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Grün, rot – oder quasi tot?

Kreuzlingen – Der Kreuzlinger Stadtrat kommentierte letzte Woche den Bericht der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD). Das Initiativkomitee Freie Festwiese widerspricht einigen seiner Aussagen.

Die Freunde der Festwiese wünschen sich ein Ja am 7. März. (Bild: IDK)

Für uns steht die Ampel nicht auf Grün, sondern auf Rot. Das Verwaltungsgericht hat rechtsgültig entschieden, dass das Projekt auf der Festwiese nicht gebaut werden kann. Tiefes Rot auch bei den finanziellen Aussichten: Kreuzlingen kann sich, neben allen anderen Aufgaben, ein solches Riesenprojekt nicht leisten. Eine Realisierung hätte zu starke Auswirkungen auf die finanzielle Entwicklung der Stadt. Dies in einer Zeit, da viele mit existenziellen Sorgen zu kämpfen haben.

Wenn das Vorhandene saniert und die Wunschliste bereinigt wird, schrumpft der zusätzliche Raumbedarf. Zudem sind ergänzende Bauten in der Nähe des Stadthauses möglich, sie würden das Geschäftszentrum beleben.

Lassen wir uns nicht ein X für ein U vormachen : Ein 111-Meter-Stadthaus auf der Festwiese dominiert über die Kirche, nicht umgekehrt. Der Eingriff ins historische Zentrum wäre schwerwiegend. Der hässliche Parkplatz kann auch ohne Stadthaus zu einem begrünten Begegnungszentrum umgestaltet werden. Dafür besitzt Kreuzlingen seit Jahren ein preisgekröntes Projekt.

Man will uns weismachen, die von der EKD angemahnten Änderungen könnten kostenneutral berücksichtigt werden. Dabei führen schon allein die neuen Planungen zu Mehrkosten, geschweige denn eine allfällige Umsetzung (Absenkung der Baute, Verschiebung der Tiefgarage et cetera).

Mit solchen Aussagen verspielt der Stadtrat seine Glaubwürdigkeit. Er ist weit davon entfernt «eine weitere Hürde» genommen zu haben. Schon 2016 wurde das Volk im Abstimmungskampf mit irreführenden Behauptungen geködert. Diesmal lassen wir uns nicht mehr täuschen. Ja zur Initiative für eine freie Festwiese am 7. März! Damit erhält der Stadtrat den Auftrag, eine zweckmässige und kostengünstigere Alternative zu liefern.

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3 thoughts on “Grün, rot – oder quasi tot?

  1. Bruno Neidhart

    Die Angst die den Stadtrat zu reiten scheint, in dem er sein schwankendes Projekt weiterhin als „noch immer irgendwie möglich“ anpreist, verfliegt erst dann, sollte er imstande sein, eine erste Alternativmöglichkeit anzudeuten. Damit gewänne er nicht nur an politisch einsichtigem Profil aufgrund einer dramatisch verfahrenen Situation, wie sie sich aus unterschiedlichen Gründen herausgebildet hat, sondern der Rat stellte sich bewuss den Anforderungen einer Zeit die nicht mehr die ist, wie vor der Projekteinbringung: Dies besonders aufgrund der fananziellen Seite der allgemeinen Belastung, aus neu deklarierter klimatischer Sicht, aus stadtgewerblichen Belangen (neue Zentrumsbildung), usw. – und schon gar nicht, um auf einen neu zu entdeckenden stadtkulturellen Blick zu antworten („Wie hat sich die Stadt gebildet – was blieb von ihren historischen Merkmalen übrig“). Es wären Zeichen einer Neubesinnung, aus der dann schliesslich auf der letzten offenen Fläche im Stadtkern gemeinsam ein attraktiver grosser Raum bliebe, der eine Stadt ganzjährig lebendig abbilden würde. Eine Referenz sowohl an das Aufkommen der Örtlichkeit „Kreuzlingen“, wie gleichzeitig eine Projektion in die Zukunft einer weiter wachsenden Stadt, deren stolzer Name bekanntlich auf eine über 900 Jahre alte Vergangenheit verweist (cruzelin).

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  2. Patrick Soller

    Das Initiativkomittee schwenkt wieder auf das Verwaltungsgericht zurück, weil die Denkmalpflege nicht so entschieden hat, wie die Initianten das gerne gehabt hätten.
    Jetzt bringen sie noch die Finanzen ins Spiel, obwohl schon seit Jahren bekannt ist, wieviel das kosten wird. Und es ist eine pure Behauptung, dass ein Stadthaus an der Marktstrasse günstiger wird.
    Zudem lässt man ausser Betracht, dass die Liegenschaften an der Marktstrasse vermietet oder verkauft werden können.
    Die verfahrene Situation wird in erster Linie durch die Initianten verursacht, die mit der Initiative versuchen, einen rechtskräftigen Volksentscheid umzustossen.
    Es ist auch anmassend, dass es die Initianten besser wissen als die Denkmalpflege (Aussage: Stadthaus dominiert die Kirche und nicht umgekehrt)

    Nur ein starkes Gewerbe vermag eine wirtschaftliche und somit private Kriese zu überstehen. Deshalb muss Kreuzlingen an diesem Projekt festhalten und sollte die Aufträge an lokale Unternehmen vergeben. So kann die Stadt ihren Beitrag zur möglichst geringen Arbeitslosenquote in der lokalen Wirtschaft beitragen. Jedem dem der lokale Wohlstand etwas wert ist und über den Tellerrand rausdenkt lehnt die Initiative ab.

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    1. Bruno Neidhart

      Es ist doch beileibe nicht so, Herr Patrick Soller, dass die (auswärtige) Denkmalkommission keine Mängel monierte. Im Gegenteil! Dabei ist die Frage, ob ein historisch offener Stadtraum, der zudem das Stadtmerkmal (Klosterkirche) ins Zentrum setzt, zu erhalten sei, zuerst eine rein Kreuzlinger Veranstaltung. Im Kern eine immanent stadtkulturelle. Mit „Arbeitslosenquoten“ zu operieren geht an der Sache vorbei. Deren Ursachen sind anderer Natur und sollten nicht mit Wunschvorstellungen in eigener Sichtweise vermischt werden. Übrigens: Wenn ein „Gewerbe“ besonderen Zuspruch bekommen sollte, so das an der Hauptstrasse. Ohne ein starktes Zentrum – keine Stadt. Da kann eine Neubesinnung, was an der Hauptstrasse/Matktstrasse getan werden kann (endlich müsste!), um bereits stadtseits zur Belebung des Zentrums beizutragen, höchst sinnvoll sein. Auch dort würden wohl „Aufträge an lokale Unternehmen“ vergeben. Oder?

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