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«Zu gross, zu teuer, am falschen Platz»

Kreuzlingen – Zu gross, zu teuer, am falschen Platz: Das Initiaivkomitee für die Freihaltung der Festwiese startete am Dienstag die Abstimmungskampagne.

Xaver Dahinden, Peter Müller und Guido Leutengger (vl): «Projekt ist nicht mehr zeitgemäss». (Bild: Kurt Peter)

Mit einer kurzen Chronologie eröffnete Xaver Dahinden die Medienkonferenz des Initiativkomitees für die Freihaltung der Festwiese. «Im August 2019 wurde unser Komitee gegründet, die erfolgte Sammlung brachte 1135 gültige Unterschriften», sagte er. Parallel dazu seien Recherchen getätigt worden, die aufzeigten, dass «die Meldepflicht bei Änderungen im Gebiet nicht eingehalten wurden». Diese sei auch nötig, damit es bei Renovationen der Kirche St. Ulrich Bundesbeiträge gebe. Schliesslich habe das Verwaltungsgericht festgehalten, dass das Projekt nicht genehmigungsfähig sei.

Raumprogramm ist Makulatur

«Ja, es stimmt, es ist schon viel Geld für die Planungen eines neuen Stadthauses ausgegeben worden», meinte Guido Leutenegger. Doch die aktuelle Pandemie habe gelehrt, dass das, «was gestern geplant wurde, heute nicht mehr stimmt». Kulturschaffende, Gewerbe und Gastronomie seien gezwungen worden, «ihre Entscheidungen über den Haufen zu werfen». Schon vor der Pandemie habe die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert.

Die geltende Pflicht zu Homeoffice sei auch eine Chance. «Ein Teil der Arbeit kann nicht mehr in bekannter Form gemacht werden, das trifft auch die Verwaltungen». Und damit müsse sich auch der Stadtrat überlegen, wie in Zukunft die Aufgaben bewältigt werden können. Homeoffice alleine sei natürlich keine Lösung, aber: «Das Raumprogramm für dieses Projekt auf der Festwiese ist Makulatur», sagte Guido Leutenegger.

Eine Perlenschnur

«Zu gross, zu teuer und am falschen Platz», fasste er die Ansicht des Initiativkomitees zusammen. Bei der Realisierung des Sport- und Kulturzentrums Dreispitz seien umfangreiche Überlegungen gemacht worden, wie das Gebäude platziert werden solle. «Das Resultat war, dass mehr als das halbe Bauvolumen im Boden umgesetzt wurde». Das geplante Stadthaus sei für den Dreispitz störend und trage der Sensibilität des Platzes keine Rechnung. «Eine zeitgemässe Lösung ist gefragt, ein Stadthaus dieser Grössenordnung kann sich die Stadt nicht mehr leisten».

Zum Kampagnenstart präsentierte Xaver Dahinden Plakat und Flyer, wobei dieser eine zentrale Rolle spiele und in allen Haushaltungen verteilt werde. «Wir zeigen darin auf, dass mehrere städtische Abteilungen in den bereits genutzten Gebäuden bleiben können». Diese seien am richtigen Ort an der Hauptstrasse, aufgereiht wie eine Perlenschnur und müssten baulich den gesetzlichen Vorgaben angepasst werden. Für die räumliche Verbesserungen genügten Ergänzungen in der Nähe des Stadthauses. Schliesslich versprach er der Bevölkerung eine süsse Überraschung: «Wir verteilen 111 Meter Schokolade».

Volk soll entscheiden

Es gebe neue Grundstückbesitzer in der Nachbarschaft, die Lösungen dieser Art nicht abgeneigt wären. «Marktstrasse und Boulevard sind die richtigen Standorte», zeigte sich auch Paul Stäheli überzeugt. Wenn der Stadtrat geschickt vorgehe, mache er, bei Annahme der Initiative, für dieses Gebiet ein Projekt, das realisierbar sei und eine Mehrheit finde. Dafür aber sei es nötig, sich an die geltenden Bauvorschriften zu halten. Nicht wie beim Stadthausprojekt. «Wenn man ein solches Projekt will, ist es in Rekordzeit umsetzbar», so Guido Leutenegger.

Die Gerichtsentscheide und der Bericht der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege, welche einen Bau auf der Festwiese grundsätzlich, aber mit Änderungen zulässt, seien in der Kampagne des Initiativkomitees untergeordnet. «Das Stimmvolk soll entscheiden, ob es dieses Projekt will, nicht die Gerichte», erklärte Jost Rüegg. Ob er die von ihm eingereichte und vom Verwaltungsgericht kürzlich abgewiesene Stimmrechtsbeschwerde ans Bundesgericht weiterzieht, «werde ich noch prüfen».

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