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Die digitale Galerie

Kreuzlingen – Das Museum Rosenegg zeigt ab 24. Januar eine virtuelle Kunstausstellung von Philippe Mahler.

Philippe Mahler und Yvonne Istas präsentieren die Ausstellung «Face @ face» im Museum Rosenegg. (Bild: Inka Grabowski)

«Wir haben Ideen, wie wir mit der Situation umgehen können». Yvonne Istas, die Leiterin des Museums Rosenegg, will sich von der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen nicht unterkriegen lassen. «Ursprünglich wollten wir jetzt eine Ausstellung mit Bildern von Ernst Kreidolf machen, in Kooperation mit der Wessenberg Galerie in Konstanz. Doch die ist wegen des Lockdowns auf kommendes Jahr verschoben. Das gab uns die Gelegenheit, endlich Philippe Mahler zu präsentieren».

Nur Spuren von Menschen
Mahler lebt und arbeitet in Kreuzlingen. Der 63-Jährige war der Rosenegg bisher als Kurator verbunden. Auch einige seiner Bilder waren schon im Museum zu sehen. Sein «Wollmatinger Ried» hängt beispielsweise in der Dauerausstellung «Hüben und Drüben». Nun aber zeigt er, was er 2020 während der Corona-Zeit geschaffen hat. Ein Bild hat er sogar speziell für diese Ausstellung gemalt.

In allen dreissig Werken geht es ihm um die Vereinzelung der Menschen, um Sehnsucht nach weiten Räumen, um den Gegensatz von Aussen und Innen. Einen Saal hat er mit Gemälden von seinem Atelier bestückt. Abgebildet sind Leinwände, die Fenstern gegenüberstehen. Die Idee treibt er auf einem Werk auf die Spitze. Eine Frau betrachtet eine Landschaft. Mahler lässt offen, ob sie durch ein Fenster schaut oder sich in einer Kunstausstellung befindet. Es geht ihm eben nicht um eine realistische Wiedergabe der Wirklichkeit, sondern um eine leicht surreale Wirkung. «Es sind wirklich meine Fenster und es ist wirklich der Bodensee, aber ich habe neu kombiniert, was ich mit eigenen Augen gesehen habe.»

Auf den ersten Blick malt Philippe Mahler schöne Bilder. Der See glitzert. Die Wolken werden von der Sonne angestrahlt. Die Farben sind reduziert, subtil und nicht pastos aufgetragen. «Aber es gibt dort beim genaueren Hinsehen auch etwas Unheimliches, fast Bedrohliches», sagt Yvonne Istas. «In mir entsteht jeweils eine leichte Irritation». Zum Teil liegt das in der Malweise begründet. Mahler hat einige frühere Werke übermalt. Sie scheinen noch durch und zeigen so nicht nur Innen- und Aussenräume, sondern auch den Zeitraum zwischen der ersten und der letzten Bearbeitung.

Ausstellung online
«Face @ face» lautet der Titel der Ausstellung. «Die Begegnung von Angesicht zu Angesicht ist ja derzeit kaum möglich», erklärt Istas. «Ohne die digitalen Medien hätten manchen Menschen gar keinen Kontakt mehr. Dieses Gefühl, in der Wohnung auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, zeigen die Bilder». Digital wird auch die Ausstellung zu sehen sein. Alle 30 Gemälde sind in der Galerie auf der Homepage des Museums (www.museumrosenegg.ch) zu sehen. Dort wird zur virtuellen Eröffnung am Sonntag, 24. Januar, auch ein Video aus der Schau verlinkt, so dass die Betrachter einen Raumeindruck bekommen. «Ich hoffe, dass Ende Februar der Lockdown aufgehoben wird, so dass Besucher dann physisch zu uns kommen können», so die Kunsthistorikerin. Bis dahin kommt das Museum auf Wunsch zu Interessenten nach Hause. Jedes der Werke kann für eine Woche ausgeliehen werden, um es unmittelbar zu erleben. Philippe Mahler bringt es persönlich bis zur Haustür und holt es auch wieder ab. Wer sich dann nicht trennen mag, kann das Gemälde kaufen. Die Preise reichen von 700 bis 7000 Franken. Die analoge Vernissage ist für den 7. März geplant. Dann startet auch das Rahmenprogramm mit Führungen und Bildbetrachtungen.

Inka Grabowsky

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