/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

«In guter Ausgangslage»

Kreuzlingen – Die Inseratekampagne der Befürworter der Freihaltung der Festwiese kommt beim Stadtrat nicht gut an. Er spricht von unfairen Vergleichen und nicht abwägbaren Prognosen.

Thomas Knupp, Leiter Finanzen: «Wie die Lage 2027 wirklich ist, kann niemand voraussagen».

«Uns stört der vom Komitee für die Freihaltung der Festwiese inserierte Kostenvergleich zwischen dem Neubau des Stadthauses und dem Ergänzungsbau des Regierungsgebäudes in Frauenfeld», sagt Stadtpräsident Thomas Niederberger. Demnach kostet ein Arbeitsplatz im Ergänzungsgebäude 104´850 Franken, im Neubau des Kreuzlinger Stadthauses 211´765 Franken. «Dieser Vergleich ist unzulässig, weil es sich um zwei völlig unterschiedliche Projekte handelt», meint auch Stadtrat Ernst Zülle.

Hohe Kundenfrequenzen

In Kreuzlingen werde ein Neubau mit gesamter Infrastruktur realisiert und kein Ergänzungsbau. «In Frauenfeld werden kaum Kundenfrequenzen erwartet, die Kreuzlinger Verwaltung zählt über 5000 im Monat», so Niederberger. Das habe Folgen für Fläche und Kubatur des Projekts. Die Sicherheitsanforderungen seien deutlich höher und die Infrastruktur wie die gesamte Informatikabteilung müsse untergebracht werden.

Der Archivbereich sei in Frauenfeld etwa gleich gross wie im neuen Stadthaus, aber «hier haben wir zusätzlich 200 Quadtratmeter so genannte Zugriffsarchive pro Abteilung», präzisiert Thomas Niederberger. Ausserdem sehe das Kreuzlinger Projekt 400 Quadratmeter für Sitzungszimmer vor, in Frauenfeld seien es 280 Quadratmeter. «Im Ergänzungsbau zum Regierungsgebäude sind keine Reserven ersichtlich, im Stadthaus sind es 440 Quadratmeter». Diese Fläche könne vermietet werden, bis sie die Stadt eventuell selber in Anspruch nehmen müsse. Mit Interessenten seien bereits Gespräche geführt worden, aber «im Moment macht es keinen Sinn, Verträge abzuschliessen», so Niederberger.

Seit Jahren im Finanzplan

Ein weiteres Inserat des Komitees für die Freihaltung der Festwiese stösst dem Stadtrat sauer auf. Dieses spricht von 149 Millionen Franken Schulden im Jahr 2027 und bezieht sich auf den städtischen Finanzplan. «Die Investitionen für unsere Projekte wie Familien- und Freizeitbad oder Stadthaus mit Tiefgarage und neu gestalteter Festwiese sind seit Jahren im Finanzplan», sagt der Stadtpräsident. Seit mehr als zehn Jahren schreibe die Rechnung Gewinne, «wir verfügen über 50 Millionen freies Eigenkapital».

Niederberger sieht die Stadt in einer guten Ausgangslage, «die Stadt kann sich das Projekt leisten». Die Tiefgarage belaste die Steuerzahler nicht, weil sie gebührenfinanziert sei. Ausserdem seien in der Vorfinanzierung für das Projekt 7,7 Millionen Franken, die nicht dem Eigenkapital zugerechnet würden.

Eine Wirtschaftsförderung

«Die 7,7 Millionen Franken entlasten die Rechnung bei den künftigen Abschreibungen des Projektes», ergänzt Thomas Knupp, Leiter Finanzen. Eine Finanzplanung sei eine rollende Planung und «die 149 Millionen Franken Schulden im Jahr 2027 sind so im Finanzplan enthalten, sind aber nur eine Annahme». Die Stadt könne beispielsweise auch an Vermögen zulegen, die wirtschaftliche Entwicklung könne niemand abschätzen. Er gehe nicht davon aus, dass die Verschuldung in sechs Jahren so hoch sei wie im Finanzplan aufgeführt. «Wenn es in den kommenden Jahren Steuererhöhungen gibt, dann nicht wegen Hallenbad oder Verwaltung, sondern wegen anderer Faktoren», ergänzt Niederberger. Dazu zählt er etwa die Auswirkungen der Pandemie auf die Sozialausgaben.

Für Ernst Zülle «sind Neubau von Stadthaus, Tiefgarage und die Umgestaltung der Festwiese ein Mehrwert für die Stadt und wir können an der Marktstrasse zukunftsweisende Planungen für das Kreuzlinger Zentrum in Angriff nehmen». Ausserdem könne die Stadt mit dem Bau des Projektes «Schlussstein» dem heimischen Gewerbe Aufträge erteilen. In der momentanen Lage könne sich die Stadt antizyklisch verhalten und die Wirtschaft fördern.

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