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Skepsis beim Initiativkomitee

Kreuzlingen – Das Initiativkomitee Freie Festwiese äussert sich skeptisch zur Schlussfolgerung der Stadt betreffend Gutachten der Eidgenössichen Kommission für Denkmalpflege. Die vorgeschlagenen Änderungen bedeuteten Mehrkosten.

Das Initiativkomitee Freie Festwiese sieht Mehrkosten für das Stadthaus-Projekt. (Bild: Mario Gaccioli)

Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) äussert sich in ihrem Bericht differenziert zum Stadthausprojekt «Schlussstein». Grundsätzlich hält sie eine Baute auf dem Bärenplatz für möglich. Aber sie nennt mehrere wichtige Vorbehalte gegen das Projekt: die geringe Aufenthaltsqualität auf der Festwiese, den in Bedrängnis geratenden Friedhof, die Lage der Tiefgarage, die beeinträchtigten Sichtbeziehungen, die Zäsur durch die wuchtige Substruktion und die Passerelle. Bemängelt werden ferner die Gestaltung des Laubengangs, der Verlust der Baumallee und die technischen Aufbauten auf der Festwiese. Eine Versetzung und Absenkung der Tiefgarage und des gesamten Gebäudes wäre vorteilhaft.

Der Stadtrat kann diese Einwände nicht ignorieren, nachdem er die EKD um eine Stellungnahme gebeten hat.  Falls er am «Schlussstein» festhält, muss er die erwähnten Nachbesserungen ernst nehmen und liefern. Sonst würde er erneut die Bedingungen der Denkmalpflege missachten. Diese Änderungen bedeuten Mehraufwand, führen zu Mehrkosten und wohl zu einem Nachtragskredit. Die Diskrepanz zum Projekt von 2016 wäre erheblich.

Damit entpuppt sich die scheinbare Zustimmung der EKD für den Stadtrat als zusätzlicher Stolperstein. Der Hindernislauf geht weiter, neue Hürden kommen dazu. Keines der Probleme ist gelöst, im Gegenteil. Über dem Projekt schwebt bekanntlich auch das Urteil des Verwaltungsgerichts: nicht bewilligungsfähig! Kreuzlingen steckt mit dem Projekt «Schlussstein» auf einem steinigen Weg fest.

Eine umsichtige Planung vor der Abstimmung von 2016 hätte diese Schwierigkeiten im Voraus verhindern können. Die Initiative will eine verschönerte freie Festwiese ohne Stadthaus. Das Volk soll das letzte Wort haben, nicht Kommissionen und Gerichte. Ein Ja zur Initiative gibt dem Stadtrat den Auftrag, die räumlichen Verbesserungen auf andere und kostengünstigere Art zu lösen. Sie öffnet den Weg zu sinnvollen Alternativen, die wir uns leisten können.

Initiativkomitee Freie Festwiese

 

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2 thoughts on “Skepsis beim Initiativkomitee

  1. Bruno Neidhart

    Es ist eine gute Erzählung, wie hier das Initiativkomitee Freie Festwiese auf die Antwort einer auswärtigen Kommission für Denkmalpflege reagiert. Wiedermal werden die offensichtlichen Projektfehler markant. Ein Verwaltungsgericht hat dieses Projekt (seine Dimension) bereits vorgängig schon mal ad acta gelegt.

    Trotzdem empfindet der Stadtrat sein Projekt als nach wie vor prima, ohne sich eine Alternative vorstellen zu können.

    Der Stadtrat kommt somit nicht umhin, sich nach diesen vielen Einwendungen mal grundsätzlich zu erklären:

    1. Warum soll die von der Kreuzlinger Bevölkerung und von auswärtigen Stadtbesuchern geliebte offene, grosse Stadtraum mit ihrer markanten Kloster-Blickachse heute geteilt und in ihrer Gesamtwirkung somit zertört werden?
    2. Ist dieser Raum nicht schon seit Generation „der“ stadtauthentische Treffpunkt zur Begegnung das ganze Jahr über – durch kleine und grosse Veranstaltungen aller Art?
    3. Ist die (gewerbe-) wirtschaftliche, wie kulturelle Bedeutung für die Stadt ein nicht zu hoher Wert, der mit einer auch nur Teilzerstörung dieser Stadtfläche verloren ginge?
    4. Prägte und prägt dieser einmalige Raum nicht auch wesentlich die Aussenwirkung der Stadt und macht das Stadtbild attraktiv?
    5. Warum soll dieser hitorisch und kulturell begründbare freie Raum „Dreispitzpark – Stadtfestwiese – Klosterblick“ in seiner angestammten Gänze für alle kommenden Generationen nicht erhalten, sondern im Wesentlichen durch eine gewaltige Baumasse zerstört werden?

    (Noch eine kurze Anmerkung: Die gegenwärtige „visuelle Störung“ dieses offenen Raums durch die unschöne Belagerung mit vielen Fahrzeugen wurde damals durch den Stadtrat eingeleitet und immer weiter ausgebaut. Der Rat war seinerzeit nicht imstande, alternativ ein Projekt einzuleiten, um diese absehbar unschöne Entwicklung erst gar nicht aufkommen zu lassen).

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    1. schiesser

      Egal wie man zu dem geplanten Bau steht: 1. Knapp mehr als die Hälfte der Kreuzlinger Stimmberechtigten hat dem Bau zugestimmt. Sie kann offensihtlich damit leben, dass der „offene, grosse Stadtraum mit ihrer markanten Kloster-Blickachsemgeteilt“ wird. 2. Den Bärenplatz als „d e n stadtauthentischen Treffpunkt“ zu bezeichnen, stimmt ja wohl nur, wenn man einen Parkplatz als „stadtauthentischen Treffpunkt“ bezeichnen will. Den allergrössten Teil des Jahres ist er nämlich nur das und nichts anderes. (Und ohne Autos darauf, wäre er einfach nur ein sehr grosser, sehr leerer Platz) 3. Klingt es doch ein bisschen arg übertrieben, den Bau eines 111 Meter langen Verwaltungsgebäudes als „Teilzerstörung“ für die „(gewerbe)-wirtschaftliche, wie kulturelle Bedeutung für die Stadt“ zu bezeichnen. Der heutige Parkplatz wäre dieser Argumentation nach dann ein Garant für die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung Kreuzlingens. Ein bisschen viel Ehre für den Platz. 4. Welche Aussenwirkung Kreuzlingens wird denn da geprägt? Bzw. Was ist „Aussen“? Denkt man als KonstanzerIn an den Bärenplatz wenn man von Kreuzlingen spricht? FrauenfelderInnen tun das garantiert nicht (was auch daran liegt, dass FrauenfelderInnen kaum an Kreuzlingen denken). 5. Kreuzlingen diskutiert nun seit rund 40 Jahren über den Neubau eines Verwaltungsgebäudes – bisher fand keine Planung je einhellige Zustimmung – irgendwann einmal sollte man vielleicht mal zu Potte kommen. Das wird nicht ohne Kompromisse (welche auch immer) möglich sein.

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