternd ausgefallen», heisst in ihrem offenen Brief an den Stadtrat. Die Frage der Entschädigung finanzieller Einbussen an Vereine, die geplante und vorbereitete Anlässe nicht hätten durchführen können sei ebenso verneint worden wie die Frage einer zusätzlichen Unterstützung mit einer einmaligen Erhöhung der Jugendförderbeiträge.

Nicht weiterführende Anmerkung

«Die Frage, welche weiteren Massnahmen zur zusätzlichen Unterstützung der Vereine in dieser schwierigen Zeit vorgesehen seien, wurde nicht konkret beantwortet», heiss es weiter. Die Feststellung des Stadtrates, die Auswirkungen würden «in den Kreuzlinger Vereinsstrukturen zu Veränderungen führen» sei einer eigentlichen Kapitulation gleichzusetzen. Ehrlich, aber nicht weiterführend, sei auch die Anmerkung des Stadtrates in seiner Antwort: «Machtlos und teilweise ohnmächtig stehen wir der Pandemie gegenüber».

Christian Brändli spricht in diesem Zusammenhang von einer «Bankrotterklärung des Stadtrates und ich hoffe, dass er davon wegkommt». Es müsse ein Ruck durch den Stadtrat gehen. Es sei ihnen bewusst, dass die Handlungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene beschränkt seien, heisst es im offenen Brief. «Dass solche aber durchaus bestehen, zeigt ein Beispiel der Stadt Frauenfeld». Dort sei ein Fonds «zur Minderung der negativen Auswirkungen von Covid-19 auf die örtliche Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben der Stadt» geschaffen worden. Dotiert mit 1,26 Millionen Franken.

Massnahmen schnell umsetzen

Der Frauenfelder Fonds diene der Bewältigung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Corona-Krise mittels Finanzierung zukunftsweisender Projekte aus Wirtschaft und Gesellschaft. «In Frauenfeld werden Härtefälle unterstützt, die weder vom Bund noch vom Kanton finanzielle Hilfe bekommen. Nicht nur Vereine, auch das lokale Gewerbe wird dabei unterstützt». Das sei ein guter Ansatz, den Kreuzlingen ebenfalls umsetzen könnte, meint Christian Brändli. Eine solche Massnahme liege aber auch in der Hand des Präsidiums, macht er klar.

«Auch wenn die Situation alles andere als einfach ist, fordern wir den Stadtrat dringend auf, sämtliche mögliche Massnahmen zur Milderung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu prüfen und schnellstmöglich umzusetzen», schreiben die beiden Gemeinderäte. Im Vordergrund stehe die wirksame Unterstützung von Organisationen und Institutionen in der Stadt, deren Fortbestand davon abhänge.» Dies sei in der heitigen Zeit beosnders wichtig, weil zudem das bewährte Sponsoring-System zusammenbreche, sagt Brändli. Wenn es der heimischen Writschaft nicht gut gehe sei auch kein Geld für die Unterstützung von Kultur und Sport vorhanden. «Von einem Vorgehen über einen parlamentarischen Vorstoss sehen wir ab, weil dies absehbar zu lange dauern würde. Der Stadtrat ist gefordert – jetzt und sofort», heisst es abschliessend.

Helfen, wo es dringend ist

«Sport und Kultur übernehmen in unserer Gesellschaft eine wichtige, grosse soziale Funktion, insbesondere, wenn diese auch noch den Jugendsport oder Jugendausbildung betreiben», nimmt Atilla Wohlrab als Präsident des Kreuzlinger Arbeitgeberverbandes Stellung. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte könne eine punktuelle Unterstützung absolut Sinn machen. Aber nur dann, wenn Vereine tatsächlich in ihrer Existenz bedroht seien. «Also wenn keine Reserven mehr da sind und wenn finanzielle Mittel benötigt werden, um weiter bestehen zu können».

«Eine Verteilung von Steuergelder nach dem Giesskanneprinzip befürworte ich nie, es sind immer hart verdiente Steuergelder, die auch in Krisenzeiten umsichtig eingesetzt werden müssen», erklärt Attila Wohlrab. Die vom Kreuzlinger Stadtrat erwähnte «veränderte Vereinsstruktur» werde unabhängig der finanziellen Unterstützung nach der Pandemie wohl sowieso eintreten. «Ähnlich wird es wohl auch in der Wirtschaft und Politik zukünftig veränderte Strukturen geben», hält Attila Wohlrab abschliessend fest.

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One thought on “Stadtrat ist gefordert

  1. Boris Kerzenmacher

    Die breite Masse der Bevölkerung sieht die Massnahmen ein. Und da man man von den „Querdenkern“ immer wieder die gleiche Litanei mit der Evidenz hört, dann sieht man, dass sie und Ihresgleichen nach wie vor keine Vorschläge mit Sinn und Verstand unterbreiten können bei diesem wichtigen Thema.

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