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«Selbst die Bodenseeregion hat ihre Schattenseiten»

Konstanz – In ihrem Podcast «SeeUngeheur» spricht Pia Wolf über Verbrechen, die sich in der Bodenseeregion zugetragen haben. Kuriose Kriminalfälle stehen dabei ebenso im Zentrum wie das Gedenken an die Opfer.

«Ungelöste Kriminalfälle sind wie eine Art Rätsel, die es zu lösen gilt», beschreibt die Konstanzerin Pia Wolf ihre Faszination für wahre Verbrechen. (Bild: Emil Keller)

Hier in der Bodenseeregion ist es doch so friedlich. Lassen sich da überhaupt genug Verbrechen finden für eine Podcastreihe?
Pia Wolf: Keine Regel ohne Ausnahme. Wo Menschen zusammenleben ist das Potenzial für Verbrechen gegeben. Hilfreich für meine Recherchen ist natürlich, dass ich ein grosses Zeitspektrum abdecken kann. Der älteste Fall, den ich bespreche, hat sich 1965 zugetragen. Hinzu kommt, dass ich ja Kriminalfälle aus drei Ländern aufgreifen kann. Da kommen über die Jahre schon einige kuriose Verbrechen zusammen.

Wie bist du dazu gekommen, über Kriminalfälle aus der Region zu sprechen?
Wahre Verbrechen haben mich schon immer fasziniert. Seit Langem lese ich Magazine darüber oder höre mir Sendungen dazu an. Das öffentliche Interesse scheint sich dafür in den vergangenen Jahren allgemein gesteigert zu haben, was man an immer neuen Podcasts und Heften erkennen kann. Viele Sendungen behandeln grosse internationale Kriminalfälle. Aus meiner Leidenschaft für die Region heraus interessiere ich mich aber auch für die lokalen Fälle. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Bodenseeregion noch nicht wirklich abgedeckt ist. Die viele freie Zeit während der Pandemie hat mich schlussendlich dazu bewogen, es doch selbst einmal mit einem Podcast zu versuchen.

Ein Mordopfer, das von einem Bären gefunden wird, ein totes Mädchen in ihrem Kinderbett oder ein Totschlag aufgrund politischer Hetze. Wie findest du all diese mysteriösen Fälle?
Von vielen Fälle habe ich schon einmal gelesen oder gehört. Über andere stolpere ich aber wortwörtlich drüber, wie zum Beispiel über den «Gammler Mord». Per Zufall lief ich bei der Enthüllung der Gedenktafel am Konstanzer Blätzeplatz vorbei. Davor hatte ich noch nie von der Tötung des Jugendlichen und den politischen Hintergründen gehört. Das hat mir gezeigt, dass es selbst in nächster Nähe noch viele unbekannte Verbrechen gibt und war auch Motivation für die erste Folge.

Haben Verbrechen am Bodensee etwas Spezielles an sich?
Einerseits zeigen sie, dass selbst unsere idyllische Urlaubsregion seine Schattenseiten hat. Andererseits kommt es aufgrund der Nähe von Schweiz, Deutschland und Österreich immer wieder zu kuriosen Konstellationen. Verbrecher können schnell die Landesgrenzen überqueren und die Ermittlungsmethoden unterscheiden sich von Land zu Land. Es zeigt sich aber immer wieder, dass die Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden gut funktioniert.

Woher denkst du, kommt diese Faszination für wahre Verbrechen?
Meiner Meinung nach wollen wir verstehen, wie es zu solch extremen Handlungen kommen kann. Dahinter steckt sicher die Angst, selbst zum Opfer zu werden. Gleichzeitig ist es auch eine Art Prävention, nicht selbst zur Täterin zu werden. Wir wollen verstehen, was für Hintergründe und Geschichten Menschen dazu bringt, sich gegenseitig Böses anzutun. Ich selbst diskutiere gerne ungelöste Kriminalfälle. Es ist eine Art Rätsel, dass es zu lösen gibt. Wenn man alle Indizien und Beweise zusammenlegt, sollte es doch möglich sein, den oder die Täterin zu finden.

Gibt man mit den Berichten den Tätern nicht viel Raum in der Gesellschaft?
Ich habe sehr viel Empathie mit den Opfern und versuche, dass in den Podcasts zu thematisieren. Von den Verbrechen sind ja nicht nur die direkten Opfer betroffen, sondern ganze Familien werden zerrüttet. Bei der Folge über die Zöllnermorde am Grenzübergang «Klein Venedig» war es mir zum Beispiel wichtig, nicht nur über das Leben des Täters zu sprechen, sondern auch den Toten zu gedenken. Das waren Familienväter, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Man darf vor lauter Faszination und Interesse nicht vergessen, dass durch die Verbrechen reale Leben zerstört werden.

Den Verbrechen lauschen
Der Podcast «SeeUngeheur» lässt sich auf allen gängigen Plattformen wie Spotify oder Apple Podcasts kostenlos abonnieren. Unter www.podcast.de/podcast/869828 können die Folgen auch direkt heruntergeladen werden.

Mit Pia Wolf sprach Emil Keller

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