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Was ich noch zu sagen hätte …

Leserbrief – Dipl. Ing. Renate Neophytou aus Kreuzlingen versteht die Art von Fragen beim Einbürgerungstest in Kreuzlingen nicht. Sie sei noch nie irgendwo durchgefallen, hier dafür gleich zweimal.

Leserbrief

(Bild: Devanath/Pixabay)

Es ist schon erstaunlich, wie unwichtig für die Kreuzlinger Einbürgerungskomission die Tatsachen sind wie lange man schon in Kreuzlingen wohnt, wie gut man integriert ist, ein guter Steuerzahler ist und was man für einen Leumund hat. Nein, wichtig scheint zu sein, dass man die Thurgauer Radiosender, die Bäcker, die Kreiselnamen, Standort der Zuckerfabrik, Strassennamen, Telefonnummern, wer an den Strassen das Papier abholt, weiss. Es reicht nicht, dass man weiss, wann und wo man das Altpapier hinlegt, nein es müssen Namen genannt werden. Auch der Wertstoffhof reicht nicht aus als Antwort für die Entsorgung von Batterien und PET-Flaschen, es muss der Name her RAZ Entsorgungszentrum Kreuzlingen, betrieben von der Firma Imhof. Es wird gefragt, ob das Kloster vor vielen Jahren näher oder weiter weg von der Grenze stand und wo vor vielen Jahren sich das Zentrum von Kreuzlingen befand. Auch werden Buntstifte den Prüflingen hingelegt zum richtigen Ausmalen der Thurgauer oder Kreuzlinger Fahne. Auf einer Umriss-Zeichnung der Schweiz ohne Inhalt, wird erwartet, dass man Kantone und Flüsse einzeichnen kann. Die Erwartung, dass vielleicht nach ansässigen, grossen Firmen in Kreuzlingen gefragt wird, nein die oben aufgeführten Fragen sind eindeutig wichtiger für diese sehr spitzfindige Prüfungskommission.

Ich hätte auch noch einen kostenlosen Vorschlag für eine der nächsten Einbürgerungsprüfungen. Es könnte ja sein, dass der Prüfungskommission nichts Wichtiges mehr einfällt. Wie wäre es mit der Frage:

Wieviel Robydogbehälter gibt es in Kreuzlingen und wo genau befinden sich diese?

Ich habe in meinem Leben schon viele Prüfungen machen müssen und erinnere mich nicht irgendwo durchgefallen zu sein, aber hier in Kreuzlingen schaffte ich es gleich zwei Mal. Es sind nicht die durchaus zum grössten Teil sinnvollen Fragen über die Schweiz, diese habe ich beide Male recht gut beantworten können, nein es sind die zum grössten Teil unsinnigen Fragen über den Thurgau und Kreuzlingen. Nun bin ich Gott sei Dank eine Erfahrung reicher geworden.

Ich kenne viele Menschen, die in anderen Gemeinden, Städten einen Einbürgerungsantrag eingereicht haben und damit auch erfolgreich waren, aber ich kenne niemanden, der so eine unwürdige Prüfung machen musste. Häufig genügte nur ein Handschlag.

Interessant wäre es, Schweizer Bürger in Kreuzlingen diese Prüfung mal machen zu lassen. Wenn man ihnen dann den Pass entziehen würde, würde die Zahl 45 Prozent bestimmt nur noch im einstelligen Bereich liegen.

Ich hätte mir nicht im Traum einfallen lassen, mich in einem auf seine Demokratie zu Recht stolzen Land wie der Schweiz den willkürlichen Fragen und Entscheiden dieser Prüfungskommission hilflos ausgesetzt zu sehen. Es bleibt ein Gefühl der Ausgrenzung und des Unwillkommen Seins, auch ein sich immer mehr verstärkender Wunsch von Kreuzlingen weg zu ziehen.

Das Stadtparlament sollte zumindest das Statut in dem Sinne ändern, dass wenigstens ein Ombudsmann oder Moderator eingesetzt wird, an den sich Antragsteller wenden können.

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3 thoughts on “Was ich noch zu sagen hätte …

  1. Adrian Lang

    Sehr geehrte Frau Neophytu,
    Es heisst in der Schweiz durchgehend und ausnahmslos „Werkhof“, und absolut gar nie „Wertstoffhof“, was unsere lieben nördlichen Nachbarn übrigens von der DDR übernommen haben ;-)
    Löblich ist dafür dass von „Kreisel“ und nicht von „Kreisverkehr“ geschrieben wird.
    Dass die eine oder andere Frage dem spitzfindigen Lokalpatriotismus (von dem man viel oder wenig halten kann) zuzuschreiben ist, liegt auf der Hand. Sie sollten das allerdings dennoch weder als entwürdigend noch Ausgrenzung auffassen. Einfach Resilienz zeigen und nochmals probieren – auch eine Art von Beweiserbringung, dass man sich hier zu Hause fühlt.
    MfG
    A. Lang

    Antworten
    1. schiesser

      Die andere, aber natürlich völlig abwegige Möglichkeit, wäre es, die Fragen zu ändern. Es ist doch völlig egal, ob nun jemand „Wertstoffhof“ sagt oder „RAZ Entsorgungszentrum“ – wichtig ist, dass er/sie weiss, dass man dort Abfallstoffe anliefert, die wiederverwendet werden können.
      Und, lieber Herr Lang, das RAZ heisst in der nirgends in der Schweiz „Werkhof“. Ein Werkhof ist nämlich etwas völlig anderes – fragen Sie mal bei der Kreuzlinger Bauverwaltung, was ein „Werkhof“ ist. Der Kreuzlinger liegt übrigens an der Promenadenstrasse 14. Das RAZ (der „Wertstoffhof“) liegt seit ein paar Monaten an der Seefeldstrasse 3. Den einen betreibt immer noch die Stadt, den anderen ein Privatunternehmen. Auf jeden Fall hat diese Verwechslung schon mal den Beweis dafür erbracht, dass auch „Eingeborene“ sich bei der Benennung lokaler Einrichtungen täuschen können. Ich find’s übrigens erheiternd, dass es ein beweis dafür sein soll, sich hier zu Hause zu fühlen, wenn man sich ein möglichst dicke Haut zulegt (auch „Resilienz“ genannt) und sich möglichst viel gefallen lässt.

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  2. klaus büngener

    ich wohne seit 26 Jahren in Kreuzlingen und würde mich gerne einbürgern lassen.
    Leider wird das nichts so lange man dabei der Willkür und den Launen der Schweizermacher
    ausgeliefert ist. Sehr gerne in einem objektiven nachvollziehbaren Verfahren, aber ich sehe nicht kommen, dass ich das noch erlebe.

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