/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

In den Startlöchern

Kreuzlingen - Die Kreuzlinger Kulturvereine haben die Corona-Monate weitgehend gut überstanden. Wer jedoch laufende Kosten wie eine Lokalmiete decken muss, dem gehen langsam die Gelder aus.

Die Kreuzlinger Kulturvereine (hier das Z88) hoffen auf baldigen Beginn der Veranstaltungssaison. (Bild: Emil Keller)

«Das Geld reicht noch bis zum Sommer, danach brauchen wir finanzielle Unterstützung», sagt Lisa-Maria Rosenzweig. Die Präsidentin des Z88 findet deutliche Worte für die Situation, in der sich ihr Kulturverein befindet. Im Herbst vergangenen Jahres sind die Mitglieder in neue Räumlichkeiten an der Löwenstrasse 6 gezügelt. Der zweite Lockdown hat alle Kalkulationen für die Neueröffnung über den Haufen geworfen. Den Umbau haben die Kulturfreunde weitgehend aus eigener Hand gestemmt. Neu hinzu kam jedoch eine marktübliche Lokalmiete. In ihrem vorherigen Häuschen an der Hauptstrasse 88, dass nun dem Hallenbadneubau weicht, mussten sie keine Miete zahlen.

Dass im zweiten Lockdown auch die Gastronomiebetriebe wieder schliessen mussten, könnte den Musikliebhabern das Genick brechen. «Wir sind auf die Einnahmen aus unserer neuen Beiz angewiesen. Ohne diese können wir die laufenden Kosten nicht decken», erklärt Rosenzweig das Konzept des neuen Z88. Wegen einer Mietreduktion hatte der Verein schon bei ihrem Vermieter angeklopft, leider erfolglos.

Gage trotz Absage

Bei den restlichen Kulturvereinen in Kreuzlingen ist die Lage nicht ganz so prekär: «Wir haben Glück, dass wir ausser einer sehr geringen Miete keine weiteren Fixkosten haben», erklärt Andreas Heuke, Präsident beim Theater an der Grenze. Die finanzielle Situation sei nie rosig, jedoch stabil. Grund dafür seien die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, welche den Verein am Laufen halten. Diese entschieden sich schon frühzeitig in der Pandemie dazu, den Theaterbetrieb einzustellen, um dem Virus keine Bühne zu bieten. Die wirklich Leidtragenden der erzwungenen Schliessung aller Veranstaltungslokale sind für ihn vorallem die Künstlerinnen und Künstler, welche plötzlich ihrer Existenzgrundlage beraubt wurden. Deshalb einigte sich der Vorstand darauf, bereits gebuchten Künstlerinnen und Künstlern ihre Gage trotz Absage auszuzahlen. Mit den üblichen Mitgliederbeiträgen und staatlichen Zuschüssen können sich die Theaterfreunde vorerst über Wasser halten. Zusätzliche Unterstützung wollen sie deshalb nicht beantragen. «Da gibt es andere Vereine und Institutionen, die das Geld dringender benötigen», so Heuke.

Das Kulturzentrum Kult-X hatte ihre Arbeit als Plattform für Kreuzlinger Vereine bereits mit Corona im Hinterkopf begonnen und ihr Angebot laufend den Bestimmungen angepasst. «Die Miete ist für das Jahr 2021 von der Stadt subventioniert», erklärt Christine Forster, Leiterin der Geschäftsstelle des Kult-X. Für sie bedeutete das vergangene Jahr viel Umdenken und neue Konzepte entwickeln. Derzeit besteht noch die Möglichkeit für Familien, den Kinosaal für kostenlose Privatvorführungen zu benutzen. Trotz 50 abgesagten Veranstaltungen im 2020 konnten so dennoch 58 durchgeführt werden. «Mein allergrösstes Anliegen ist es, dass trotz Kultur-Flaute alles am Köcheln bleibt. Freischaffende Künstlerinnen und Künstler müssen wieder auf Touren kommen und das müssen wir mit günstigen Konditionen unterstützen», so Forster.

Geld für den Frühling

Den Musikliebhaberinnen und Musikliebhabern vom Horst Klub kribbelt es mittlerweile auch schon in den Fingern. «Nicht nur unsere Gäste, sondern auch wir als Betreiberinnen und Betreiber vermissen den Horst Klub und können es kaum erwarten, bis es wieder losgehen kann», sagt Stefan Böker im Namen des siebenköpfigen Vorstands. Finanziell sehe es gar nicht so schlecht aus, da der ehrenamtliche Verein fast keine laufenden Kosten wie Löhne habe. Während den schlimmsten Monaten kam ihnen ihr Vermieter entgegen und hat ihnen die Lokalmiete zur Hälfte erlassen. Vom Kanton kam ausserdem eine Ausfallentschädigung für die Frühlingsmonate hinzu. Doch so langsam gehen die Reserven aus: «Es wäre definitiv einfacher, wenn wir wieder loslegen können», erklärt Gründungsmitglied Böker. Jetzt, wo es wärmer wird, soll die Aussenanlage auf Vordermann gebracht werden, damit es so bald wie möglich wieder losgehen kann mit Veranstaltungen.

So stehen praktisch alle Kulturvereine in den Startlöchern und warten nur das OK vom Bundesrat ab. Das Theater an der Grenze hat schon mal vorsichtig auf Ende April eine Veranstaltung geplant. Das Z88 will die Beiz öffnen, sobald es wieder erlaubt ist. Viele im 2020 geplante Veranstaltungen wurden zudem nur aufs nächste Jahr verschoben. Für die beliebte SonderBar, welche jeweils draussen im Dreispitzpark stattfindet, ist auch schon alles parat.

Share Button

One thought on “In den Startlöchern

  1. B. Kerzenmacher

    Das Virus wird durch und von Menschen übertragen. Wenn sich alle Menschen aus dem Weg hätten gehen können, würde es keine weiteren Wellen geben.
    Schon die Abstandregeln zu befolgen von Allen, hätte hier sehr deutlich geholfen.
    Die Politik kann hier noch so viel Einschränkungen und Regeln beschliessen, werden sie nicht befolgt, dann geht das mit den Infektionen eben ohne Ende weiter. Daher ist eben nicht die Politik das Problem, sondern die vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich einfach nicht konsequent an das halten, was vorgegeben ist.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.